30 neue Dokumentationen im Grabstein-Projekt

Im Juni 2019 wurden insgesamt 30 neue Dokumentationen im Grabstein-Projekt veröffentlicht.

Allen Beteiligten ein großes Dankeschön für die erbrachte Leistung!

Projektorganisation

Informationen zum Grabstein-Projekt

Anerkanntes Projekt der Bürgerwissenschaft

Besondere Gräber

Grab eines Physikers Quelle GenWiki-Commons Autor User:Cghrbr

Mittlerweile hat das Grabstein-Projekt insgesamt 2.134.000 Fotos von Grabsteinen archiviert.
Beim Fotografieren vor Ort und Erfassen der Daten am Rechner sind den Projekt-Mitarbeitern einige Motive von Grabsteinen mit außergewöhnlicher Gestaltung aufgefallen.

Als Gimmick präsentiert das Grabstein-Projekt eine Auswahl von 210 Motiven auf dieser Seite.

Ein Plausch auf dem Friedhof

Grabstellen fotografieren. Eine triste Sache? Nein, überhaupt nicht! – Ein Gespräch auf einem ländlichen norddeutschen Friedhof.

ER (Grabstellenbesitzer): Moin
ICH: Moin-Moin

ER: Was machen Sie denn da?
ICH: Ich fotografiere die Grabsteine.

ER: Alle?
ICH: Ja, alle.

ER: Und wozu soll das gut sein?
ICH: Das ist eine genealogische Dokumentation für ein Projekt der Bürgerwissenschaft.

ER: Eine was?
ICH: Eine genealogische Dokumentation.

ER: Ahaaaaa. -Pause-
Hat das was mit dieser Erdgasförderung zu tun?
ICH: Nein, nicht wirklich.

ER (10 Minuten später): Und was machen Sie mit den Bildern?
ICH: Die Bilder kommen in eine Art Sammelalbum fürs Internet.

ER: Ach, dieses Internet? Hab‘ ich nicht!
ICH: Aber vielleicht haben Ihre Kinder oder Enkel einen Internetzugang?

ER: Jau, die sitzen den ganzen Tag mit diesen Ballerspielen davor. Zu unserer Zeit haben wir Räuber-und-Gendarm gespielt und waren den ganzen Tag an der frischen Luft und haben uns dabei bewegt, das ist doch viel gesünder, näch?
ICH: Sehen Sie, deswegen fotografiere ich auf dem Friedhof; ich bewege mich an der frischen Luft.

ER: Naja, außerdem sind Sie so schlank, da werden Sie bestimmt richtig alt.
ICH: Haha – warten wir es ab.

ER: Und danach sehen wir uns wieder – auf dem Friedhof – allerdings unter der Erde, höhö.
ICH: Schauen wir mal.

ER: Ach – nun ist es ja auch schon bald wieder zwölf, da will ich mal langsam Rolling Home machen und den Heimathafen ansteuern.
ICH: Gut, da wünsche ich Ihnen Mast- und Schotbruch.

ER: Jau, tschüs.
ICH: Tschühüs.


Freiwillige haben für das Grabstein-Projekt des CompGen seit 2007 etwa 5.600 Friedhöfe kartiert. Damit werden nicht nur Quellen für spätere Forscher erfasst, sondern kulturelles Erbe gesichert.


PT ( red.)

Grabsteine im Ausland dokumentiert

Deutscher Friedhof in Togo
Deutscher Friedhof in Togo. Foto: Thomas Leuteritz

Im Archiv des Grabstein-Projekts – eine Sekundärquelle für die Familiengeschichtsforschung – befinden sich etliche Dokumentationen von Grabsteinen aus dem Ausland. Die meisten Grabsteine wurden auf ehemaligen deutschen Friedhöfen im heutigen Polen und der Tschechischen Republik gesichtet und fotografiert.
Aber auch aus etwas exotisch anmutenden Gegenden werden Beiträge eingereicht, wie z.B. Namibia, Hawaii, Samoa, Tansania und Togo. Fast alle diese Grabsteininschriften haben eines gemeinsam, sie zeigen deutsch klingende Nachnamen.

Erzählende Grabsteine auf Amrum

In dem Ort Nebel auf der nordfriesischen Insel Amrum wurde ein aufwändiges Lapidarium (hier: Sammlung alter Grabsteine) installiert. Etliche Grabsteine sind fast 300 Jahre alt und wurden mit großem Engagement und zahlreichen Spendengeldern restauriert und neu aufgestellt.

Grabsteine Amrum
Grabsteine Amrum , P. Holthausen, 2019

Eine Urlauberin hat ihre fotografische Dokumentation freundlicherweise dem Grabstein-Projekt zur Verfügung gestellt.
Oftmals wurde die komplette Lebensgeschichte der Verstorbenen (meist Schiffseigner) in Stein gemeißelt. Hier das Beispiel einer besonderen Tragik:  Oluf Jensen wurde am 8.9.1672 in Süddorf als Sohn von Jens Nickelsen und seiner Frau Crassen geboren. 1705 heiratete er Marret Harcken, Tochter des Ratsmannes Harck Rörden, die ihm zwei Söhne gebar, Peter Olufs und Harck Olufs. Marret starb 1708. Fünf Jahre später heiratete er Marret Jürgens. Tochter Marret wurde später die Frau von Harck Nickelsen. Oluf Jensen besaß zusammen mit Ricklef Flor ein eigenes Schiff, die „Hoffnung“. Auf der Fahrt von Nantes nach Hamburg wurde es 1724 bei den Scilly-Inseln von Piraten gekapert. Die Mannschaft, darunter auch Sohn Harck Olufs und Neffe Harck Nickelsen, wurde auf dem Markt in Algier als Sklaven verkauft. Für Oluf Jensen war dies ein großer Verlust. Ständig hielt er Ausschau nach der Heimkehr der Gefangenen. Während weder die Dänische noch die Deutsche Seekasse zahlen wollten, lieh er sich 1734 Geld auf Föhr, um seinen Sohn freizukaufen. Durch eine Verwechselung jedoch erhielt versehentlich ein Bremer Seemann die Freiheit. Zwei Jahre später durfte er die Rückkehr seines Sohnes Harck miterleben, der von seinem Herrn, dem Bey von Constantine, freigelassen worden war. Oluf Jensen starb am 19.5.1750.

(Quelle: Die erzählenden Grabsteine, Verein zur Erhaltung der Historischen Grabsteine auf Amrum e.V.)

3.333.333

Diese Anzahl erfasster Personen wurde in unserem Grabstein-Projekt erreicht. Dazu gehören 5.545 erfasste Friedhöfe, 1.702.333 Gräber und 2.093.948 Fotos.