P.M.History Spurensuche – Sonderheft Ahnenforschung

Die im November 2020 erschienene Sonderausgabe von P.M.History Spurensuche „Abenteuer Ahnenforschung“ bietet auf 100 Seiten eine leichte, gut zu lesende und toll bebilderte Kost zum Thema. Erst beim zweiten Blick merkt man, was an Werbung darin versteckt ist. Nach Meinung der Autoren eignen sich zum Einstieg ins Thema am besten Prominente wie Präsident Obama auf Besuch bei entfernten Verwandten in Irland oder Ministerpräsident Laschet mit seiner Abstammung von Karl dem Großen. Weitere Artikel  widmen sich einer Adelsfamilie oder dem TV-Moderator Manuel Andrack, der seine Ahnen selbst erforscht hat. Von ihm gibt es sogar eine „Gebrauchsanweisung“ unter dem Titel „Von wem habe ich das bloß. Auf den Spuren der Ahnen“ als Buch. Für weitere Prominente hat die Ahnenforscherin und Ancestry-Mitarbeiterin Ursula Krause Ahnen und Geschichten erforscht.

Prof. Dr. Georg Fertig, von der Universität Halle und 2. Vorsitzender des Vereins für Computergenealogie gibt im Interview u.a. Antworten auf die Fragen zur Popularisierung der Familienforschung, der DNA-Genealogie oder der möglichen Verwandtschaft zu Karl dem Großen. Die meisten Menschen sind nicht in der Lage, dies durch Ahnenforschung in Kirchenbüchern nachzuweisen. Er nennt auch Versprechungen unseriös, mit DNA-Tests etwas über die „Identität“ oder „Ethnizität“ erfahren zu können. Auf die Frage nach der Nutzung von kostenpflichtigen Ahnenforschungsportalen sagt er, dass es zwar Sinn machen könnte, dafür zu bezahlen, allerdings gebe es die Daten anderswo kostenfrei. Wo, sagte er leider nicht.

Acht Seiten des Hefts sind den Mormonen und der Geschichte zur Entwicklung zum größten genealogischen Archiv gewidmet. Überblickseiten informieren über Familiennamen, Archäogenetik, Nutzung der DNA-Analyse und Ahnenforschung für die Verbrechersuche, Mißbrauch der Genealogie in der NS-Zeit oder die Forschung nach Soldaten. Im Serviceteil gibt es weitere Seiten zu Militärrecherche, Internetsuche, Schriftenlesen, Buchhinweise und Tipps für die Vermeidung typischer Fehler bei der Ahnenforschung, ganz zum Schluss dann auch noch der Aufruf zum Besuch im Archiv, weil ja noch nicht alles digitalisiert ist.

Im Artikel Internetsuche wird dem Leser vermittelt, dass das Eintippen der gefundenen Daten in Genealogieprogramme lange vorbei sei, das fände inzwischen weitgehend im Internet statt – das ist wohl ein Wunschtraum der Anbieter! In diesem Artikel findet sich die einzige Stelle, an der kommerziellen Seiten der Wettbewerber von Ancestry wie MyHeritage und Geneanet genannt werden. Vom Verein für Computergenealogie wird nur die Metasuche für Adressbücher und Verlustlisten erwähnt. Archion für die angeblich komplizierte Suche in evangelischen Kirchenbüchern und FamilySearch sind eine Nennung wert, jedoch nicht der kostenlose Zugang zu Matricula-online.eu für die katholischen Kirchenbücher.

Wie heißt es auf der Wikipedia-Seite für P.M.: „Das Heft P.M. History Spurensuche 1/20 zum Thema Ahnenforschung entstand mit Unterstützung“ von Ancestry, dem weltgrößten Genealogie-Service-Anbieter. Andere kostenpflichtige (MyHeritage, Archion) sowie gemeinnützige Angebote (GenWiki) sind nicht entsprechend ihrer Rolle im Markt dargestellt.

Die Werbung für Ancestry ist in fast jedem Artikel  zu lesen. Das Heft hat wohl hauptsächlich die Aufgabe, die Leser*innen zur Nutzung von Ancestry zu bewegen.