Kirchenbuchportal Archion setzt Transkribus zur Texterkennung ein
Ende April dieses Jahres hat das Kirchenbuchportal Archion gemeldet, dass das Lesen der handgeschriebenen Kirchenbücher auf der Archion-Seite durch die KI-Texterkennung mit Transkribus erleichtert wird. Neben dem Originaltext werden die Einträge in lesbaren Text umgewandelt gezeigt. Damit soll der Zugang zu den Kirchenbüchern erleichtert werden und die Nutzer schneller den Zugang zu den Inhalten finden. Wie sind die ersten Erfahrungen?
On-Demand-Texterkennung

Zum Kennenlernen des neuen Angebotes kann man die Texterkennung mit dem Kirchenbuch von Dippach am Beispiel der Taufen oder Beerdigungen 1815–1865 kostenlos ausprobieren. Die Transkription wird in der Toolbar mit dem Symbol „txt“ angefordert. Klickt man auf eine Textzeile, so wird die automatische Transkription oberhalb der Zeile eingeblendet. Die vollständige Transkription rechts neben dem Bild wird in der kostenlosen Testversion nicht angezeigt, sondern bleibt den angemeldeten Archion-Pass-Besitzern vorbehalten. Alle Kirchenbücher aus Dippach stehen aber frei für die Einsicht zur Verfügung. Noch sind nicht alle transkribiert.
Jeder angemeldete Nutzer kann mit seinem aktiven gebuchten Pass eine noch nicht transkribierte Seite lesen lassen Allerdings ist die Zahl der Seiten auf 10 pro Monat beschränkt; man kann aber weitere Kontingente zubuchen.
Die angeforderte Tanskribtion steht innerhalb kurzer Zeit entweder als Overlay über der jeweiligen Zeile oder als Fließtext neben dem Bild. Sie kann als Text oder zusammen mit dem Originalbild heruntergeladen werden. Die Ergebnisse bleiben erhalten und sind dann auch für andere Nutzer sichtbar.
Texterkennung kompletter Kirchenbücher
Archion transkribiert auch selbst fortlaufend ausgewählte Kirchenbücher. Gestartet wurde überwiegend mit Taufregistern des 19. Jahrhunderts, die aus allen evangelischen Landeskirchen und den katholischen Kirchenbüchern ausgewählt wurden. Etwa 1.000 Kirchenbücher sind so – mit Stand heute – in lesbarer Form verfügbar. Ist ein Kirchenbuch bei Archion zur Transkription vorgesehen dann kann das Lesen von Texten durch Nutzer nicht mehr aufgerufen werden.
Mit dem Filter „Nur Treffer mit Transkription anzeigen“ kann man bei der Ortssuche gezielt nach bereits gelesenen Kirchenbüchern fahnden. Sogar evangelische Pfarreien aus heute polnischen Gebieten oder dem heutigen Serbien und Rumänien sind dabei. Diese Arbeiten werden fortgesetzt und hoffentlich auch um die Heirats- und Sterberegister erweitert.
Nicht alles ist fehlerfrei, Wünsche bleiben offen
Die Ergebnisse sind nicht fehlerfrei; man muss die gelesenen Texte selbst mit dem Originaltext vergleichen und prüfen. Dass eine Korrektur der Transkriptionen durch die Nutzer ist nicht vorgesehen ist, wurde von einigen Anwendern bereits bemängelt. Durch erfahrene Nutzer und Nutzerinnen könnte die Qualität der Transkriptionen deutlich verbessert werden.
Die speziellen Möglichkeiten von Transkribus wie Layout-Erstellung oder Keyword-Spotting werden nicht eingesetzt. Daher ist auch keine Suche z.B. nach Namen oder Orten in den gelesenen Texten möglich. Es ist schade, dass die besonderen Fähigkeiten der KI-Übersetzung mit Transkribus nicht genutzt werden! Zudem ist zu Befürchten, dass die fehlerhaften Transkriptionen von manchen Nutzern kritiklos übernommen und weitergegeben werden.


