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Kooperationspartner beim DES-Projekt Hochschulschriften: MPI für Innovation und Wettbewerb

DES-Projekt Hochschulschriften: Erste akademische Paare gefunden

28. Juni 2026/in Hochschulschriften, DES Datenerfassungssystem/von Michael Rose

Über das seit Dezember 2021 laufende DES-Projekt „Hochschulschriften“ des Vereins für Computergenealogie (CompGen) in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb in München berichtet der CompGen-Blog regelmäßig. Heute stellen wir einige Paare vor.

Das DES-Projekt Hochschulschriften hat in dieser Woche mit dem Jahrgang 1919 begonnen. Obwohl wir hier noch etliche verspätete Drucklegungen (von Dissertationsprojekten während der Kriegszeit) finden werden, verlassen wir mit diesem Jahrgang die Kaiserzeit. Wir begeben uns in die Weimarer Republik: Viel ist passiert während der Demokratisierung Deutschlands und man darf gespannt darauf sein, welche Muster sich in den Dissertationslisten dazu finden lassen. Doch da wir noch nicht mal die Zeit des Ersten Weltkrieges ausgewertet haben, wollen wir heute den Fokus auf einen anderen Aspekt legen: Verheiratete Doktorandenpaare.

Die Universität ist gemeinhin auch ein Heiratsmarkt; man verbringt viel Zeit miteinander und kommt sich näher. Mitunter tauchen also Doktoranden und Doktorandinnen mit dem gleichen Nachnamen in derselben Kohorte auf, und „sie“ führt obendrein noch den Mädchennamen. Wir stellen hier alle bisher entdeckten Paare vor.

Deutsche Staatsangehörige

Das erste Paar könnte Felix und Sophia Rosenberger gewesen sein. Sie wurden beide 1903 bzw. 1904 in Freiburg zu Dres. med. promoviert. Weiteres ist nicht bekannt.

Ganz sicher verheiratet waren Adolf und Edda Stoffel, die beide in Heidelberg zu Dres. med. promoviert wurden (1905 und 1910). Ihre Heirat bestätigt auch seine Wikipedia-Biographie. Sie haben danach offenbar gemeinsam weiter geforscht und zusammen publiziert.

Es folgt das Dresdner Medizinerpaar Otto und Alexandrine Kastner. Otto wurde 1909 in München zum Dr. med. promoviert, Alexandrine während des Krieges in Leipzig. Ein Stolperstein in der Dresdner Neustadt informiert über ihr ungeklärtes, aber tödliches Schicksal.

Issai und Regine Schur sind das erste interdisziplinäre Paar: Issai wurde im Russischen Reich geboren und 1901 in Berlin als Mathematiker promoviert. Drei Jahre später habilitierte er sich ebenfalls dort und lehrte seither als Privatdozent. 1906 heiratete er Regina, die 1910 an der dortigen medizinischen Fakultät promoviert wurde. Ab 1913 war er außerordentlicher Professor (=Professor ohne Lehrstuhl) in Bonn. Spätestens dann muss er die preußische Staatsangehörigkeit angenommen haben, denn Ausländer konnten nicht als Professoren verbeamtet werden. Sein Wikipedia-Artikel schweigt sich über Regine aus, aber es ist anzunehmen, dass sie mit ihm später nach Israel emigriert ist. Dabei war er als “Altbeamter” (Beamter bereit vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges) anfänglich vor der Nazi-Verfolgung, etwa der Vertreibung jüdischer, sozialdemokratischer und anderer Wissenschaftler im Zuge des Gesetzes zu wiederherstellung des Berufsbeamtentums, geschützt.

Bernhard und Ottilie Haneberg wurden beide 1912 in Berlin als Dres. med. promoviert. Ottilie leitete nach dem Zweiten Weltkrieg eine Kinderklink in Berlin, wie die Charité schreibt; über Bernhard ist nichts bekannt.

Hernach folgt das Göttinger Medizinerpaar Wilhelm und Magda Frei, die beide 1913 promoviert wurden. Die englischsprachige Wikipedia informiert in seiner Biographie über die Emigration der Familie Frei nach New York wegen der Nazi-Herrschaft. Er arbeitete in einem Hospital in der Bronx und starb mit 58 Jahren.

Das Paar Johannes Wilhelm und Petronella Renetta Brandt wurde in Tübingen an der Staatswissenschaftlichen Fakultät in den Jahren 1910 und 1911 promoviert. Näheres ist nicht bekannt.

Gustav Adolf und Mathilde von Kemnitz sind ebenfalls Mediziner aus München; sie wurden 1912 und 1913 promoviert. Mathilde ist besser bekannt unter dem Namen ihres dritten Ehemannes, Ludendorff, denn so heißt auch ihre Wikipedia-Biographie. Hier erfahren wir immerhin, dass Mathilde ihr Studium nach der Geburt ihrer Zwillingssöhne fortsetzte.

Auch in München wurde das Medizinerpaar Erwin und Erna Loewy promoviert, in den Jahren 1913 und 1914. Über sie ist nichts bekannt, aber ihre gemeinsamen Studienorte Berlin und Freiburg weisen auf einen gemeinsamen Lebensweg hin.

Quelle Wikipedia CC BY-SA bzw. gemeinfrei

Ein weiteres interdisziplinäres Paar ist Kurt und Mira Koffka, die mit zwei Jahren Abstand 1908 und 1910 in Berlin promoviert wurden. Kurt war Psychologe und Mira Übersetzerin, und für beide gibt es Wikipedia–Biographien. Noch vor der Nazi-Zeit trennen sich offenbar ihre Wege; ihn führt es in die USA, sie überlebt als Jüdin die Nazi-Herrschaft.

Schlussendlich finden sich noch Ernst und Gertrud Küster, ihres Zeichens Botaniker. Ernst war bereits Privatdozent, als Gertrud 1914 zur Dr. phil. in Erlangen promoviert wurde. Ihre Studienorte Halle, Kiel und Bonn sind laut seiner Wikipedia-Biographie exakt seine Lehrorte. Über Gertrud ist leider nichts bekannt.

Russische Staatsangehörige

Daneben fanden sich noch einige osteuropäische Doktoranden – zu der Zeit alle Staatsangehörige des Russischen Reiches. Vermutlich waren sie alle jüdischen Glaubens, da Juden in Russland nicht studieren durften. Über keines der Paare ist Näheres bekannt.

Den Anfang machen Moses und Lea Schwarz. Sie wurden im Wintersemester 1906/07 an der medizinischen Fakultät der Universität Berlin promoviert. Der Name kommt jedoch sehr häufig vor, sodass die Ehe nicht sicher erscheint.

Das Mediziner-Paar David und Schendlia Seldowitsch folgt als nächstes. Sie wurden beide im Wintersemester 1908/09 in Berlin promoviert.

Ein Jahr später folgen Girsch und Beila Monaschkin aus der heutigen Ukraine, ebenso in Berlin als Mediziner promoviert.

Ein weiteres mutmaßliches Paar ist Boris und Cecilie Zuckermann, die ebenso russische Juden sind. Er wurde 1909 in Straßburg zum Dr. med. promoviert, wo Cecilie studierte. Seine Dissertation wurde dann aber in Leipzig verlegt, relativ nah an ihrem Promotionsort, der Universität Halle.

Ebenfalls nicht ganz sicher ist das Paar Abram und Chana Polonsky. Sie wurden 1911 bzw. 1909 in Berlin zu Dres. med. promoviert. Nichts ist bekannt über ihren weiteren Lebensweg, und nichts außer ihrem seltenen Nachnamen und der zeitlichen Nähe deutet auf ihre Ehe hin.

Als letztes fanden wir noch das deutsch-russische Paar Siegbert und Nichama Seligmann. Beide wurden 1909 in Freiburg i. B. als Mediziner promoviert. Für Siegbert gibt es immerhin einen Wikitree-Eintrag, aber sonst ist nichts über ihr Schicksal bekannt.

Erfassung mit dem DES

Diese Beispiele zeigen: Dieses  DES-Projekt „Hochschulschriften“ beschäftigt sich mit ganz realen Menschen, und vieles am damaligen studentischen bzw. akademischen Leben ähnelt dem heutigen. Die Menschen, ihre Verbindung zur Wissenschaft und ein Ausschnitt aus ihrem Leben werden für uns sichtbar.

Leider aber wissen wir über sehr viele dieser Menschen so gut wie Nichts. Doch vielleicht hat der eine oder die andere unter Ihnen weitere Informationen zu den genannten Personen und kann in der Discourse-Fassung dieses Beitrages eigenes Wissen teilen oder möchte einen neuen Wikipedia-Artikel anlegen.
Willkommen sind auch alle, die bei der Korrekturerfassung der Hochschulschriften mithelfen! Weitere Informationen zum Projekt finden sich auf der Projektseite im GenWiki.

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Schlagworte: Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb, MPI für Innovation und Wettbewerb, DES-Mitmachprojekt, Doktoranden, GenWiki, Nazi-Verfolgung, Russland, Kaiserzeit, Dissertation, Weimarer Republik, Hochschulschriften, Promotion, Wikipedia
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