Suche nach Ostarbeitern in russischsprachigen Datenbanken

Wer nach der Herkunft von Zwangsarbeitern im Zweiten Weltkrieg forscht, deren Gräber in unseren Ehrenfriedhöfen zu finden sind und in Sterbeurkunden in vielen deutschen Archiven dokumentiert sind, kommt an Datenbanken wie ost-west.memo.ru, fond21.memo.ru oder base.memo.ru nicht vorbei. Die erste Datenbank verzeichnet die Namen von 320.000 Personen, die verschleppt und zur Arbeit in deutschen Betrieben gezwungen wurden, die zweite Seite sammelt Bilder und Dokumente aus dem Russischen Staatsarchiv in Moskau dazu, die dritte Datenbank nennt die Opfer des politischen Terrors in der UdSSR mit mehr als 3.000.000 Datensätzen. Memo.ru – das ist die Seite der internationalen Menschenrechts-Organisation Memorial mit dem ersten Vorsitzenden Andrej Sacharow (+ 1989) und deren deutscher Ableger Memorial.de. Die zahlreichen russischen Abteilungen von Memorial International stehen derzeit unter massivem staatlichen Druck.

Die russischsprachigen Texte müssen kein Hindernis sein, die Übersetzung mit Google-Translate oder deepl.com funktioniert leicht. Öffnet man die Webseiten mit Google Chrome, so kann die komplette Seite mit einem Klick oben rechts in der eigenen Sprache angezeigt werden. Die Webseiten gelten als sicher. Für die Ostarbeiter-Datenbank kann man mit Hilfe der vergrößerten Karte (rechts oben auf der Startseite) den gewünschten Ort auswählen und die Personenlisten anschauen und kopieren. Da man bei der Datenbanksuche die Namen in kyrillischen Zeichen eingeben muss, hilft auch hier die Rückübersetzung von Vorname und Familienname von deutsch nach russisch. Mit der Variation einzelner Buchstaben kann man unterschiedliche Schreibweisen des Namens ausprobieren.

Karte zum Aufruf der Ostarbeiter-Listen in Deutschland und Nachbarländern Quelle: Карта ost-west.memo.ru

Das Archiv „Zwangsarbeit 1939-1945“ präsentiert auf seiner fünfsprachigen Webseite Zeitzeugen-Erinnerungen, Biographien und Lebenswege von KZ-Häftlingen, Kriegsgefangenen und „zivilen“ Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern. Fast 600 Überlebende in 26 Ländern wurden interviewt. Über 12 Millionen Menschen wurden im Zweiten Weltkrieg zur Zwangsarbeit verpflichtet, um die Versorgung und Rüstungsproduktion aufrecht zu halten. Die Webseite hat eine umfangreiche Linkseite zu weiteren Interview-Archiven, Lagerlisten, Datenbanken zur Personensuche und Gedenkstätten. Auch die russische Datenbank „Memorial“ für die Suche nach sowjetischen gefallenen oder vermissten Soldaten und Kriegsgefangenen wird hier genannt.

Die Menschenrechts-Organisation Memorial International kann man auch direkt in deutscher Sprache anschreiben, um Zugang zu den Dokumenten zu bekommen: Memorial-Internationale Gesellschaft für historische Aufklärung, Menschenrechte und soziale Fürsorge, Krasnojarsk, Krasnoyarskoe obschestvo Memorial, Prospekt Mira 3, POB 254 91, RU-660 049 Krasnoyarsk, memorial(at)maxsoft.ru.

Auch über den Suchdienst der Liga für Russisch-Deutsche Freundschaft in Moskau informierte unser CG-Newsletter 7/2014. Wieweit diese Adressen noch hilfreich und zutreffend sind, können Nutzer gerne mitteilen: Liga Russko-Nemezkoy Druschby, ul. Marosseika 7/8-27, RU-101 000 Moskva, suchreferat.moskau(at)telsycom.ru. Man erhält einen Fragebogen; gegen eine geringe Gebühr, ca. 30 Euro, bekommt man zunächst mitgeteilt, ob und was in den entsprechenden Archiven gefunden wurde. Die weitere Recherche ist kostenpflichtig.

1 Antwort

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] Vegleichbare Informationen über die Zwangsarbeit gibt es in vielen deutschen Städten. Über 3.800 Lagerstandorte und Haftstätten sind auf der Seite Deutschland – ein Denkmal und durch die Stiftung EVZ (Erinnerung-Verantwortung-Zukunft) verzeichnet. Zahlreiche Online-Angebote zum Thema Zwangsarbeit sind auf der Webseite zwangsarbeit-archiv.de genannt. Hier werden auch viele Zeitzeugen-Interviews dokumentiert. Zur Suche nach russischen Zwangsarbeitern siehe auch den Blog-Beitrag „Suche nach Ostarbeitern in russischsprachigen Datenbanken“. […]

Kommentare sind deaktiviert.