Vom Kies’schen Familienarchiv mit KI zu Ortsfamilienbüchern
Otfried Kies (1937–2024) hat in langjähriger Arbeit Kirchenbuchabschriften aus Gemeinden rund um Lauffen am Neckar erstellt. Daraus entwickelt Thomas Bugge unter Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) und manueller Nacharbeit eine durchsuchbare Online-Datenbank. Für zwei Orte – Neipperg und Haberschlacht – sind daraus Online-Ortsfamilienbücher (OFB) extrahiert und in der OFB-Datenbank des Vereins für Computergenealogie (CompGen) veröffentlicht worden. Er setzt damit die bereits hier im CompGen-Blog beschriebenen Möglichkeiten zum Einsatz von KI in die Praxis um.
Der Oberstudienrat Dr. Otfried Kies unterrichtete Deutsch und Englisch am Hölderlin-Gymnasium in Lauffen am Neckar. Er war Mitglied des Zabergäuvereins und bis 1993 ehrenamtlicher Stadtarchivar in Lauffen. In langjähriger Arbeit schrieb er die Kirchenbücher von 33 Gemeinden im Zabergäu und am Heuchelberg ab. Diese Quellenarbeit ist die Grundlage für die weitere Arbeit von Thomas Bugge, Diplom-Geograph und Hobby-Genealoge.
Zwei Ortsfamilienbücher fertiggestellt, ein weiteres in Vorbereitung
Für zwei Ortsteile von Brackenheim im Landkreis Heilbronn sind auf diesem Weg bereits im vergangenen Jahr Online-OFBs erschienen:

- Für das OFB Neipperg wurden aus 1.859 Kirchenbuch-Einträgen in den Taufregistern (1647–1790), den Heiratsregistern (1666–1807) sowie dem Sterberegister (1702–1807) insgesamt 2.853 Personen in 1.041 Familien zusammengestellt.
- Das OFB Haberschlacht im Zabergäu enthält 3.939 Personen in 1.317 Familien. Ausgewertet wurden die Kirchenbücher ab 1659. Daten vor diesem Jahr aus Brackenheim wurden mitberücksichtigt.
In Vorbereitung ist das OFB Winterbach im Rems-Murr-Kreis, dessen umfangreicher Datenbestand mit ca. 26.000 Personen von Uwe Riegel erarbeitet wurde.
„Pipelines, die Wochen aus Jahren machen“
Unter diesem Titel beschreibt Thomas Bugge seine Arbeitsweise:
„Die klassische OFB-Bearbeitung ist eine Lebensaufgabe – eine Pfarrei kann Jahre an manueller Arbeit binden. Die Verfügbarkeit leistungsfähiger Sprachmodelle hat das verändert: Wo früher jeder Eintrag einzeln gelesen, getippt und verknüpft wurde, übernehmen heute KI-Pipelines die ersten Verarbeitungsstufen – Strukturerkennung, Feldextraktion, Normalisierung. Die menschliche Arbeit verlagert sich von der Tipparbeit zur Quellenkritik und Qualitätssicherung.“
Auch das Kies‘sche Familienarchiv ist nach dieser Methode bearbeitet worden: Aus 242.299 unstrukturierten Volltext-Einträgen wurden durch wellenweise KI-Verarbeitung strukturierte Personen-Karten mit Korrektur-Runden nach Hinweisen aus der Forschungsgemeinschaft.
Den genauen Weg und die Auswahl der KI-Instrumente beschreibt Thomas Bugge auf seiner Webseite hier.


