Krisen bieten Chancen!

panta rhei

In der letzten Woche gingen die Überlegungen jeden Tag hin und her: Wie reagieren wir kurz vor unserer Tagung und Festveranstaltung „Das zugängliche Archiv“ auf die zunehmende Corona-Krise? Viel sprach zunächst dafür, darauf zu hoffen, dass kleine Treffen dieser Art doch noch stattfinden würden.

So klein wäre es allerdings nicht geworden: während wir gerade dabei waren, unser Vorhaben in Fachmedien wie H-Soz-Kult und Archivalia, über die Mailingliste des Arbeitskreises Historische Demographie, über den Blog „Digital Humanities im deutschsprachigen Raum“ (DHdBlog) und über andere Organisationen bekannt zu machen, hatten wir bereits an die 150 Anmeldungen, dazu an die 30 Ortschronisten aus dem mitteldeutschen Raum, ein Dutzend Menschen aus dem Umfeld der BOLSA-Studie – und wir fingen gerade an, in den lokalen und überregionalen Medien und unter Studierenden und MitarbeiterInnen der Universität zu werben. Über 200 Menschen – die Schallgrenze, an der Anfang der Woche schon bestimmte Restriktionen des Gesundheitsamtes ansetzten (mit dem wir in wiederholtem Kontakt waren) – wären sicherlich erreicht worden. Geschichtliche Familienforschung, Mitmach-Computergenealogie, digitale Erschließung von historischen Familien- und Personendaten und Lebensgeschichten, kreative Nutzung von Informatik für das Zugänglichmachen der in Archiven schlummernden Schätze – diese Verbindung von Themen wird an Attraktivität nicht verlieren. Besonders wichtig war dem Kern-Vorbereitungsteam aus Ingrid Reinhardt und Georg Fertig auch, dass wir zwei Dinge miteinander verbinden: Einerseits die in vielen Jahren – 30, 10, 5 – erarbeitete Kompetenz der ihre Jubiläen feiernden Organisationen, also CompGen, Icarus und Archion, öffentlich zu zeigen, und andererseits uns eben auch eine Öffentlichkeit zu schaffen, nicht nur in den Medien, sondern auch an der Universität und unter den vielen nichtorganisierten ForscherInnen in der mitteldeutschen Region und darüber hinaus, die sich ebenfalls für einzelne, nicht-prominente Menschen in der Geschichte und für ihre Familien und Lebensumstände interessieren.

Schade.

Wir haben die Tagung und die Feier nicht abgesagt, sondern auf den 5.-7. März 2021 verschoben, in der Hoffnung, dass wir uns alle dann gesund wiedersehen. Das Verschieben wird nicht perfekt gelingen. Eine solche Tagung zusammenzustellen ist wie ein ausbalanciertes Mobile zu basteln, und nicht das ganze komplizierte Gebilde wird sich transferieren lassen – die städtische Förderung wird neu zu beantragen sein, manche Anlässe werden obsolet sein, manche Partner werden Terminschwierigkeiten haben, manche Themen schon abgearbeitet, andere werden auftauchen. Hoffentlich pustet keiner zu stark, dann verheddert sich alles. Aber nein, wir werden das hinbekommen.

In der Krise liegen aber auch Chancen. Eine kleinere ist die, dass wir an einigen Stellen noch nachbessern können. So gibt es zum Beispiel durchaus noch die Möglichkeit, mehr über die Geschichte der Mitmach-Computergenealogie vorzuzeigen. 30 Jahre CompGen sind 30 Jahre Technikgeschichte des Wissens über Familien. In den vergangenen 30 Jahren haben sich die Techniken, wie wir an Wissen kommen und wie wir es austauschen, erheblich verändert, und die im CompGen-Verein organisierten Archivnutzer, dann später auch die Organisationen der Archive wie Icarus und Archion haben viel zu diesen Veränderungen beigetragen. Diese Veränderungen lassen sich zeigen, vorführen, ausstellen. Sammeln wir Ideen dafür (gern an ireinhardt@compgen.de, Betreff „Halle 2021“)!

Die größte Chance aber ist vielleicht die, dass wir nun wissen, wie groß das Interesse an all den verschiedenen angebotenen Themen ist. Das wird es uns, als Verein für die Nutzung der Computertechnik für das gemeinsame Arbeiten an Forschungsthemen, erleichtern, mit digitalen Mitteln an den Tagungsthemen gemeinsam weiterzuarbeiten. Es ist schön und wichtig, sich persönlich zu sehen, aber wir können uns auch in unseren digitalen Medien zusammenfinden und über das kommende Jahr hinweg weiter gemeinsam arbeiten.

Nutzen wir die Zeit, und bleiben wir in Kontakt!