Letzter Aufruf zur Suche nach im Krieg vermissten Angehörigen beim DRK

75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird die Bevölkerung dazu aufgerufen, bis spätestens bis zum 31.12.2021 Anfragen zu vermissten Wehrmachtssoldaten, Zivilisten, Kriegsgefangenen, Zivilinternierten oder Kindern, die durch Flucht und Vertreibung von ihren Familien getrennt worden sind, beim Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) zu stellen.

„Ende 2023 wird der DRK-Suchdienst diese vom Bund finanzierte Aufgabe gemäß einer Vereinbarung mit dem Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) beenden. Deshalb sollten Anfragen beim DRK-Suchdienst am Standort München in den nächsten anderthalb Jahren gestellt werden“, sagte DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt. Die internationale Suche nach Angehörigen von Flüchtlingen und die Beratung zur Familienzusammenführung wird weiter durchgeführt.

Auch Informationen zu Gefangenen in sowjetischen Speziallagern in der ehemaligen Sowjetischen Besatzungszone und der DDR kann der DRK-Suchdienst bereitstellen. Der DRK-Suchdienst hat seit 1992 rund zwei Millionen Kriegsgefangenen- und Interniertenakten sowie rund fünf Millionen Karteikarten der sogenannten Kriegsgefangenenkartei aus dem Russischen Staatlichen Militärarchiv und anderen russischen Archiven erhalten. Seit 2004 hat das DRK Millionen dieser Gefangenenakten digitalisiert. Auch der Volksbund für Kriegsgräberfürsorge nutzt diese Karteien und Akten. Zwischen 1941 und 1943 kamen drei Millionen Soldaten der Wehrmacht in sowjetische Kriegsgefangenschaft, über eine Million von ihnen kamen dabei um. Das Schicksal der fünf Millionen russischer Soldaten und Offizieren in deutscher Kriegsgefangenschaft (drei Millionen davon starben durch Hunger, Krankheit oder Erschießung) wird mit deutscher Unterstützung beim Deutschen Historischen Institut in Moskau und den russischen Archivpartnern erforscht.

Im vergangenen Jahr hat der DRK-Suchdienst als Teil des Internationalen Suchdienst-Netzwerkes IKRK noch über 10.000 Suchanfragen erhalten. Im Gedenken an das Kriegsende vor 75 Jahren könnte das Interesse in vielen Familien steigen, das Schicksal vermisster Angehöriger aufzuklären. In 23 % der Fälle waren Auskünfte über den Verbleib von Vermissten möglich, bei den Kriegsgefangenen in russischen Lägern konnten oft auch Sterbedaten und letzter Aufenthaltsort ermittelt werden.

Die Bestände der Zentralen Auskunfts- und Dokumentationsstelle zum Zweiten Weltkrieg befinden sich am DRK-Standort 81549 München, Chiemgaustraße 109. Der Zugang ist nur nach schriftlicher Voranmeldung/Anfrage möglich. Die Karteikarten der zentralen Namenkartei mit 50 Millionen alphabetisch-phonetisch sortierten Karten befinden sich beim DRK-Suchdienst in Hamburg, Digitalisate stehen den Suchdienstmitarbeitern zur Verfügung. Über den Verbleib der Unterlagen nach dem Ende des Suchdienstes in München gibt es noch keine Informationen.