Gedenken an die einsam Verstorbenen

Einmal im Monat erscheinen in den Wochenendausgaben von Großstadtzeitungen Anzeigen mit der Einladung zu Gedenkgottesdiensten für Menschen, für die es keine Trauerfeier gab. Dazu laden die beiden christlichen Kirchen sowie Vertreter der Stadt und Bestatter. In den Anzeigen tauchen dabei immer mehr Namen auf, denn immer mehr Menschen sterben einsam und vergessen. Bereits seit 13 Jahren finden in Köln an jedem dritten Dienstag im Monat ökumenische Gottesdienste statt – jährlich wechselnd in der evangelischen Antoniterkirche und der katholischen Basilika St. Aposteln. In einem Gedenkbuch unter dem Kruzifix am Taufstein werden die Namen der von der Stadt ohne Trauerfeier Bestatteten verzeichnet. Dieses „Gedenkbuch der Unbedachten“ wird dann jedes Jahr im November in einer Prozession über den Neumarkt von einer Kirche zur anderen getragen – in diesem Jahr jedoch musste sie Corona-bedingt abgesagt werden.

Ordnungsbehördliche Bestattungen“ heißen im Behördendeutsch die anonymen Beerdigungen, die die Friedhofämter durchführen müssen. In Berlin sind es jährlich fast 3.000 der 37.000 Verstorbenen. Ein billiger Holzsarg für die Einäscherung, die Urne anonym unter die Erde, vielleicht ein Namensschild – das ist die Praxis. Denn die Friedhofsverwaltungen müssen betriebswirtschaftlich denken. Selbst Friedhöfe kämpfen ums Überleben! In Berlin sind die Friedhofgebühren im Alten Domfriedhof am niedrigsten, deswegen gibt es dort viele Amtsbeisetzungen. „Auch wenn die Beerdigung wenig kostet und es keine Angehörigen gibt, werden die Toten auf dem Alten Domfriedhof mit Respekt auf ihrem letzten Weg begleitet“, sagt Oliver Wüstling von der zuständigen St. Hewigsgemeinde. In Berlin-Reinickendorf setzt der Bezirk einmal im Jahr ein Zeichen für die Armen, die ohne direkte Angehörige gestorben sind, indem bei einem öffentlichen Gedenken die Namen verlesen werden.

Mit einer Hörinstallation „Requiem für Verschwundene“ und dem Hörspiel „Einsam stirbt öfter – ein Requiem“ erinnert die Regisseurin Gesche Piening mit Biografien an Menschen, die ohne Angehörige gestorben sind. In München werden jährlich zirka 600 Menschen von Amts wegen bestattet, in ganz Bayern 2.300. Ermittler der Polizei suchen – meist vergeblich – nach den Angehörigen. Jetzt, in Corona-Zeiten, erleben immer mehr Familien, dass Angehörige allein im Krankenhaus versterben. Das steigert vielleicht das Bewusstsein und das Mitgefühl für die „Unbedachten“.

Brutal erscheint trotzdem die nebenstehende Anzeige in der Süddeutschen Zeitung, die Wolfgang Luef bei Twitter verbreitet hat. Sie zeugt von der traurigen Pflicht der Friedhofsverwaltung, Angehörige und Erben zu ermitteln, damit die Kosten für die Bestattung zurück gefordert werden können. Dabei gilt übrigens: Wer dazu nicht in der Lage ist, weil er/sie Grundsicherung oder Sozialhilfe bekommt, kann beim Sozialamt die Übernahme der Bestattungskosten beantragen.