Zu Gast bei den ungarndeutschen Familienforschern in Harkau
Mit Familia Austria beim Treffen des AKuFF am 24. Oktober 2026
Am 24. Oktober 2026 traf sich der Arbeitskreis ungarndeutscher Familienforscher (AKuFF) zu seinem Treffen in Harkau (ungarisch Harka) bei Ödenburg (ungarisch Sopron), unmittelbar an der burgenländischen Grenze. Neun Mitglieder der Familia Austria, des österreichischen Schwestervereins, waren der Einladung gefolgt – aus Wien, Graz, München, Kärnten und Württemberg.
Ich bin Beisitzerin im Vorstand des Vereins für Computergenealogie (CompGen) und auch Mitglied bei Familia Austria. Ein großer Teil meiner Vorfahren stammt aus Ödenburg, deshalb habe ich den Termin mit einem verlängerten Wochenende verbunden.
Anreise und Begrüßung
Die Gruppe traf sich zur gemeinsamen Anreise vor der Ottakringer Brauerei in Wien, von wo aus ein Bus nach Harkau fuhr. Wegen einer Verspätung des Busses kamen wir später an als geplant; die internen Programmpunkte der AKuFF waren zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen. Nach der Begrüßung wurden noch zwei Ehrungen vorgenommen: Susanne Konya wurde für ihre langjährige Mitwirkung und die Neugestaltung der Vereinshomepage ausgezeichnet, Günter Ofner, Vorsitzender von Familia Austria, für seinen langjährigen Einsatz zur Förderung der Zusammenarbeit beider Vereine. Beide erhielten das Genealogenkreuz, überreicht von Obmann Dr. Kornel Pencz.



Die Vorträge
Anschließend wurden drei Vorträge gehalten:
- Ilona Haris-Payer: „Auf den Spuren der deutschen Ahnen in Ödenburg und Umgebung“
- Wolfgang Baranyai: „Die Verarbeitung der Matrikeln von Kapuvár und über seinen Stammbaum“
- Ilona Pencz-Amrein: „Wiener Trauungen der Ansiedler“




Der erste Vortrag war mit zahlreichen historischen Fotografien und Erinnerungsstücken aus dem Familienbesitz illustriert – Porträts, Häuser, Alltagsgegenstände. Das Leben der Ungarndeutschen in Sopron wurde dadurch sehr anschaulich: Man bekommt sonst meist nur Namen und Daten aus Kirchenbüchern zu sehen; hier ließ sich nachvollziehen, in welchen Häusern diese Familien lebten und wie ihr Alltag aussah. Im zweiten Teil ihres Vortrags stellte Frau Haris-Payer zusätzlich eine Reihe von Anlaufstellen und Hilfsmitteln für die eigene Forschung vor. Eine Zusammenstellung dieser Hinweise findet sich im GenWiki-Artikel zu Sopron.
Der zweite Vortrag behandelte die Matrikeln von Kapuvár, schwerpunktmäßig anhand des eigenen Stammbaums des Referenten. Der dritte Beitrag befasste sich mit den Wiener Trauungen der Ansiedler und damit, wie eng Österreich und West-Ungarn in der Migrationsgeschichte verflochten sind: Viele Familien sind über Wien in den Raum Ödenburg gekommen, weshalb die Trauungsregister der Stadt für die Rückverfolgung relevant sind.
Mittagessen und Dorfbesichtigung
Gegen 13 Uhr folgte das gemeinsame Mittagessen im Restaurant Abalé, etwa sechs Gehminuten vom Tagungsort entfernt. Serviert wurde ein warmes Buffet, dessen Portionen für deutlich mehr Personen gereicht hätten; der Gulasch hat mich an den meiner Großmutter erinnert.
Anschließend führte Frau Haris-Payer, Vorsitzende der deutschen Selbstverwaltung, durch Harkau. Sie berichtete über die traditionellen Häuser des Ortes, über persönliche Kindheitserinnerungen und über die Denkmäler der Gemeinde. Eine Ortschronik von Harkau, u. a. mit Familiennamen von 1451 bis 1946 und einer Untertanenliste von 1558 gibt es hier.
Gegen 17 Uhr trat die Gruppe die Rückfahrt nach Wien an.






Fazit
Für mich war dieser Tag vor allem ein Beispiel dafür, wie viel der persönliche Kontakt zu Forscherinnen und Forschern vor Ort bringt. Die Erschließung großer Bestände und der Betrieb überregionaler Datenbanken findet bei den großen Vereinen statt – CompGen, AKdFF, Familia Austria und anderen. Lokale und regionale Vereine wie der AKuFF arbeiten spezialisierter: Sie kennen die einzelnen Orte, ihre Kirchenbücher und die Familien, die dort über Generationen hinweg geheiratet haben, und sie machen für ihre Arbeit häufig weniger Werbung. Beides ergänzt sich, und wer beides nutzt, kommt schneller voran.
Konkret heißt das: Bei solchen Treffen erfährt man Dinge, die in keiner Datenbank stehen – Hinweise auf nicht verfilmte Bestände, auf historische Schreibweisen von Ortsnamen oder auf Namensvarianten, unter denen eine Familie in den Registern geführt wird. Für alle, die im Raum Ödenburg oder allgemein zu ungarndeutschen Familien forschen, lohnt sich der Kontakt daher. Die AKuFF veranstaltet mehrmals im Jahr Fachtagungen an wechselnden Orten; teilnehmen können auch Nichtmitglieder.
Vielen Dank für den informativen Tag und die Gelegenheit zum Austausch!
Zum Weiterlesen
- GenWiki-Artikel zu Sopron mit Anlaufstellen und Hilfsmitteln für die Forschung: https://wiki.genealogy.net/Sopron
- Arbeitskreis ungarndeutscher Familienforscher e.V. (AKuFF): https://www.akuff.org/
- Familia Austria – Österreichische Gesellschaft für Genealogie und Geschichte: https://www.familia-austria.at/
- Einladung und Programm der Veranstaltung: https://www.familia-austria.at/index.php/aktuell/1964-einladung-zum-treffen-mit-den-ungarndeutschen-kollegen-samstag-24-oktober-2026-in-harkau-bei-oedenburg
- Ortschronik Harkau, u. a. mit Familiennamen von 1451 bis 1946 und einer Untertanenliste von 1558: https://www.oedenburgerland.de/index.php/weitere-stadtdr-mainmenu-187/harkau-mainmenu-144


