Stickel statt Grabstein

Bildquelle: Jürgen Wüstendörfer

Ein Stickel ist ein sogenanntes Totenbrett, das anstatt eines Grabsteines auf eine Grabstelle aufgestellt wird. Dieses traditionelle Grabmal entstammt wahrscheinlich der Zeit der Reformation und wurde seinerzeit im Bereich der Kurpfalz verwendet, z.B. in den Orten Hammelbach, Wald-Michelbach, Otzberg, in der Nassauischen und Rheinischen Pfalz.

Das Holzbrett wird mit weißer Farbe grundiert und manuell mit dem Namen des Verstorbenen, den Daten der Geburt und des Todes beschriftet. Heutzutage ist fast nur noch die Machart der Schlierbacher Tischler, mit einem aufgemalten Blumentopf in dem sich jeweils eine heranwachsende, eine blühende und eine verwelkende Tulpe befinden, bekannt. Die Kindergräber haben Stickel mit leicht veränderten Ornamenten. Die älteren Stickel sind mit Rautenmustern oder Schneeglöckchen verziert, fast jeder Dorfschreiner hatte damals seine eigene Schablone und Art zu bemalen.

Im Grabstein-Projekt ist die Dokumentation eines Friedhofs mit den Stickeln archiviert. Der Fotograf war in Schlierbach, einem Stadtteil von Lindenfels, im südhessischen Kreis Bergstraße im Odenwald aktiv.