Ostern – Pessach – Frühlingsfest

Den kalendarischen Frühlingsbeginn hatten wir schon: Die Sonne erhellt uns am 20./21. März genauso lang, wie die Nacht dunkel ist. Das ist astronomisch das Äquinoktium, die Tag-Nacht-Gleiche auf der Nordhalbkugel der Erde. Auf der Südseite, in „Down Under“, ist es der 22./23. September. Wie gern würden wir endlich wieder das Kommen des Frühlings richtig feiern! Wir vermissen z.B. die großen Volksfeste auf den „Cannstatter Wasen“ in Stuttgart oder Frühlingsfeste in anderen Städten. Abgesagt, verschoben.

Frühlingsboten zu Ostern: Marteniza und Tulpen-Magnolien Foto: G. Junkers

In vielen Kulturen wird der Frühling gefeiert. Unsere Freunde aus Bulgarien schicken uns im März immer die rot-weißen Marteniza-Anhänger, die man so lange trägt, bis man ein erstes Frühlingszeichen sieht. Ein schöner Frühlingsbrauch aus dem Balkan! In China ist im Frühling eigentlich der Beginn eines neuen Jahres, weil dort der Mondkalender maßgeblich ist. Danach hat das chinesische Jahr des Büffels in diesem Jahr am 12. Februar 2021 begonnen. Das wird festlich begangen. In Japan ist das Kirschblütenfest Hanami eine Gelegenheit, sich an der Natur zu erfreuen.

Eins der wichtigsten religiösen Feste des Judentums ist Pessach (auch Passa, Passah oder Pascha genannt), das an den Auszug aus Ägypten und die Befreiung aus der Sklaverei erinnert. Im jüdischen Kalenderjahr fällt das Fest in den Frühlingsmonat und beginnt immer am Vorabend des 15. Nisan, dem Rüsttag für das siebentägige Fest. Der Tag beginnt nicht um 0 Uhr wie bei uns, sondern am Vorabend bei Sonnenuntergang. Nach unserem Kalender beginnt Pessach dieses Jahr am 28. März 2021 und endet am 4. April 2021. Im jüdischen Kalender ist das Fest immer am gleichen Tag des Jahres – so wie bei uns Weihnachten am 25. Dezember.

Der für uns ungewohnte jüdische Kalender ist wie der in Ostasien oder im antiken Griechenland ein Lunisolarkalender, also ein Mondkalender mit 12 Monaten; im Mittel wird alle drei Jahre ein 13. Monat hinzugefügt, weil die Mondumdrehung um die Erde nicht synchron mit der Erdumlaufbahn um die Sonne verläuft. Nur alle 19 Jahre treffen sich Erde und Mond wieder nahezu am gleichen Punkt wieder. Dass es später das Sonnen-Kalendersysteme bei den Römern und Christen gab, hatte auch mit der verbesserten Möglichkeit zur Bestimmung des Sonnenjahres zu tun.

Wie ist das nun mit unserem beweglichen Osterfesttermin? Die Christen feiern zu Ostern die Auferstehung Jesu von den Toten als wichtigstes Kirchenfest. Nach dem Neuen Testament fand die Kreuzigung Jesu einen Tag (Karfreitag) vor Beginn des Pessachfestes, dem sogenannten Rüsttag (14. Nisan) statt. Der Leichnam wurde vor Beginn des Sabbats bestattet. Der Karsamstag war der Tag der Grabesruhe, die Auferstehung am Ostersonntag. Die Festlegung des christlichen Ostertagtermins stellte sich in den ersten Jahrhunderten auch als ein astronomisches Problem dar: Man musste im Voraus den ersten Vollmondtag nach dem Frühlingsanfang bestimmen, um den Ostertermin festzulegen.

Dreihasenfenster im Paderborner Dom Foto: Zefram CC-BY-SA 3.0

Papst Gregor XIII. hat 1582 den julianischen Kalender (eingeführt im Jahr 45 vor Christi Geburt von Julius Cäsar im Römischen Reich) reformiert. In den orthodoxen Kirchen hatte man diese Reform nicht mitgemacht, daher unterschieden sich die Kalender um 13 Tage. Auch wenn die Kalender inzwischen angeglichen sind, finden dort aber die beweglichen Feiertage immer noch nach dem alten Schema an anderen Kalendertagen statt, meist nach unserem Osterfest, aber nicht vor dem jüdischen Pessach. Orthodoxe Christen pflegen an den 40 Tagen vor Ostern zu fasten. Zu Ostern gibt es bei den griechisch-orthodoxen Christen ein Festmahl mit Lamm-Spießbraten oder in Russland Ostereier auf den Gräbern.

Dass sich während der Fastenzeit so viele Eier angesammelt haben und zur Freude der Kinder hart gekocht und bunt gefärbt zu Ostern angeboten wurden, kann man noch verstehen. Warum aber bei uns die Osterhasen plötzlich auch Eier legen, sie bunt bemalen und im Garten verstecken, weiß eigentlich keiner so genau. Die drei springenden Hasen im Paderborner Kirchenfenster, die im Kreis angeordnet sind und alle gemeinsam nur drei „Löffel“ haben, kann auch keiner richtig erklären.

Wir wünschen Ihnen ein frohes Osterfest!