Gedenk-Dalben in Fishtown

Noch nie war es in der Vergangenheit möglich, die Verstorbenen auf so vielfältige Weise zu bestatten wie aktuell. Neben der traditionell christlichen Erdbestattung des Leichnams, wird heutzutage aus verschiedensten Gründen die Feuerbestattung in stärkerem Maße angewendet.

Eine andere Bestattungsart ist die sogenannte Luftbestattung: Die Asche des Verstorbenen wird aus dem fahrenden Heißluftballon in alle Winde verstreut. Auch die weniger bekannte Diamantisierung, bei der unter hohem Druck ein Teil der Kremierungsasche zu einem synthetischen Gedenkstein (für z.B. für ein Amulett) gepresst wird, findet mittlerweile eine Akzeptanz.

Weit verbreitet, vor allem in den Küstenregionen, ist die Seebestattung. Zwar darf nicht wie in uralten Zeiten der Leichnam den Fluten übergeben werden, wohl aber die Asche des Verstorbenen. In einer umweltfreundlichen Urne wird sie per Schiff zu einem vorgeschriebenen Meeresareal transportiert und in einer sehr eindrucksvollen Zeremonie versenkt. Das Urnengefäß löst sich innerhalb von wenigen Stunden im Wasser auf und die Asche verbleibt auf dem Meeresgrund.

Gedenkdalben in Bremerhaven
Foto: Karin Wilkens

In Bremerhaven, von den Küstenbewohnern auch liebevoll Fishtown genannt, ist passend zu den Seebestattungen eine Art öffentliche Gedenkstätte an Land eingerichtet – die wohl einzigartigen Gedenk-Dalben am Schleusenhafen in der Nähe des alten Leuchtturms. Dalben sind massive Eichenholzpfähle, die eigentlich zum Festmachen der Schiffe in den Hafengrund gerammt werden.

Die mehrere Meter hohen Holzpfähle sind von weitem gut sichtbar und dienen als Basis für das Anbringen von Plaketten aus Edelstahl. In diese Schildchen sind die Namen und Daten der auf See Bestatteten und die genauen Koordinaten der Urnenbestattung eingraviert. Die Plaketten können von den Hinterbliebenen für momentan 350,- Euro erworben werben und verbleiben 10 Jahre lang an den Dalben. Ein Bremerhavener Bestattungsinstitut stiftete und betreut die Dalben, an denen jedoch keine Blumen oder Kränze abgelegt werden sollen, da es sich nicht um einen Friedhof handelt.

Das Grabstein-Projekt des Vereins für Computergenealogie e.V. (CompGen) hat auch diese Gedenkstätte dokumentiert und die mittlerweile zahlreichen Namensplaketten archiviert.