Album Amicorum – Stammbuch – Freundschaftsbuch

Stammbücher enthalten Erinnerungen an Freunde. Was Studenten ins Album Amicorum ihrer Komilitonen im 17. bis ins 19. Jahrhundert eintrugen, waren Gedichte, ein Gruß oder ein literarisches Zitat, oft Zeichnungen oder sogar Musiknoten. Der Inhalt der Bücher und Blätter ist ein Spiegel des Bildungsbürgertums und wertvolles Kulturgut.

Eintrag in Ludwig van Beethovens Stammbuch:
Lieber Beethowen! Sie reisen itzt nach Wien zur Erfüllung ihrer so lange
bestrittenen Wünsche. Mozart’s Genius trauert noch
und beweinet den Tod seines Zöglinges. Bey dem uner=
schöpflichem Hayden fand er Zuflucht, aber keine Beschäf-
tigung; durch ihn wünscht er noch einmal mit jemanden
vereinigt zu werden. Durch ununterbrochenen Fleiß
erhalten Sie: Mozart’s Geist aus Haydens Händen.
Bonn d 29t. Oct. 792. Ihr warer Freund Waldstein

Prof. Dr. Werner Wilhelm Schnabel vom Lehrstuhl für Neuere deutsche Literatur an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg hat eine große Sammlung für den Nachweis von Stammbüchern und Einträgen angelegt. Dieses „Repertorium Albumorum Amicorum“ (RAA) ist nach eigenen Angaben die weltweit größte Datenbank, in der die Daten und Standorte von Stammbüchern und der Literatur dazu gesammelt wird. Sie wurde 1998 als Projekt am Institut gestartet und zunächst auf dem Universitätsrechner zur Suche zur Verfügung gestellt.

Prof. Schnabel ist auch Vorsitzender der Gesellschaft für Familienforschung in Franken e.V. (GFF). Auf deren Server ist die Datenbank seit 2018 beheimatet und kann dort komfortabel durchsucht werden. Die Datenbank enthält Informationen zu über 25.800 Alben aus den verschiedensten Quellen, es gibt 45.000 Verweise auf weiterführende Literatur und über 1.800 Links auf Digitalisate im Internet. Darüberhinaus sind in einer weiteren Datenbank Einzeleinträge aus über 4000 Alben im Detail nachgewiesen. Umfangreiche Literaturangaben (Bücher, Kataloge, Aufsätze) und Hinweisen zu Ausstellungen von Stammbüchern vervollständigen das Angebot. Inzwischen werden auch Digitalisate von Stammbuchblättern aus kleineren Instituten und von Privatpersonen online präsentiert.

Die GFF betreibt eine Reihe weiterer öffentlich zugänglicher Datenbanken, z.B. die Sterbebilder-DB (zusammen mit dem Bayerischen Landesverein für Familienkunde (BLF) und der Gesellschaft für Familienforschung in der Oberpfalz), das Repertorium Academicum Altorphium (AAA, Personen-DB für die Mitglieder der Akademie/Universität Altdorf 1578-1809) und die GFF-Bilddatenbank für Porträts, Wappen oder topografischen Aufnahmen. Für Mitglieder gibt es weitere Recherchemöglichkeiten nach Personen oder Digitalisate. Jährlich wird eine CD Index Personarum mit einer verkürzten Ausgabe der GFF-Datenbank mit genealogischen Daten, Bibliothekskatalogen und Aufsätzen zum Verkauf angeboten.

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