Verlustlisten Österreich-Ungarn – 2 Millionen Einträge erreicht – ein guter Teil des Weges ist bereits geschafft

Das Online-Erfassungsprojekt für die Österreich-Ungarischen Verlustlisten aus dem 1. Weltkrieg, das in einem Gemeinschaftsprojekt des Vereins für Computergenealogie mit dem österreichischen Partnerverein Familia Austria sowie mehreren weiteren Kooperationspartnern durchgeführt wird (siehe www.verlustlisten.at) hat einen weiteren Meilenstein erreicht. Diese Listen enthalten Verstorbene, Verwundete, Vermisste und in die Heimat zurückgekehrte Soldaten aus sämtlichen Armeen der habsburgischen Donaumonarchie.

Wie der tagesaktuellen Projektstatistik https://des.genealogy.net/ou1wk/statistics zu entnehmen ist, wurde am Dienstag nach Ostern der 2 Millionste Eintrag getippt.

Von den gut 37.000 Seiten, die dieses Projekt aktuell umfasst – darunter die 709 offiziellen Listen sowie 11 Ergänzungslisten – sind bereits mehr als 26.900 fertiggestellt und stehen jedem Interessierten kostenfrei und ohne Registrierungspflicht hier: https://des.genealogy.net/ou1wk/search zur Recherche zur Verfügung. Dabei kann nicht nur nach Namen und Herkunftsorten der Soldaten gesucht werden, sondern zusätzlich nach etlichen weiteren Ordnungsbegriffen, die zu den einzelnen Soldaten erfasst werden. So sind – wie weiter unten in diesem Beitrag zu sehen ist – vielerlei Auswertungen denkbar. 
Bereits vollständig erfasst sind sämtliche Listen bis zum Veröffentlichungsdatum Anfang November 1916. Als nächstes steht ein Lückenschluss mit weniger als 31.000 Einträgen an, der bis etwa Mitte Dezember 1916 reicht. Sobald diese Lücke geschlossen ist, werden die Daten aller Listen durchgehend bis Mitte März 1917 verfügbar sein. Aber auch danach haben wir bereits zahlreiche Listen fertig.

Diagramm, dass den Fortschritt der Erfassung zeigt.

Dabei ist jedoch zu beachten, dass viele Todesfälle erst mit großer Verzögerung veröffentlicht werden. Selbst in den letzten Listen aus dem Jahr 1918 finden sich noch Sterbefälle aus 1914. 

Im Jahr 2020 haben sich bisher 102 Personen an der Erfassung beteiligt. Die Erfassungsintensität ist dabei sehr unterschiedlich. Einige wenige Mithelfer erfassen nahezu täglich mehrere Seiten, andere sind eher selten aktiv. Genau dies sehen wir jedoch auch als Stärke: Niemand geht eine Verpflichtung ein, jeder kann genauso viel und genau zu der Zeit mitmachen, wie es gerade passt. Den Betreuern ist es sehr wichtig, sich bei allen Mithelfern von Herzen zu bedanken. Nur gemeinsam, mit vielen tippenden Händen ist ein solches Projekt überhaupt leistbar. Der DES-Indexierungstag am 5. April 2020 hat es eindrücklich gezeigt. Noch nie wurden an einem Tag so viele Einträge zu diesem Projekt beigesteuert wie zu diesem Event. Neben diesem „Rekord“ war dieses Projekt auch dasjenige mit den (in absoluten Zahlen) meisten neu hinzugekommenen Datensätzen. Dies mag daran liegen, dass durch eine vorgeschaltete maschinelle Texterkennung viele Daten bereits voreingestellt sind, also nur noch auf Korrektheit überprüft und um fehlende Felder ergänzt werden müssen. Das macht die Erfassung deutlich schneller als eine Vollerfassung, die komplett per Hand abgetippt werden müsste.

Die Einstiegshürde für Neulinge ist denkbar einfach: Bedienungsanleitung lesen – Editionsrichtlinien lesen – mit der Erfassung beginnen. Erforderlich ist lediglich ein Internet-Zugang sowie eine kostenlose Registrierung. Auf Wunsch geben die Projektbetreuer zu Anfang gerne Hilfestellung. Neu hinzugekommene Erfasser werden zu einem frühen Zeitpunkt auf mögliche Erfassungsfehler hingewiesen. 

Beim Erfassen der Daten geht es jedoch nicht um die Masse, eine hohe Datenqualität ist ein wichtiges Anliegen dieses Projektes. Sollten bei der Suche Tippfehler gefunden werden, können diese per Knopfdruck gemeldet werden. Diakritische Zeichen, die in diesen Listen häufig vorkommen, können auf einfache Art und Weise eingegeben werden. 

Deshalb möchten wir an dieser Stelle einladen, sich an der Erschließung dieser Quelle zu beteiligen: www.verlustlisten.at

Auswertungen

Heute soll der Schwerpunkt der Auswertungen bei der geographischen Herkunft der Soldaten liegen. Es gibt Länder, aus denen kamen vor allem Offiziere (Niederösterreich) und solche, aus denen vor allem Mannschaft kam (Galizien).  Das wird in folgendem Balkendiagramm deutlich:

Bei den Landwehr-Infanterie-Regimenten (LIR) unterscheidet man zwischen den kaiserlich-königlichen (k. k.) und den königlich ungarische (k. u.) Regimentern. Auf ersten Blick ein winziger Unterschied bei einem Buchstaben – mit Blick auf die Herkunft der Regimenter jedoch entscheidend:

Auch bei den Landsturm-Infanterie-Regimentern (LstIR) kann man eine deutliche regionale Herkunft erkennen:

Bei den „Kaiserjägern“, den vier Tiroler Jäger-Regiment sieht man eindeutig die regionale Herkunft aus dem damaligen Tirol. Aber auch innerhalb Tirols lassen sich die vier Herkunftsgebiete gut unterscheiden: