Familienforschung nur mit Künstlicher Intelligenz?
Einen Familienstammbaum mit bis zu 12 Generationen nur mit Künstlicher Intelligenz (KI) in kurzer Zeit erforschen – geht das? Der Software-Entwickler Nicolas Fränkel hatte nach eigener Aussage keine Ahnung von Familien- und Ahnenforschung. Dann hat er auf Anregung seines Sohnes getestet, wie man mit KI Ahnenforschung betreiben kann und schaffte es, in einem Monat mehr als 600 Vorfahren aus Frankreich und der Schweiz zu einer Genealogie zusammenzufügen.
„I never thought about genealogy before. However, it’s a lot of fun, and I’m hooked on it now. In one month, the assistant got me what some people spend years searching for. I hope this post gave you ideas and set you on the path.“
(dt.: „Ich dachte vorher noch nie über Ahnenforschung nach. Aber es macht richtig Spaß, und jetzt bin ich begeistert davon. In einem Monats hat mir der Assistent das beschafft, wofür manche Leute jahrelang suchen. Ich hoffe, dieser Beitrag gab euch Anregungen und bringt euch auf den Weg.“)
Einsatz von KI-Assistenten
Gestartet ist Nicolas Fränkel wie mit jedem anderen Softwareprojekt. Für die Programmentwicklung nutzte er einen git-Provider, das sind Online-Plattformen wie GitHub oder Codeberg zum Testen und Speichern von Quellcodes und Ordnern. Die Daten wurden als GEDCOM-Dateien gespeichert.
Die sich wiederholende Aufgabe dabei ist, eine Person im Stammbaum auszuwählen, deren Eltern noch unbekannt sind. Der KI-Assistent weiß dann, welche Genealogieseiten und Onlinearchive für die Personenstandsregister er durchsuchen muss. Gefundene Urkunden werden transkribiert und die neuen Personen werden als Eltern mit dem Kind in der GEDCOM-Datei und mit der Quelle verknüpft und gespeichert. Das wird solange wiederholt, bis der KI-Assistent nichts mehr findet. Ein solcher mehrstufiger Prozess ist allerdings kostenintensiv, ineffizient und auch fehleranfällig.
Für die wiederkehrenden Aufträge wurden Agent Skills erstellt. Das sind wiederverwendbare Sammlungen von Anweisungen, Skripten, Assets (Vorlagen, Quellen) und Referenzen, z.B. für die Orientierung auf den verschiedenen Webseiten, die Transkription von Text in PDF-Dateien oder Bildern mit Claude Code (von Anthropic) und für die autonome Ausführung von Instruktionen.
Für den optimalen Durchgang wurden noch weitere Unter-Agenten eingerichtet, die den Haupt-Agenten unterstützen und Kosten für die sich wiederholenden Aufgaben einsparen helfen.
Mögliche Fehler und Kosten
Beim Transkribieren können Fehler auftreten: Der Name wurde falsch gelesen, oder die falsche Person ausgewählt. Auch in der GEDCOM-Datei können Fehler eingebaut werden; daher sollte die Datei nach jedem Durchlauf geprüft werden. Für die vielen, sich wiederholenden Sitzungen wurde das kostspieligere Claude Max (bis zu ca. 200 $/Monat) verwendet.
Darstellung der Ergebnisse

Zur Visualisierung der GEDCOM-Dateien ist ein Desktop-Programm wie z.B. Gramps geeignet, oder auch die interaktive Webseite Topola Genealogy Viewer, die allerdings auch die Daten noch lebender Personen anzeigt – und einige Beispielstammbäume. Eine weitere Software zur Darstellung eines Stammbaums ist Cloudflare.
Grenzen der Familienforschung nur mit Künstlicher Intelligenz
Es gibt einige Stolperfallen, die zu völlig falschen Verknüpfungen führen können: So ist in den verschiedenen Ländern der Zugang zu den Personenstandsdaten sehr unterschiedlich. Auf vielen Genealogie-Webseiten sind bereits Daten frei zugänglich – können aber auch falsch sein. Originale Geburts- und Heiratsurkunden aus den Archiven sind die besten Quellen! Die Erfahrung, dass in vielen Fällen die Heirat der Eltern am Wohnort der Frau stattfand, ist hilfreich bei der Forschung. In manchen Gebieten waren die Vornamen von Eltern und Kindern häufig gleich; daher musste ein zweiter Vorname zur Unterscheidung her.
Kostenpflichtige Portale wie Ancestry, MyHeritage o.ä. hat der Autor scheinbar nicht benutzt, dafür aber Kontakte zu anderen Forschern und Archivaren geknüpft.
Mein Fazit
Für die Entwicklung der notwendigen KI-Assistenten sind zwar keine tieferen Programmierkenntnisse nötig, aber doch das Wissen, wie man die Skripte nutzt und zur Ausführung bringt. Da mir dieses Wissen (noch) fehlt, bleibe ich bei meiner einfachen KI-Abfrage bei Google, z. B. „Finde die Eltern, Großeltern, Geschwister und Kinder von Konrad Adenauer * 5. Januar 1876 in Köln“. Und ich bin erst einmal zufrieden mit der ausführlichen Antwort und den angegebenen Internetquellen zur weiteren Suche…


