Attraktives Begleitprogramm zur CompGen-Mitgliederversammlung im Bergbaumuseum Bochum
Rund um die Mitgliederversammlung des Vereins für Computergenealogie (CompGen) im Bergbaumuseum Bochum am Samstag, den 18. April 2926, hatte Ingrid Reinhardt ein interessantes Programm zum Thema Geschichte und Arbeitswelten im Bergbau und in der Stahlindustrie organisiert. In unserem Blog und in der CompGen-Mailingliste war zu diesen Angeboten eingeladen worden. Die Angebote wurden gut angenommen, fast alle Plätze waren ausgebucht. Zum Programm und den gemütlichen Treffen am Freitag- und Samstag-Abend gab es viele positive Rückmeldungen und einen großen Dank an die Organisatorin Ingrid Reinhardt.
Los ging es bereits am Freitagnachmittag mit einer Führung im Bergbauarchiv unter der Leitung des Direktors Dr. Farrenkopf und seiner Mitarbeiter. Das Montanhistorische Dokumentationszentrum (montan.dok) als außeruniversitäres Forschungsinstitut ist Teil der Leibniz-Forschungsgemeinschaft. In einer riesigen Werkhalle werden exemplarisch z.T. riesige Objekte aus der aufgelösten Bergbauindustrie aufbewahrt. Das Archiv sammelt Schrift- und Fotodokumente zur Bergbaugeschichte – nicht nur aus dem Ruhrgebiet. Die Personalkarteien aus diesem Bestand wurden vor einiger Zeit bereits ausgewählt, um in einem Erfassungsprojekt bei CompGen ausgewertet zu werden.
Am Samstagvormittag nutzten die Tagungsteilnehmer die Möglichkeiten zu Führungen im Bergbaumuseum, sowohl im Anschauungsbergwerk unter Tage, als auch im Museum selbst.
Round-Table-Gespräch
Parallel dazu fand im großen Vortragsaal einem Round-Table-Gespräch statt. In dem von Georg Fertig moderierten Austausch erhielten die knapp 25 Zuhörenden spannende Einblicke in die Zusammenhänge zwischen Industriekultur, Bergbaugeschichte und Bürgerwissenschaft. Die Gastgeber vom montan.dok, Dr. Michael Farrenkopf, Dr. Stefan Przigoda und Dr. Maria Schäpers stellten ihre Sammlungen und die Zusammenarbeit mit den verschiedenen ehrenamtlichen Experten vor. Dirk Birrenbach (Familienzusammenführung im Team Essen FaZiT) berichtete über langjährige Arbeit zur Digitalisierung und Erfassung genealogischer Daten und der Personalkarteien aus dem Bergbauarchiv. Der Vertreter des Projekts „Historische Arbeitstechniken der LWL-Museen für Industriekultur“, Dr. Konrad Gutkowski, brachte seine Erfahrungen mit Citizen Science bei wissenschaftlichen Projekten ein. Mit Unterstützung von NFDI wurden Workshops und ein Leitfaden zur filmischen Dokumentation von Arbeitsprozessen erstellt. Anstelle des kurzfristig verhinderten Wolfgang Wöstenhöfer ging Georg Fertig auf die in Zusammenarbeit mit kommunalen Archiven vorgenommene Erschließung von Adressbüchern ein, die auch Informationen über vergangenes Wohnen und Arbeiten enthalten. In der anschließenden Diskussion ging es um die Aktivierung zur Mitarbeit und die Ziele der Datenerfassung. Zusammen mit Heimatvereinen können bislang vernachlässigte Quellentypen erschlossen werden.
Vorträge
Um 11:15 Uhr begann das Vortragsprogramm. Nach einem Grußwort des Hausherrn Dr. Michael Farrenkopf präsentierte Hermann Hartenthaler „in 30 Minuten 30 Angebote von CompGen“. Dr. Maria Schäpers und Dirk Birrenbach erläuterten die Verzeichnisse von Bergbaubeschäftigten, die mit den CompGen-Techniken in einer Datenbank erfasst werden.
Seine Ideen zu einem zentralen Personenstandsarchiv aller Orte in Deutschland trug Jan Michael Goldberg vor.: In einer von ihm programmierten Datenbank können zum einen die einzelnen Urkunden im Original und als Transkriptionen hochgeladen werden; zum anderen bestehe die Möglichkeit, die jeweils erwähnten Personen miteinander zu verknüpfen, und damit einfach recherchierbar zu machen.
Vor der Mittagspause berichteten Ingrid Reinhardt und Jasmin Riegler über die OCR-Erfassung der Verwundetenlisten Österreich-Ungarns sowie der Berleburger Weinkaufsbriefe und warben um Mitarbeit bei der Dateneingabe und Korrektur.
Nach der Mittagspause stellte Robert Päßler die Ideen und Planungen für das neue Genealogieportal von CompGen vor. Ausgangspunkt für dieses Vorhaben sei die Feststellung gewesen, dass man bisher genealogische Daten noch auf unterschiedlichen und voneinander getrennten Plattformen finde. Nun sollen in einer Portalseite alle Zugänge zu den Projekten gebündelt werden ohne sie selbst zu ersetzen. In „Smartboxen“ werden dann jeweils weitere Links angeboten. Jeder Nutzer soll sich ein eigenes Favoriten-Menü einrichten können. Wie bereits bei Jan Goldbergs Personenstandsverzeichnis, wünsche man sich auch hierzu Rückmeldungen.
CompGen-Mitgliederversammlung

Zur anschließenden Mitgliederversammlung waren im Saal dann 52 Mitglieder anwesend; zusätzlich wurden 8 Vollmachten vorgelegt und 20 weitere Mitglieder verfolgten die Veranstaltung per Zoom-Stream. Nach den Berichten des Vorstands, des Schatzmeisters und der Kassenprüfer wurden in den Wahlen der zweite Vorsitzende, Robert Päßler, und die Beisitzerin für Forschungsdatenmanagement, Katrin Moeller, in ihren Ämtern bestätigt. Die Position des Schatzmeisters konnte mangels Kandidaten nicht neu besetzt werden, so dass das Amt vorläufig von Heinz Graf kommissarisch weitergeführt wird. Als neu gewählte Beisitzerinnen wird Jasmin Riegler den Bereich „Öffentlichkeitsarbeit“ betreuen und Marion Weber die Perspektive der COMPUTERGENEALOGIE-Redaktion im Vorstand vertreten.
Zwei neue Ehrenmitglieder
Zu guter Letzt ernannte die Mitgliederversammlung in Bochum mit Herbert Juling und Dr. Jesper Zedlitz zwei Personen zu Ehrenmitgliedern. Wie Günter Junkers und Georg Fertig in den jeweiligen Würdigungen herausstellten, haben beide im Laufe der letzten Jahrzehnte durch ihre Arbeit ganz besondere Verdienste für CompGen erworben.
Nach fast zweieinhalb Stunden konnte die Mitgliederversammlung erfolgreich abgeschlossen werden. Beim gemeinsamen Abendessen in einem Lokal mit vielen Gesprächen fand der Tag seinen Abschluss.
Am Sonntag trafen sich noch je zehn Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu zwei Führungen im Archiv der Kruppstiftung und am Nachmittag im Großen Haus der Villa Hügel. Das ehemalige Wohnhaus der Krupp-Familie dient heute als Ausstellungs- und Veranstaltungsort und steht der Öffentlichkeit offen.


