Geneanet und Filae – zwei Genealogie-Portale in Frankreich im Vergleich
Die beiden Genealogie-Onlineportale Geneanet und Filae sind die wichtigsten Seiten für die Familien- und Ahnenforschung in Frankreich. 2021 fand ein Umbruch für beide Seiten statt: Filae wurde von MyHeritage gekauft, Geneanet von Ancestry. Dennoch blieben beide selbstständig bestehen.
Beide Portale sind auch Partnerseiten von FamilySearch. Ein Video von James Tanner vom BYU Library Family History Center stellt sie (in englischer Sprache) im Zusammenhang mit den entsprechenden FamilySearch-Seiten für Frankreich ausführlich vor. Beide französischsprachige Seiten lassen sich auch in englischer Sprache nutzen, Geneanet auch zusätzlich noch in Deutsch.
Geneanet

Geneanet startete 1996 mit der Sammlung von GEDCOM-Dateien. Drei Jahre später wurde eine Firma gegründet, die aber bald ohne zahlende Premium-Abonnenten nicht mehr auskam. Der Zugang zu den von den Nutzern erstellten Stammbäumen sollte aber weiterhin frei sein. Heute ist daraus ein riesiges Netzwerk von mehr als fünf Millionen Mitgliedern geworden. In den zwei Millionen Stammbäumen kann weiterhin kostenlos nach neun Milliarden Personen gesucht werden. Die Besucher können sich auch an der kollaborativen Indexierung von Dokumenten beteiligen.
Premium-Mitglieder können zum Preis von 55 €/Jahr (oder 8 €/Monat) mit mehr Kriterien suchen und in weiteren Archivalien (Geburten, Heiraten, Sterbefälle) sowie in digitalisierten Büchern und Zeitungen forschen. Auch Fotos und Grabsteine gehören dazu. Viele Quellen aus den Ancestry-Sammlungen wurden mit KI gelesen und indexiert.
Geneanet ist ein großes Gemeinschaftswerk von vielen Forschenden aus Frankreich, Deutschland und weiteren Ländern. In der Beliebtheitsskala der Genealogieseiten in Frankreich steht Geneanet an erster Stelle. Durch den Abgleich mit anderen Forschern findet man schnell Anschluss, geht aber auch das Risiko von weniger quellenbasierten Daten ein.
Filae

Das auf französische Quellen spezialisierte Online-Portal Filae hat seine Wurzeln in den 1990er Jahren in einem Genealogieprogramm Win Généalogic für die Familie von Toussaint Roze. 1994 kam es zur Firmengründung und dem Start von NotreFamille.com, 2003 der Übernahme von Genealogie.com und der Integration der Daten der Firma SWIC, einem Minitel-Dienst für den Fernzugriff auf Millionen von Datensätzen aus indexierten Archivdokumenten.
Nach der Übertragung dieser Archiv-Daten in das Internet erwarb NotreFamille.com SWIC mit über 54 Millionen Geburts-, Heirats- und Sterberegistern, die von Mitglieder aus 70 Vereinen in der verschiedenen Departementsarchiven eingegeben wurden. Weitere Personenstands- und Volkszählungsdaten kamen hinzu. 2015 wurde das Portal Genealogie.com in Filae.com umbenannt und nach dem Verkauf von NotreFamille erfolgte die Konzentration auf historische Daten.
Heute bietet Filae die Suche nach 1,7 Milliarden Personen aus französischen Geburten, Heiraten und Sterbefällen im Zeitraum 1529–1999. Viele weitere Quellen (Kirchenbücher, Volkszählungen, Militär- und Notariatsakten, Orden, Titel, Pensionen, Passagierlisten und viele mehr) sind inzwischen aus den Archiven hinzugekommen. Ein Abonnement kostet 84,99 €/Jahr bzw. 13,99 €/Monat.
Filae konzentriert sich auf die systematische Transkription und Indexierung von französischen Zivilstandsregister, Volkszählungen, Militärarchive und mehr. Die extrahierten Daten stammen direkt aus den digitalisierten Urkunden, überwiegend aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Wer also gesicherte und quellenbasierte Daten in Frankreich sucht, ist hier besser aufgehoben. Eingereichte Stammbaumdaten findet man auch hier, sie spielen aber nicht die Rolle wie bei Geneanet.


