Newsletter 2001/06

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

im vergangenen Monat brachten viele Tageszeitungen ein Bild vom strahlenden Bundeskanzler, der seine Arme um zwei ebenso gut gelaunte Frauen mittleren Alters legte – und den meisten Zeitungslesern wurde überrascht bewusst, dass der Suchdienst des Roten Kreuzes auch mehr als 50 Jahre nach dem Krieg noch immer aktiv ist. Und dass man bei familienhistorischen Nachforschungen große Überraschungen erleben kann.

Das Rote Kreuz hatte Gerhard Schröders Schwester bei der Suche nach dem Grab des gefallenen Vaters geholfen. Und dabei stellte sich heraus, dass der einen Bruder hatte, von dem der SPD-Politiker und seine Schwester bislang nichts wussten. Dieser Onkel lebt auch längst nicht mehr, aber der Suchdienst stellte den Kontakt zwischen den Schröders und den drei Töchtern des Onkels her (die dritte Kusine wollte sich an der öffentlichen Familienzusammenführung in Erfurt nicht beteiligen).

Wer sich über die Arbeit des Suchdienstes informieren möchte, muss nur auf http://www.drk.de/suchdienst/index.html klicken; die Seite nennt auch die Adresse der Zentralstelle der Heimatortskarteien, wo man sich nach Vertriebenen erkundigen kann.

Vielleicht haben Sie ja auch noch Cousins oder Cousinen, mit denen Sie auf einem Foto um die Wette strahlen könnten? (Renate Ell)

Internet

Treffpunkt Usenet

Genealogische Newsgroups und -Archive

Wer neu im Internet ist, lernt meistens zuerst die bunte Welt des WWW kennen, schreibt und empfängt Mails, schließt sich vielleicht noch der einen oder anderen Mailingliste an – und erfährt vielfach erst viel später, dass es noch etwas anderes gibt, das man irgendwie nutzen könnte (wenn man denn wüsste, wie!): Das Usenet – die Welt der Newsgroups!

Sie werden auch oft als die „Schwarzen Bretter des Internet“ bezeichnet, und tatsächlich laufen die Diskussionen ab, als würde ein Zettel neben den anderen an eine Pinnwand geheftet – um einen Beitrag zu kommentieren, eine Frage zu beantworten oder eine neue Diskussion zu beginnen. Jeder dieser „Zettel“ ist eine E-Mail, die allerdings nicht an eine Person, sondern an die Adresse der Newsgroup gerichtet ist. Auch das Lesen der Beiträge funktioniert ähnlich wie bei der E-Mail. Um Beiträge zu lesen oder selbst abzuschicken, verwendet man allerdings statt eines E-Mail-Programms einen – ähnlich funktionierenden – Newsreader, wie er beispielsweise in Outlook oder Netscape integriert ist.

Weitere Informationen über das Usenet und was zu beachten ist, wenn man selbst Postings (Beiträge) in Newsgroups schreibt, lernt man zum Beispiel auf diesen Internetseiten:

Was bringt das Usenet dem Familienforscher? Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von Genealogie-Newsgroups, zum Teil mit eher allgemeinen Themen, zum Teil auch auf die Forschung in einem Land oder einer Region bezogen.

Ein riesiges Archiv stand lange Zeit auf Deja – http://www.deja.com – zur Verfügung. Mittlerweile ist es zu Google „umgezogen“. Mehr darüber in folgender Pressemitteilung: http://www.google.com/press/pressrel/pressrelease48.html. Jetzt ist es unter der Internetadresse http://groups.google.de/ zu finden, ein Archiv mit über 500.000 Nachrichten.

Dieses Archiv kann man durchsuchen oder sich bei Bedarf durchklicken. Eine ganz einfache Suchmöglichkeit steht auf der Startseite zur Verfügung, eine viel bessere und differenziertere Möglichkeit zu suchen gibt es hier: .

Hier kann man beispielsweise nach Nachrichten suchen, die bestimmte Wörter enthalten, oder nach einem genauen Wortlaut. Man kann die Suche auf eine bestimmte Newsgroup beschränken, Angaben zu Betreff und Autor machen, Sprache und Zeitraum der gesuchten Nachrichten auswählen. Wer diese Möglichkeiten geschickt kombiniert, kann auf diese Weise die Zahl der Treffer so einschränken, dass nur das angezeigt wird, was auch wirklich von Interesse ist.

Wer noch gar keinen Eindruck hat von dem, was das Usenet bietet, kann sich auch zunächst einmal durchklicken. Die meisten genealogischen Newsgroups sind in der soc-Hierarchie zu finden (eine der Ausnahmen: die deutschsprachige Newsgroupde.sci.genealogie ). Man klickt auf der Google-Groups-Seite auf soc, dann dort auf „soc.genealogy“, wo 19 Groups zu finden sind. Hier sucht man die Gruppe aus, deren Beiträge man online nachlesen will. Ein Klick auf den Namen der Gruppe genügt – schon kann man die neuesten Nachrichten lesen.

Einige weitere Genealogie-Newsgroups sind nicht unter der Hierarchie soc.genealogy zu finden. Eine recht umfassende Zusammenstellung genealogischer Groups findet man auf der Seite von Rob Kuijsten. Man kann das Newsgroup-Archiv auch direkt von dieser Seite aus durchsuchen, entweder alle Gruppen oder nur bestimmte. Außerdem kann man nach den Beiträgen einer bestimmten Person suchen.

Die Tatsache, dass sämtliche Postings von mehreren Jahren aufbewahrt werden und durchsucht werden können, ist für Familienforscher sehr positiv. Wer kann schon in allen Mailinglisten und Foren stöbern? Womöglich gibt es gerade in den Listen, die man nicht liest, interessante Hinweise. Leider haben nicht alle Listen ein durchsuchbares Archiv. Die genealogischen Newsgroups jedenfalls haben solch ein Archiv, und das sollte man nutzen! (Birgit Wendt)


Wie du mir, so ich dir

Gegenseitige Forschungshilfe im Genealogie-Tauschring

Wer kennt nicht das Problem: Da findet man einen Hinweis auf die Herkunft eines Ahnen, der sich auf einen Ort in 400 km Entfernung bezieht. Gab es dort eine Kirche? Aber wo liegen die Kirchenbücher heute? Wer kennt sich dort aus? Und schon beginnt die Sucherei in Telefonbüchern und die mühsame Suche. Und wenn man auf die meisten Fragen eine Antwort gefunden hat, erfährt man: Da gibt es …, er/sie hätte Ihnen das gleich sagen können. Ja, könnte man doch gleich jemanden fragen, der sich da auskennt!

An dieser Stelle setzt der Genealogie-Tauschring an. Die Idee Tauschring ist ja nichts Neues. Warum nicht diese Idee themengebunden umsetzen?

Tauschring ist Ihnen kein Begriff? Also, eine Gruppe findet sich zusammen und vereinbart, gegenseitig Hilfeleistungen zu erbringen. Finanzielle Aufwendungen werden direkt erstattet. Die Zeit für die Hilfeleistung wird auf einem Konto gutgeschrieben bzw. belastet. Der große Vorteil: Hilfeleistung und Gegenleistung müssen nicht mit demselben Partner vereinbart werden, da sich die Buchungen auf dem Konto gegenseitig aufrechnen.

Am 26.04.2001 wurde der Genealogie-Tauschring ins Leben gerufen. Auf der Seite sind die Regeln, die für den Genealogie-Tauschring gelten, und die derzeitigen Hilfsangebote und -nachfragen zu finden. Fragen können unter GenTausch@Web.de an den Genealogie-Tauschring geschickt werden.

Wie bei jedem Tauschring ist die Teilnahme Vertrauenssache, denn die Gegenleistungen können auch im Genealogie-Tauschring nicht eingeklagt werden. Zur Sicherung der Vertrauenswürdigkeit der einzelnen Teilnehmer muss sich dieser bei Eintritt in den Genealogie-Tauschring ausweisen. Die Offenlegung der Kontostände soll dieses noch unterstützen. (Jens Dornack, GenTausch@Web.de )


Cyndi´s „Schwester“

FAQ zu „Biggi’s List“, der deutschen Genealogie-Linkliste

Seit kurzem gibt es auf dem Deutschen Genealogie Server eine Linksammlung unter dem Titel Biggi’s List. Sie ist unter den Adressen und zu finden und bietet Links zur Familienforschung im Internet.

  • Fehlt da nicht ein „e“ – sollte es nicht Biggi’s Liste heißen?

Nein, da fehlt nichts! Biggi’s List heißt so in Anlehnung an Cyndi’s List, die im Internet unter http://www.cyndislist.com zu finden ist. Cyndi’s List ist eine weltweit bekannte, gut besuchte Linkliste, die mit viel Engagement ständig aktualisiert und erweitert wird. Mittlerweile enthält sie über 95.000 Links zu genealogischen Seiten im Internet. Biggi’s List startet mit viel weniger Links und auch mit einem etwas anderen Konzept. Sie beschränkt sich im wesentlichen auf Familienforschung im deutschsprachigen Raum. Es gibt zwar auch Links zu allgemeinen Genealogieseiten, auch zu amerikanischen, weiter gibt es Kategorien wie Software und Suchmaschinen. Der Schwerpunkt liegt aber ganz eindeutig bei dem, was für Familienforscher in Deutschland bzw. für alle, die hier nach ihren Vorfahren suchen, von Belang sein könnte. In verschiedenen Kategorien sollen sie auf Biggi’s List Webseiten finden, die ihnen bei der Forschung weiterhelfen: mit Informationen, Daten und Möglichkeiten der Kontaktaufnahme zu anderen Forschern.

  • Meine Homepage soll auch auf Biggi’s List verzeichnet werden!

Kein Problem! Sehen Sie zuerst nach, ob sie nicht schon drin ist. Gehen Sie dazu in die entsprechende Kategorie und schauen Sie sich die Einträge an. Die alte Homepage-Datenbank auf genealogy.net ( ) wurde vollständig in Biggi’s List integriert. Wer seine Homepage dort angemeldet hatte, muss sie nicht noch einmal anmelden. Sollte Ihre Homepage noch nicht verzeichnet sein, melden Sie sie in einer Kategorie an. Füllen Sie dazu das entsprechende Formular sorgfältig aus. Achten Sie besonders darauf, dass Sie die Adresse Ihrer Homepage (URL) richtig eintragen. Geben Sie möglichst auch einen Titel und eine aussagekräftige Beschreibung des Seiteninhalts an. Ihr Anmeldung wird dann so bald wie möglich bearbeitet.

  • Gibt es nicht schon genug Linklisten – warum jetzt auch noch Biggi’s List?

Einerseits ja, andererseits hat fast jeder eine Linksammlung auf seiner Homepage. Es macht Spaß, Links zu sammeln und so sein Internet-Know-How zu demonstrieren. Warum also sollte es auf dem deutschen Genealogie-Server keine Linkliste geben – zusätzlich zu dem, was auf den einzelnen Unterseiten (z.B. den Regionalseiten) bereits verzeichnet ist – als eine Art Index für diesen Bereich. Biggi’s List ist optisch bewusst spartanisch gehalten. Es handelt sich einfach um eine Art Taschenbuch oder Kurzreferenz, wo man mal eben schnell nachschlagen kann, wenn man etwas zu einem bestimmten Gebiet sucht. Die anderen einschlägigen Seiten – die „umfangreichen Wälzer“ wie zum Beispiel Ahnenforschung.Net oder Cyndi’s List – darf man deshalb immer noch bemühen. (Birgit Wendt)


Blick über den Zaun

Genealogie & Computer in Flandern

Das erste Heft unserer belgischen Schwesterzeitschrift Genealogie & Computer erschien im Januar 1984. Bis heute wird diese Zeitschrift im A-5-Format in flämischer Sprache vom Redakteur Pieter Donche aus Antwerpen alle zwei Monate herausgegeben (Informationen zum Abonnement bei harry.goegebeur@advalvas.be ). Pieter Donche arbeitet im Rechenzentrum der Universität Antwerpen und hat dadurch naturgemäß schon lange Zugang zu Computern. Er zählt in Europa mit zu den unermüdlichen Pionieren der Computergenealogie. Er hat wohl alle Projekte der Computergruppe konzipiert und auf den Weg gebracht: Die wichtigsten sind die Genealogische Datenbank, die Sammlung von Registern zu Kirchenbüchern und das Genealogische Informationssystem Ariadne. Alle Projekte leben und wachsen durch die Mitarbeit der Einsender. Wer die Daten nutzen will, sollte niederländisch verstehen. Die französisch sprechenden belgischen Familienforscher sind in punkto Computergenealogie bislang wenig aktiv.

Die alphabetischen Register zur Genealogischen Datenbank können sowohl für einzelne Provinzen auf Disketten oder als Gesamtregister auf CD ROM (2850 BEF) erworben werden. Es gibt sogar eine spezielle CD-Version für MAC-Nutzer. Beide CDs enthalten auch genealogische Software. Die Kirchenbuchregister zahlreicher Bezirke sind auch in Buchform erhältlich. Seit neuestem ist das Ariadne-Informationssystem, das bisher nur auf lokalen Computern in den lokalen Treffpunkten installiert war, auch online zugänglich, und zwar unter .

Ariadne enthält eine Unmenge an Informationen über genealogische Quellen, Volkszählungen, Totenzettel, Namensregister zu Zeitschriften, Bibliothekskataloge usw. Pieter Donche hat angekündigt, dass nach und nach alle Informationen über das Web-Interface zugänglich gemacht werden, auch die Register zur Genealogischen Datenbank. Der Zugang zu Ariadne ist über ein Passwort den Mitgliedern bzw. Lesern der Zeitschriften erlaubt.

In einem Vorort von Antwerpen, in Merksem, ist das Zentrum für Familiengeschichte der VVF (Vlaamse Vereniging voor Familiekunde, und die Computergenealogie untergebracht. Dort können Bücher, Zeitschriften, Mikrofilme, Totenzettel-Sammlungen und natürlich die Ariadne-Computer eingesehen werden. Die VVF ist die größte flämische Familienforscher-Gesellschaft Belgiens mit heute etwa 4.000 Mitgliedern. Sie erhalten jährlich neun Hefte der Zeitschrift „Vlaamse Stam“ und treffen sich in 26 lokalen Gruppen. Die an der Computergenealogie interessierten Mitglieder treffen sich außerdem regelmäßig u.a. in Antwerpen, Gent, Ostende oder Löwen. (Günter Junkers)

Software

Nichts für Großfamilien

Ahnen & Co 2.0

Seit kurzem ist das Programm Ahnen & Co in der Version 2.0 aus dem vom Sybex Verlag ( http://www.sybex.de ) zum Preis von 29,95 DM erhältlich.

Beim Start des Programms hat der Anwender drei Möglichkeiten zur Auswahl: Er kann den mitgelieferten Beispieldatensatz laden, eine vorhandene Datei öffnen oder eine neue (leere) Datei erstellen.

Wenn eine Datei geöffnet wird, präsentiert das Programm sie zunächst in der „Stammbaum-Ansicht“. In dieser Ansicht können sowohl die Vorfahren als auch die Nachfahren einer Person angezeigt werden. Durch Doppelklick auf eine Person wird der Bearbeitungsbildschirm zu dieser Person geöffnet. Hier kann man auf mehreren Seiten verschiedene Angaben zu der jeweils ausgewählten Person erfassen. Auch die Einbindung von Fotos und gescannten Dokumenten sowie Videos ist möglich.

Des weiteren gibt es die Baumdarstellung, die familiäre Verknüpfungen zeigt. Hier gilt wie oben: Der Doppelklick auf eine Person führt zur Bearbeitung derselben. Dieses Prinzip gilt in allen Ansichten, also in der Listendarstellung der vorhandenen Personen wie auch in der Familiendarstellung.

Die Suchfunktion ist einfach und erstreckt sich auf alle Felder. Wenn man zum Beispiel „Schmidt“ eingibt, kommt bei erfolgreicher Suche die Meldung: „Gefunden in Nachname“. Kombinationssuchen nach Vor- und Nachnamen sind nicht möglich.

Das Programm verwaltet maximal fünf Eheschließungen und wäre daher beispielsweise mit Heinrich VIII überfordert. Ich konnte bis zu 16 Kindern pro Familie eingeben. Beim 17. Kind stürzte das Programm mit der Fehlermeldung „Außerhalb des gültigen Bereichs“ ab und arbeitete erst wieder ordnungsgemäß, nachdem ich das 17. Kind wieder entfernt hatte.

Bei größeren Datenbeständen (z.B. habe ich einen Bestand mit 2.000 Personen importiert) ist ein erheblicher Performanceverlust zu verzeichnen. Ferner wird die „Stammbaumdarstellung“ dann zu unübersichtlich.

Unter dem Menüpunkt Extras findet man neben der bereits beschriebenen Suchfunktion ein Statistikmodul, das Auswertungen zu verschiedenen Kennzahlen wie „Durchschnittliches Heiratsalter der Frauen“ oder „Häufigster Eheschließungstag“ macht.

Außerdem werden die Menüpunkte „Basiswissen“ und „Infos“ im Internet angeboten. Basiswissen versucht Antworten zu geben auf die Fragen „Was ist Ahnenforschung?“, „Wie betreibe ich Ahnenforschung und wie fange ich an?“, „Wie bekomme ich weitere Informationen?“ und „Mit welchem Ergebnis kann ich rechnen?“.

Unter „Infos“ im Internet ist eine kleine Linksammlung zu finden. Beide Info-Dateien liegen als rtf-Dateien im Programmverzeichnis vor und können somit beliebig erweitert und ergänzt werden.

Ahnen & Co 2.0 beherrscht den Gedcom-Im- und Export sowie die Ausgabe der Daten im HTML-Format, die hilfreich sein kann bei der Erstellung der eigenen genealogischen Homepage.

Ein interessantes Feature ist die Ausgabe der Daten als PDF-Datei, das im Menü „Drucken“ versteckt ist. Es können die drei Arten „Graph“, „Baum“ oder „Liste“ gedruckt werden, die den oben erwähnten Ansichten entsprechen. Je nach gewählter Art kann eine Auswahl der Personen getroffen werden, also z.B. alle Ahnen einer Person. Außerdem kann man Dateien im Textformat und als Access-Datei exportieren.

Fazit: Ahnen & Co hat interessante Ansätze und Features, ist aber für den Umgang mit größeren Datenbeständen nicht geeignet – anders als beispielsweise das kostenlose PAF (siehe Computergenealogie 05/2001). Über den Gedcom – Export sind die Türen geöffnet zum Datenaustausch mit anderen Forschern und Genealogie-Programmen. (Volker Neuhäuser, re)

Wissen

Vom Buchstaben zum Laut

Daitch und Mokotoff entwickeln Soundex weiter

Im dritten Teil der Soundex-Reihe geht es um den Daitch-Mokotoff-Algorithmus. Er wurde 1985 von Gary Mokotoff und Randy Daitch entwickelt, um die Suche in Datenbeständen mit Nachnamen osteuropäischer, meist jüdischer Namen zu verbessern. Denn wie bereits in den vorherigen Artikeln bemerkt, eignet sich der Russel-Soundex dafür weniger.

Eine gewisse Gemeinsamkeit hat er insofern, dass auch hier ein Name auf eine bestimmte Anzahl von Zahlen abgebildet wird, bei Daitch-Mokotoff sind es sechs Zahlen. Dies geschieht allerdings nicht buchstabenweise. Kombinationen von Buchstaben, die einen ähnlichen Laut repräsentieren, werden zu einer Nummer zusammengefasst. Dabei wird grundsätzlich die längste Möglichkeit gewählt. Daneben spielt die Position der Buchstaben innerhalb des Wortes eine Rolle. Steht er am Anfang, bekommt er eine andere Zahl zugewiesen, als wenn er vor einem Vokal steht oder vor einem Konsonanten.

Dies macht natürlich die Kodierung etwas komplizierter. Erschwerend kommt noch hinzu, dass bei manchen Buchstabenkombinationen nicht klar festgelegt ist, welche Zahl sie bekommen. Das kann man sich leicht am Beispiel des Buchstabens „c“ klarmachen. Schon im Wort „circa“ kommt er in beiden Varianten vor – als „z“ und als „k“ gesprochen.

Die Tabelle mit den Regeln, welche Buchstaben welche Zahlen ersetzen, ist wesentlich umfangreicher als beim Russel-Soundex, sie würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Außer den erwähnten Regeln muss noch folgendes beachtet werden: Wie beim Russel-Soundex werden zwei gleiche, hintereinanderstehende Zahlen im Ergebnis zu einer – Ausnahme: das Hintereinanderauftreten der Buchstaben MN und NM. Weitere Informationen zum Daitch-Mokotoff-Algorithmus gibt es unter http://www.avotaynu.com/soundex.htm (englisch).

Als Beispiel die Berechnung für Zedlitz:

  • Z am Wortanfang wird zu 4,
  • E steht weder am Anfang, noch vor einem Vokal und entfällt deshalb
  • D wird zu 3
  • L vor einem Vokal wird zu 8
  • I entfällt
  • TZ werden zusammengefasst zu 4.

Zedlitz wird also zu 438400, ebenso wie Zedtlitz (das DT wird wie D zu einer 3). Mit dem Daitch-Mokotoff-Algorithmus findet man aber nun auch die alten Schreibweisen Czetlicz und Cedelic, wobei man bei letzterem Namen auf das oben bereits erwähnte Problem mit dem C stößt. Man erhält die vier Möglichkeiten 438400, 438500, 538400 und 538500, die man alle prüfen muss und so dann auch den Treffer findet.

Außer diesen Verfahren, bei denen Buchstaben durch Ziffern ersetzt werden, gibt es auch noch Ansätze, die versuchen, ähnliche Wörter – ähnlich einer Lautschrift – zu finden und mit denen zu suchen. Damit befasst sich der vierte und letzte Teil der Artikelserie. (Jesper Zedlitz)

Vereine

Visitenkarte

Verein für Familienforschung in Ost- und Westpreußen e. V. (VFFOW)

Der VFFOW wurde am 19.11.1925 in Königsberg in Preußen gegründet und nach dem 2. Weltkrieg in Hamburg aus kleinsten Anfängen heraus wieder neu aufgebaut. Heute gehören dem Verein ca. 1.200 Mitglieder an.

Das Forschungsgebiet des Vereins umfasst die am 01.04.1878 eingerichteten Provinzen Ost- und Westpreußen („Altpreußen“) in den Grenzen von 1815 („Wiener Kongress“) bis 1920 („Versailler Vertrag“). Die Landkreise Deutsch Krone, Flatow, Schlochau, Danzig, der „polnische Korridor“, das Soldauer Gebiet und das Memelland sind deshalb einbezogen, nicht jedoch der Netzedistrikt mit Bromberg.

Der VFFOW zeichnet sich seit Jahrzehnten durch eine Publikationstätigkeit aus, wie sie quantitativ und qualitativ wohl von kaum einem anderen genealogischen Verein erreicht wird. Neben der als Vereinszeitschrift erscheinenden Altpreußischen Geschlechterkunde (erscheinen sind bisher 30 Bände mit Quellenveröffentlichungen und Hinweisen für die praktische Arbeit) und der Zeitschrift Altpreußische Geschlechterkunde – Familienarchiv (erschienen sind bisher 20 Bände mit Ahnen- und Nachfahrenlisten), erscheinen in loser Folge Sonderschriften (bisher 100 Bände mit größeren Arbeiten oder preisgünstigen Reprintausgaben seltener oder vergriffener Bücher), sowie die Reihe Quellen, Materialien und Sammlungen (bisher 10 Bände in die unzusammenhängendes, unfertiges und unvollständiges Material, vor allem Karteien und Sammlungen eingestellt wird, um es durch den Druck zu sichern und allgemein zugänglich zu machen). Vereinsmitglieder erhalten die neu erscheinenden Vereinsschriften in der Regel für den zu entrichtenden Jahresbeitrag in Höhe von DM 80,–. Nichtmitglieder können die Publikationen käuflich erwerben.

Es bleibt zu wünschen, dass sich der VFFOW für seine vielfältigen Aktivitäten vermehrt auch der Möglichkeiten bedient, sich durch die neuen Medien bieten. Mit der Gründung einer EDV-Arbeitsgruppe, sowie der Einrichtung einer Vereinshomepage – – und einer vereinseigenen Mailingliste (Anmeldung zur Mailingliste unter: http://list.genealogy.net/mm/listinfo/vffow-l ) sind jedenfalls erste Schritte in diese Richtung gemacht. (Hans-Jürgen Wolf)


Jahreshauptversammlung des Vereins für Computergenealogie

Am 12. Mai fand in Kassel die Jahreshauptversammlung des Vereins für Computergenealogie statt. Neben einem ausführlichen Bericht über die Arbeit des Vereins im zurückliegenden Jahr wurde eine neue Satzung verabschiedet. Mit dem auf der JHV anwesenden Vorstand der DAGV wurden mehrere Ideen diskutiert, die zu gemeinsamen Projekten führen können, z.B. eine genealogische Literaturdatenbank. Weiterhin wurde ein neuer Vorstand gewählt. Dieser setzt sich wie folgt zusammen:

  • Arthur Teschler (Münster), 1. Vorsitzender;
  • Klaus-Peter Wessel (Bremen), 2. Vorsitzender;
  • Rene Gränz (Dresden), Schatzmeister;
  • Mario Seifert (Potsdam), Schriftführer;
  • sowie Birgit Wendt (Braunschweig), Herbert Juling (Bremen), Günter Junkers (Leverkusen), Hans-Jürgen Wolf (Bremen), und Jesper Zedlitz (Schönberg) als Beiräte.

Ab dem 1.1.2002 beträgt der Mitgliedsbeitrag 35 Euro. In diesem Beitrag ist der Bezug der Zeitschrift Computergenealogie , die jährliche CompGen-CD und auf Wunsch Speicherplatz für eine genealogische Homepage enthalten. (Klaus-Peter Wessel)

Kaleidoskop

Schneller zum Ziel

Das neue Ahnenforschung.Net

Seit Anfang Mai präsentiert sich Ahnenforschung.Net in überarbeiteter Form. Besonders die Suchfunktionen wurden stark erweitert. Im Suchfeld kann man jetzt nicht nur wie bisher das Webverzeichnis durchsuchen, sondern auch den Genealogie-Shop und das genealogische Lexikon. Zusätzlich stehen verbesserte Suchoptionen zur Verfügung. Die unter Optionen gemachten Einstellungen werden für die weitere Suche im Webverzeichnis übernommen, können aber über den Link Optionen jederzeit wieder verändert werden.

Um nach mehreren Begriffen in einer bestimmten Reihenfolge zu suchen, kann man die Begriffe in Anführungszeichen setzen. Mit einem Minus (-) vor einem Begriff erhält man nur Einträge, in denen dieser Begriff nicht erscheint. Ein Plus (+) erzwingt dagegen das Vorkommen eines Begriffs im Datensatz. Falls man den genauen Begriff nicht kennt, ermöglicht ein Fragezeichen (?) ein einzelnes bzw. ein Sternchen (*) mehrere unbekannte Zeichen zu finden. Wenn man an einer Position nur zwischen bekannten Zeichen wählen möchte, kann man diese in e[ck]kige Klammern setzen.

Beispiel: +Ahnen +“Helmut Schmi[dt]t“ F*ung -M??er findet Datensätze, in denen Ahnen und „Helmut Schmidt“ bzw. „Helmut Schmitt“ vorkommen muss, Forschung, Familienforschung, Familiengeschichtsforschung vorkommt und Maier, Mayer, Meier und Meyer nicht vorkommen darf.

Die Suchergebnisse aus dem Webverzeichnis kann man sich nach Belieben sortieren lassen: Nach Alphabet, nach Kategorie, nach Relevanz, nach Anzahl der Besucher, nach Aktualität und nach zuletzt besuchten Seiten. Neu im Webverzeichnis ist ebenfalls die Funktion, defekte Links formulargesteuert zu melden Die Funktion „defekten Link melden“ kann jeder Besucher nutzen, so können fehlerhafte Verweise schnell beseitigt werden.

Im Monat Mai wurden etwa 150 neue Homepages in die Datenbank eingetragen. Wer wissen möchte, welche Einträge neu sind, kann auf die Funktion Letzte 50 Einträge klicken, es werden dann die neuesten Einträge angezeigt. Des weiteren gibt es die Funktion Top 10 , mit der man die zehn von Ahnenforschung.Net aus am häufigsten besuchten Seiten anzeigen lassen kann. (Sascha Ziegler)

Hugenotten online

Seit dem 20. Mai 2001 ist die Homepage der Deutschen Hugenotten-Gesellschaft unter http://www.hugenotten.de freigeschaltet. Die 1890 noch unter dem Namen Deutscher Hugenotten-Verein gegründete Gesellschaft mit Sitz in Bad Karlshafen (Hessen) engagiert sich insbesondere in der Erforschung der Genealogie, Geschichte und Theologie der Hugenotten. Neben Informationen über die Gesellschaft (Genealogisches Forschungszentrum, Bibliothek und Veranstaltungen) sowie das Deutsche Hugenotten-Museum in Bad Karlshafen bietet die Homepage auch einen Shop, in dem sowohl Bücher als auch Hugenottenkreuze verkauft werden. Links weisen auf weitere interessante Seiten zu den Themen Hugenotten, Waldenser und Evangelisch-reformierte Kirche hin. (Andreas Flick, Vorsitzender der Deutschen Hugenotten-Gesellschaft e.V.)

Tag der Archive

Am 19.5.2001 fand bundesweit der erste Tag der Archive statt. Initiiert wurde der Tag der Archive vom Verband Deutscher Archivarinnen und Archivare e.V. in Münster ( http://www.vda.archiv.net ). Eine große Anzahl von Archiven im gesamten Bundesgebiet beteiligte sich an der Aktion. Auch wenn Archive keine Museen sind – es gab dort viel Interessantes zu entdecken. Die Veranstaltungen stießen überwiegend auf reges Interesse. Wer die Gelegenheit, die Archive in seiner Umgebung mal näher anzusehen, nicht genutzt hat und auch nichts nachträglich darüber in der Zeitung gefunden hat, kann online nachlesen, was er alles verpasst hat. Man sucht am besten mit Google ( http://www.google.de ), indem man das Stichwort „Tag der Archive“ (in Anführungszeichen , wichtig!) in das Suchfeld eingibt. Und zum nächsten Tag der Archive kann man dann ja auch persönlich hingehen. (bw)

Computergenealogie Heft 02/2001: Schwerpunkt Auswanderung

Ende Juli erscheint die zweite gedruckte Ausgabe der „Computergenealogie“ mit dem Schwerpunktthema Auswanderung, unter anderem über die Projekte „Über Bremen in die Welt“ der Maus, „Routes to the Roots“ der Forschungsstelle „Deutsche Auswanderer in den USA“ und „Link to your Roots“ des Staatsarchivs Hamburg. Weitere Themen sind der Such-Algorithmus „Soundex“ und Tests der Genealogieprogramme „PAF 5.0“ und „Mein Stammbaum 2 De Luxe“. Das Heft können Sie über den Verlag Genealogie-Service.de zum Preis von 9,80 DM bestellen. Information zum Abonnement finden Sie auf der Seite http://shop.ahnenforschung.net/product_info.php?info=p96. (re)