Brücken in Archive – Geschichte lernen. Zum ARCHIVAR 2/2019

Das aktuelle, online zugängliche Heft 2/2019 der archivischen Fachzeitschrift ARCHIVAR ist neuen Tendenzen in der Archivpädagogik gewidmet. Familienforscherinnen und -forscher wissen um die Bedeutung originaler Quellen aus den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten – und ihre Lückenhaftigkeit. Sie wissen auch um die Notwendigkeit historischer Kenntnisse, um Sachverhalte einordnen zu können. Doch ein solches Wissen muss immer wieder neu erworben werden. Dies ist nun die besondere Qualität, die die Archivpädagogik in die historische Bildung einbringen kann. Mit den Worten von Annekatrin Schaller aus ihrem Beitrag „Anspruch und Wirklichkeit. Archivpädagogik in Deutschland heute“:

„Denn ein Alleinstellungsmerkmal der historischen Vermittlungsarbeit der Archive sollte man sich stets bewusst machen: Mit den originalen Quellen kann gelungene Archivpädagogik Schülerinnen und Schülern die Erfahrung vermitteln ‚Geschichte wird gemacht!‘, Geschichtsbilder und -bücher sind Ergebnisse subjektiver, zeitgebundener Sichtweisen und veränderlich, z. B. durch Quellenauswahl und veränderte Fragestellungen. Diese Erkenntnis kann die eigene Quellenarbeit von Kindern und Jugendlichen im Archiv, deren jeweils individuelles forschend-entdeckendes Lernen leisten“. Die kritische Auseinandersetzung mit authentischen Quellen im Archiv fördert ein kritisches Geschichtsbewusstsein und im Idealfall das Interesse an Geschichte!

Um Brücken in Archive geht es u. a. in einem Beitrag von Lisa Hampel vom Stadtarchiv Duisburg über ein Seminarangebot zur Familienforschung und in einem Bericht aus dem Landesarchiv Baden-Württemberg über die Ergebnisse des Projektes „Heimerziehung“ (genauer: “Archivrecherchen und historische Aufarbeitung der Heimerziehung zwischen 1949 und 1975 in Baden-Württemberg“). Das Projekt leistete einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der Heimerziehung in diesem Bundesland; ein Ergebnis ist ein archivischer Rechercheführer zum Thema.

Wer etwas über den Tellerrand hin zur Bildungsarbeit von Archiven – darunter auch das Stasi-Unterlagen-Archiv und die Arolsen Archives – blicken möchte, kann im Heft viel Interessantes entdecken.