Dritter Zweig: Die Diskussionen

 10:45 – 12:30 Historisch-anthropologische Session: Doing kinship, finding kin.

  • Prof. Dr. Elisabeth Timm (Institut für Kulturanthropologie / Europäische Ethnologie, Münster): Verification by serendipity. How genealogists transform archival heritage.
  • Fenella Cannell, PhD (London School of Economics): Kinship as Plot. Doing Genealogy in ‘Religious’ and ‘Secular’ Settings.
  • Inna Leykin, PhD (The Open University of Israel, Ra’anana): ‘Who do you think you are’: Genealogical imagination in contemporary Russia.
  • Patrick Heady, PhD (MPI for Social Anthropology, Halle), ‘Patterned Relationships’: a cognitive approach to the observable co-variation of terminology, genealogical awareness, and mutual involvement in European kinship practice.

Zentrales Thema dieser englischsprachigen, fachlich in der Ethnologie und Soziologie angesiedelten Diskussionsrunde ist die Frage nach der Vielfältigkeit von Motiven, durch genealogische Praktiken Verwandtschaft zu stiften, im Vergleich mehrerer Kulturen und unterschiedlicher sozialer Milieus.

14:00 – 15:30 Familienforschung für die Familie

  • Genealogie in der Jackentasche: Familienforschung mit Spielkarten haptisch präsentieren (Torsten Wehlmann, Projekt Altes Leipzig)
  • Wilde Jugend? Biografien von Jugendlichen des 19./20. Jahrhunderts als Schüler(innen)projekt (Dr. Katrin Moeller, Historisches Datenzentrum Sachsen-Anhalt, Halle)
  • Archivpädagogik für die ganze Familie (Dr. Jens Murken, Bielefeld)

Familienforschung wird von vielen in der Hoffnung betrieben, nicht nur den Menschen näherzukommen, die uns und unsere Vorfahren in der Vergangenheit geprägt haben, sondern auch, dieses Wissen an die nächste Generation weiterzugeben. In dieser Runde sollen drei Ansätze vorgestellt werden, wie dies gelingen kann: In der pädagogischen Arbeit von Archiven, in einem Schulprojekt, und im genealogischen Familienspiel.

16:00 – 17:30 Podiumsdiskussion: Was ist unser Wissen wert? Historische Personen- und Familienforschung zwischen Open Data und Big Business.

Diskussionsleitung: N.N. (science2public, Halle, angefragt)

In der Podiumsdiskussion geht es um die unterschiedlichen Organisationsformen, die zwischen zwei Extremen liegen: hier der/die einsam auf Papier nur den persönlichen Interessen nachgehende traditionelle Genealoge/in, dort die großen kommerziellen Big-Data- und DNA-Firmen.

Wir erleben eine Explosion des Wissens über konkrete Personen und ihre Familien in der Vergangenheit, stammend sowohl aus den klassischen (Papier‑)Archiven als auch aus dem „Körper“-Archiv in unserer DNA. Wie soll dieses Wissen bewirtschaftet werden? Welche Kosten und Risiken (finanzieller und gesellschaftlicher Art) wollen wir für dieses Wissen aufbringen – was wollen wir überhaupt wissen und was nicht? Was macht Wissen mit uns und anderen? Wer kann für die Qualität von genealogischem Wissen und für den dafür (in Geld, Zeit, vielleicht auch: Verlust an Privatheit) zu zahlenden Preis einstehen: Staatliche und kirchliche Archive, große genealogische Firmen, Verbände der Archivnutzer(innen), Berufsgenealog(inn)en – oder ganz neue Modelle wie Datengenossenschaften und Kooperationen zwischen Archiv, Digital Humanities und Wirtschaft?