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Kooperationspartner beim DES-Projekt Hochschulschriften: MPI für Innovation und Wettbewerb

DES-Projekt Berichte des Verbandes der Laboratoriums-Vorstände erweitert

29. Oktober 2026/in Citizen Science, DES Datenerfassungssystem, Geschichtswissenschaft/von Michael Rose

Das DES-Projekt „Chemiker“ des Vereins für Computergenealogie (CompGen) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Chemie der Universität Rostock wurde 2018 abgeschlossen. Nun wurde es entscheidend erweitert.

Wer unter seinen Vorfahren einen Chemiker vermutet, der um 1900 studiert hat, findet ihn mit gutem Glück gleich mehrfach in den Berichten des Verbandes der Laboratoriums-Vorstände an deutschen Hochschulen. Diese Hefte verzeichnen von 1898 bis 1939 praktisch alle angehenden Chemiker im Deutschen Reich: wer die Vorprüfung bestand, wer an einer Technischen Hochschule das Diplom erhielt und wer promoviert wurde. Oft sind auch der Herkunftsort, die Vorbildung und der betreuende Professor angegeben.

Chemielabor Leipzig um 1900
Chemisches Labor der Universität Leipzig 1906 Foto: Hermann Walter Wikipedia

Die Listen

Hinter den Listen steht ein Stück Wissenschaftsgeschichte. Ende des 19. Jahrhunderts wurde darüber diskutiert, für Chemiker ein Staatsexamen einzuführen. Die Chemieprofessoren sahen darin einen Eingriff in ihre akademische Freiheit und kamen dem Staat zuvor: Am 19. September 1897 gründeten sie in Braunschweig den Verband der Laboratoriums-Vorstände und schufen mit dem Verbandsexamen eine eigene, an allen Hochschulen einheitliche Prüfung. Wer sie bestanden hatte, konnte eine vergleichbare Grundausbildung in analytischer, anorganischer und organischer Chemie nachweisen, und zwar unabhängig davon, ob er in München, Berlin oder Rostock studiert hatte. Erst in den 1930er Jahren verlor das Verbandsexamen an Bedeutung, als auch die Universitäten in der Chemie Diplome verliehen.

Die Berichte wurden bereits in den Jahren 2017 und 2018 im Dateneingabe-System DES erfasst, damals allerdings nur mit den wichtigsten Angaben zu den Personen und Prüfungen. Weil keine Scans vorlagen, wurden die Hefte eigens in der Bibliothek der Universität Rostock gescannt. Wie wertvoll die Daten sind, zeigte sich schnell: Die Initiatoren und Betreuer, die Rostocker Chemiker Gisela Boeck und Tim Peppel, publizierten den Fachartikel „Die erste Rostocker Absolventin der Chemie“ (Nachrichten aus der Chemie) über Else Hirschberg.

Inzwischen wird das Projekt von Michael Rose betreut und gehört zur Zusammenarbeit des Vereins für Computergenealogie mit dem Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb (MPI) in München, die seit Dezember 2021 auch das DES-Projekt „Hochschulschriften“ trägt. Seit August 2025 hat nun die vom Institut finanzierte wissenschaftliche Hilfskraft Monika Thomas die Erfassung deutlich erweitert.

Was ist neu?

Neue Einträge sind nicht hinzugekommen, aber jeder der 29.482 Einträge aus den 30 Heften wurde seit dem Export vom Juli 2025 überarbeitet. Vor allem die Struktur dahinter ist eine andere.

Die größte Änderung betrifft die bisherige Spalte „Stadt“. Sie heißt jetzt Hochschule und nennt statt des bloßen Ortsnamens die prüfende Einrichtung. Das ist mehr als eine Formsache: In Berlin, München oder Dresden gab es sowohl eine Universität als auch eine Technische Hochschule, und mit dem Ortsnamen allein ließ sich nicht sagen, wo jemand geprüft worden war. Bei 28.287 Einträgen ist die Hochschule nun angegeben. Insgesamt kommen 41 verschiedene Hochschulen vor, von der Universität Berlin bis zur Forstlichen Hochschule Hann. Münden.

Ganz neu ist die Spalte Einrichtung. Sie nennt bei 26.794 Einträgen das Institut oder Laboratorium, in dem die Prüfung stattfand, mit 1.167 unterschiedlichen Bezeichnungen. Das ist insbesondere für die wissenschaftliche Forschung wichtig: Wo hat der Prüfling gearbeitet? Teils sind dies auch Unternehmen. Die Art des Abschlusses steht jetzt in der Spalte Typ: 16.534 Dissertationen, 11.783 Verbandszeugnisse und 157 Diplome. Dafür wurden die bisherigen Spalten „Ort der Promotion“ und „Ort der Diplomerteilung“ zu einer gemeinsamen Spalte Ort der Prüfung zusammengeführt. Akademische Grade wie „Dr.“ oder „Dr. med.“ standen bisher mit im Namensfeld und haben nun eine eigene Spalte Grad, denn der akademische Grad ist nicht Teil des Nachnamens.

Daneben wurden Hunderte Einträge inhaltlich korrigiert, teils durch Abgleich mit dem Jahresverzeichnis der Deutschen Hochschulschriften. Mehrere Prüfer sind nun sauber durch Kommas getrennt, verrutschte Angaben stehen in der richtigen Spalte, und Abkürzungen bei den Prüfungsorten sind ausgeschrieben.

Für Familienforschende heißt das: Wer von einem Vorfahren nur weiß, dass er „in Danzig Chemie studiert“ hat, kann jetzt gezielt nach Universität oder Technischer Hochschule suchen und sieht oft sogar das Labor, in dem er gearbeitet hat. Und weil Zeugnis, Diplom und Dissertation unterschieden werden, lässt sich der Weg eines Chemikers nachzeichnen: von der Vorprüfung im einen Labor bis zur Promotion, vielleicht an einer ganz anderen Hochschule.

Ausblick

Mit den ergänzten Angaben lassen sich nun auch interessantere Fragen der deutschen Wissenschaftsgeschichte beantworten, wo gerade die chemische Industrie eine überragende Rolle spielte. Insbesondere die anorganische Chemie stand im Zentrum der dritten industriellen Revolution, Industriegiganten wie Bayer, Hoechst oder BASF belieferten die ganze Welt und nicht umsonst wurde Deutschland als „Apotheke der Welt“ bezeichnet. Zu wissen, wer damals Chemiker wurde, und welche fachliche Expertise er mitbrachte, ist daher von großem Wert für die Wissenschaft.

Die Daten können in der Suche des DES durchsucht werden. Informationen zum Projekt und zu den Editionsrichtlinien finden sich im GenWiki.

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Schlagworte: Chemie, DES, Diplom, Hochschulschriften, MPI für Innovation und Wettbewerb, Promotion, Technische Hochschule, Universität, Verbandsexamen, Wissenschaftsgeschichte
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