Die Herforder Kerkerbücher aus dem 19. Jahrhundert
„Die Herforder Kerkerbücher aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts – eine etwas andere genealogische Forschungsquelle“ war das Thema eines Online-Vortrags beim AhnenforscherStammtischUnna am 18. Juni 2026. Tanja Klusmann von der Arbeitsgruppe Familienforschung Kreis Herford stellte das nunmehr abgeschlossene Gemeinschaftsprojekt vom Stadtarchiv Herford, dem Verein für Computergenealogie (CompGen) und der Herforder Arbeitsgruppe (gegründet 2019) vor.
Was sind die Kerkerbücher?
Das Kommunalarchiv Herford bewahrt vier „Kerkerbücher“ der Stadt Herford. Das sind Gefangenenlisten aus dem 19. Jahrhundert. Sie sind für die Jahre 1819–1821, 1827–1831 und 1833–1834 erhalten. Daneben existieren noch Aufzeichnungen von monatlichen Essens- und Transportlisten. Die Häftlinge waren vermutlich im alten städtischen Rathaus in einer Arrestzelle eingesperrt. Die Referentin hat nach dem Kerkerraum recherchiert und versucht, ihn zu lokalisieren.

Die Inhaftierten stammten aus verschiedenen Regionen, nicht nur aus Herford. Die Bücher enthalten neben den Personendaten auch biometrische Informationen sowie Haftgrund und -dauer. Diese Personenbeschreibungen gehen weit über das hinaus, was bisher in Kirchenbüchern oder Personenstandsregistern zu finden ist. Die Essens- und Transportlisten sind weit weniger ausführlich, ergänzen aber die bearbeiteten Bücher. Im Vortrag wurden die Ergebnisse von statistischen Auswertungen über die Haftgründe gezeigt und einzelne Personen vorgestellt. Auch Verbindungen zu Ortsfamilienbüchern lassen sich herstellen. Eine Person konnte Tanja Klusmann sogar in ihrem eigenen Stammbaum identifizieren.
Erfolgreiches Gemeinschaftsprojekt
Die „Kerkerbücher“ wurden von der Herforder Arbeitsgruppe eingescannt. Die Bilder wurden dann von Horst Reinhardt in der Digitalen Bibliothek (DigiBib) des Vereins für Computergenealogie (CompGen) gespeichert. Mit dem Daten-Eingabe-System (DES) von CompGen wurden die Daten aus den Bildern in eine Erfassungsmaske eingetragen. Thomas Kriete betreute das Projekt technisch. In weniger als einem Jahr haben die Mitglieder der Arbeitsgruppe über 3.500 Einträge aus über 900 Seiten erfasst. Die Daten sind in einer Datenbank so allen zugänglich gemacht worden und können nun weiter genutzt und ausgewertet werden.


