Verwundetenlisten Österreich-Ungarn im Ersten Weltkrieg
Die Verwundetenlisten Östereich-Ungarn im Ersten Weltkrieg, deren Erfassung im Herbst 2025 gestartet wurde, erzählen weit mehr, als der Titel zunächst vermuten lässt. Sie dokumentieren nicht nur Verwundungen, Krankheiten und Todesfälle, sondern geben auch Einblicke in die Lebenssituationen der ersten Kriegswochen und -monate im gesamten Habsburgerreich – einem Staat, der damals fast doppelt so groß war wie das heutige Deutschland. Aus den bisher 18,6 Prozent der per Zeichenerkennung (OCR) vorerfassten und geprüften Seiten ergibt sich bereits ein eindrucksvolles Bild.
Seuchen und Krankheiten
Neben unterschiedlichsten Verwundungen belasteten Seuchen schon in den ersten Kriegstagen die Spitäler massiv. Bereits auf der ersten Personenseite der ersten Liste – herausgegeben am 24. August 1914 (24./8. 1914) – wird ein Fall von Darmtyphus erwähnt; drei weitere Fälle folgen auf den nächsten Seiten in verschiedenen Regionen. Der erste dokumentierte Todesfall erscheint bereits am 30. September 1914. Allein in den bisher erfassten Listen bis zum 7. Dezember 1914 finden sich mehr als 200 Krankmeldungen wegen Darmtyphus sowie etwa ebenso viele Fälle von Bauchtyphus. Insgesamt wurde in rund 700 bereits bearbeiteten Einträgen Typhus vermerkt.
Noch deutlich häufiger tritt die Diagnose Ruhr auf: In den bisher bearbeiteten Listen finden sich rund 8.600 Fälle. Rechnet man die bereits eingespielten und die ab Liste 130 noch zu prüfenden Einträge (bis Liste 179 von insgesamt 546 Listen) hinzu, ergeben sich bis zum 31. Dezember 1914 sogar mehr als 24.000 dokumentierte Fälle von Ruhr allein in den fünf Kriegsmonaten des Jahres 1914.
Ungewöhnliche Lazarette und religiöse Vielfalt
Offenbar reichten die Kapazitäten der vorhandenen Spitäler schon bald nicht mehr aus, um die große Zahl an Verwundeten zu versorgen. Daher wurden Soldaten auch an eher „ungewöhnlichen“ Orten gepflegt.
Einige Beispiele:
- Das Sanatorium Hera in Wien wurde 1905 als „Privat-, Heil- und Entbindungsanstalt“ gegründet und verfügte zu Kriegsbeginn über 50 Krankenzimmer. Dort wurden „Gagisten“, also etwa Rittmeister, Hauptleute oder Oberleutnants untergebracht.
- Die Wiener Sezession – dem Ausstellungshaus der Künstler (gegründet unter anderem von Gustav Klimt) – musste ebenso wie viele andere öffentliche Gebäude als Lazarett dienen.

(heute Parlament) diente als Kriegspital.
Foto: Ingrid Reinhardt
- Auch das Reichsratsgebäude, das heutige Parlament in Wien, sowie das Institut für bildende Kunst in Budapest wurden zu Lazaretten umfunktioniert.
- Erwähnt werden außerdem das Spital der Bürgerlichen Brauerei in Budapest sowie ein Rekonvaleszentenspital im Brauhaus Schwechat.
- Zahlreiche Elementar-, Landwirtschafts- und Kunstgewerbeschulen im gesamten Reich betreuten verwundete und kranke Soldaten.
- Ebenso wurden Gymnasien und Volksschulen in vielen Regionen als Notspitäler genutzt, darunter die 1908 erbaute Volksschule in Wien XVI., Herbststraße 86.
Die Listen liefern nicht nur Angaben zu Geburtsorten und Geburtsjahren. Besonders die Einträge zu Verstorbenen zeigen auch die religiöse Vielfalt der Monarchie. Erwähnt werden unter anderem römisch-katholische, serbisch-orthodoxe, israelitische, griechisch-orientalische, evangelische und reformierte Begräbnisstätten sowie mohammedanische Militärfriedhöfe für muslimische Soldaten.
Begräbnisse fanden teils an ungewöhnlichen Orten statt, etwa in diversen Gärten, Schlossgärten, oder auch im Garten einer Badeanstalt und im Schulgarten einer Knabenvolksschule.
Mitarbeitende im Projekt gesucht
Die Seiten des Projekts sind liegen in Druckschrift vor und sind mit OCR vorerfasst. Benötigt werden Mitarbeitende u.a. für:
- die Prüfung auf Vollständigkeit,
- die Ergänzung fehlender Angaben,
- die Korrekturen fehlerhafter OCR-Erkennung,
- sowie manchmal für die richtige Zuordnung der Daten zu den jeweiligen Feldern.
Nähere Informationen gibt es auf der Projektseite Verwundetenlisten Österreich-Ungarn. Vor der Mitarbeit bitte die Editionsrichtlinien lesen!
Wer noch keinen kostenlosen Zugang für die Mitarbeit in unseren Erfassungsprojekten besitzt, kann sich hier registrieren (bitte mit Klarnamen) sowie sich über die allgemeine Bedienungsanleitung zum DatenEingabeSystem DES informieren.


