Eisenbahner in den ehemaligen deutschen Ostgebieten
Wer für die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen nach Eisenbahnern forscht, die in den ehemaligen deutschen Ostgebieten eingesetzt waren, weiß, dass dies außerordentlich schwierig ist: Die Beamten wurden an wechselnden Dienst-Orten eingesetzt, Standesamtsregister sind oft vernichtet. Da sind die Personendaten der Reichsbahnmitarbeiter aus den Amtsblättern der ehemaligen ostdeutschen Reichsbahn-Direktionen eine wertvolle Quelle. Diese Daten hat der Verein für Familienforschung in Ost– und Westpreußen (VFFOW) bereits im vergangenen Jahr auf einer eigenen Website in einer TNG-Datenbank online gestellt.
Lange Vorgeschichte der Eisenbahner-Sammlung
Die Daten waren bereits 2008 von Dipl.-Ing. Ewald Wilck aus Hamburg als PDF-Dateien zusammengestellt und auf einer CD vertrieben worden. Er beschreibt hier die Entstehungsgeschichte der Sammlung, wofür er die in den Amtsblättern der Reichsbahn-Direktionen veröffentlichten Personalnachrichten sowie die Ereignisse im Werdegang der Eisenbahner per Computer erfasste. Enthalten sind die Nachnamen, ggf. Vornamen, Kennzeichen der Ereignisse, Dienstbezeichnungen, Quellen (Amtsblattjahrgang und -seite) und Details zu den Ereignissen. Damit lässt sich der Werdegang der Eisenbahner rekonstruieren.

Die CD enthielt außerdem Dateien mit allen in diesem Zeitraum geänderten Nachnamen, eine Gegenüberstellung von Bahnhofsnamen 1939 (polnisch / deutsch), umbenannte Bahnhöfe / Dienststellen / Kreisstädte 1933/44 und Übersichtkarten der Direktionsbereiche Königsberg / Danzig / Stettin / Frankfurt(O) / Dresden / Breslau / Oppeln / Posen und der Generaldirektion Ostbahn (Stand 1944). Zusätzlich zu dieser Ost-Eisenbahner-CD gab es zwei weitere CDs der Stettin- und Danzig-Eisenbahner mit erweiterten Angaben.
Neue komfortable Nutzungsmöglichkeit – und ein Mitmach-Projekt
Auf Basis der von Ewald Wilck überlassenen Daten und Informationen hat Peter Jotzo vom VFFOW bereits im vergangenen Jahr die umfangreichen Daten in eine TNG-Datenbank (TNG = The Next Generation) importiert. Für alle enthaltenen Personen kann nun die Eisenbahner-Karriere dargestellt werden. Teilweise sind auch Verknüpfungen zu Ehepartnern und Kindern sichtbar. Insgesamt sind 237.800 Personen-Datensätze enthalten. Fast 20.000 davon (8 %) sind Frauen. Die Webseite enthält zudem ausführliche Texte zur deutschen Eisenbahngeschichte und zu den einzelnen Bahnbetriebs-Direktionen und deren Entwicklung, die Ewald Wilck verfasst hat.
Das Projekt ist längst noch nicht fertiggestellt. Interessenten werden zum Mitmachen eingeladen. So sind z.B. noch doppelt vorkommende Personen zu verschmelzen oder Korrekturen bei fehlerhaften Einträgen nötig. Auch Ehepartner müssen noch verknüpft werden, soweit sie bekannt sind. Zusätzliche Informationen, Dokumente und Bilder können jederzeit hinzugefügt werden und sind erwünscht.
Ein Hinweis von 2019 hier im Blog auf die Daten von rd. 2.000 Lehrlingen aus dem Stendaler Reichsbahn-Ausbesserungswerk, die der Betriebswerkmeister Wilhelm Beckmann (* 1891 Mieste) dem Stendaler Stadtarchiv überlassen hat, könnte zu einer Erweiterung der Datenbank führen.


