Meyers Gazetteer und Geschichtliches Ortsverzeichnis GOV – eine Gegenüberstellung

Meyers Gazetteer“ ist eine nützliche Webseite für die Suche nach über 200.000 Wohnplätzen im historischen Deutschland. Hierzu wurde „Meyers Orts- und Verkehrslexikon des Deutschen Reiches“ von 1912 in eine durchsuchbare Datenbank umgewandelt. Ursprünglich war das Nachschlagewerk vom Bibliographischen Institut in Leipzig herausgegeben worden. 2016 hat Brad Coleman aus Idaho/USA die Webseite (ohne Impressum) eingerichtet. Es gibt eine Hilfeseite und im FamilySearch-Wiki eine Liste der Abkürzungen (deutsch/englisch). „Meyers Gazetteer“ ist sehr beliebt bei Amerikanern, weil sie das mühsame Entziffern der alten Frakturschrift mit vielen Abkürzungen überflüssig macht. Bei der Suche kann man ein oder mehrere Wildcards setzen und darf die Umlaute ignorieren. Die rheinischen Städte Köln und Koblenz muss man allerdings mit C schreiben, sonst landet man in Schlesien oder sonstwo.

Zu jedem Wohnplatz werden im Ortslexikon detailliert die dazugehörigen Wohnstätten sowie der übergeordneten Amtsbezirk, Kreis, Regierungsbezirke, Provinzen, Staat, Gericht, Kirchen(-Gemeinde) und das Bezirkskommando genannt, allerdings nur in dem Zustand zum Jahr 1912. Wenn es im Ort keine Kirche gab, muss man die kirchliche Zuordnung anderswo suchen. Nützlich ist dazu eine Liste der Orte in der Umgebung (im Umkreis von 20 Meilen), die Informationen der Kirchenzugehörigkeit enthält. Wird ein Kartenausschnitt gezeigt, dann ist der Ort bereits geocodiert und kann auf Google-Maps oder auf der historischen Karte des Deutschen Reiches (Preußische Landesaufnahme) angezeigt werden. Noch sind nicht alle (kleineren) Wohnstätten geocodiert; dann erscheint nur ein großer roter Kreis.

Georg Palmüller vom Ahnenforscherstammtisch in Unna hat eine Videoanleitung zur Nutzung von Meyers Gazetteer erstellt, in der er die weiteren Möglichkeiten, insbesondere der Kartenansicht, präsentiert.

Das Geschichtliche Ortsverzeichnis GOV des Vereins für Computergenealogie (CompGen) hat das Ziel, die Wohnplätze unserer Vorfahren weit über Deutschland hinaus in den historischen Zusammenhängen und Abhängigkeiten nachzuweisen. Diese Orte sind die zentralen Objekte, ihre Zugehörigkeiten zu Gemeinden, Landkreisen, Regionen aber auch Kirchen, Friedhöfe, Pfarreien, Kirchenkreise und Diözesen werden zu den jeweiligen historischen Zeitpunkten beschrieben und in einer Grafik dargestellt. Die Wohnorte werden mit Hilfe der geografischen Koordinaten auf der heutigen Karte gezeigt; übergeordnete Objekte (Ämter, Landkreise, Kirchenkreise usw.), die mehrere zugehörige Wohnplätze enthalten, werden auf der Karte mit Umrisslinien gekennzeichnet. Dazu gibt es weitere Informationen wie fremdsprachige Ortsnamen, Namensänderungen, Zahl der Einwohner und Haushalte, Postleitzahl, Gemeindeschlüssel, Koordinaten, externe Kennungen, Fläche, über- und untergeordnete Objekte und den zugehörigen Wiki-Text im Genealogischen Wiki des Vereins für Computergenealogie. Die jeweiligen Informationen werden aus den aktuellen und historischen amtlichen Quellen entnommen. Über 1,2 Millionen Orte und administrative Einheiten sind bisher enthalten. Die Seite zur Ortssuche ist in sechs verschiedenen Sprachen einstellbar.

Der Ursprung des „GOV“ (bis 2016 Genealogisches Ortsverzeichnisses genannt) war eine dBASE-Datenbank, die der Koblenzer Genealoge Heinz Augustin zwischen 1992 und 1994 zusammengetragen hatte, und die mit einem von ihm selbst entwickelten CLIPPER-Programm durchsucht werden konnte. Inzwischen hat sich das GOV zu einem international anerkannten Projekt entwickelt, das auch in wissenschaftlichen Publikationen Niederschlag gefunden hat. GOV versorgt die anderen Projekte des Vereins mit Orts-Informationen und ist verknüpft mit externen Ortsdatenbanken. Es war immer ein offenes Mitmachprojekt, für das im GenWiki umfangreiche Informationsseiten angelegt wurden.

Für verschiedene Gebiete haben sich zur weiteren Bearbeitung Arbeitsgruppen gebildet. Einige Vereine haben eine solche Patenschaft für ihr Arbeitsgebiet übernommen. In mehreren Vorträgen und Workshops wurde das GOV erläutert und zur Mitarbeit aufgerufen. Aber immer noch sind Mitarbeitende nötig, denn das CompGen-Projekt Geschichtliches Ortsverzeichnis ist längst noch nicht abgeschlossen.