APERTUS: Virtueller Lesesaal der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz

Bereits im November 2020 war es in der „Corona-Sonderausgabe“ der „Mitteilungen aus den rheinlandpfälzischen und saarländischen Archiven“ Nr. 65/2020 – wie hier im Blog berichtet – angekündigt: Der seit 2014 aufgebaute virtuelle Lesesaal der Landesarchivverwaltung „APERTUS“ wurde am 22. Januar 2021 in einer Online-Pressekonferenz mit der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Malu Dreyer eröffnet.

Zum Start gab es einen Film über das Projekt und es wurde nicht mit Superlativen gespart: Der virtuelle Lesesaal der Landesarchivverwaltung sei das modernste Digitalarchiv der Bundesrepublik und Deutschlands erster wegweisender virtueller Lesesaal. Ganze 66 Regal-Kilometer Archivgut seien zu bearbeiten gewesen und es wurden in zweijähriger Arbeit 1,5 Millionen Archivalien aus Rheinland-Pfalz online recherchierbar gemacht.

Es handelt sich um das Archivgut des Landeshauptarchivs Koblenz, des Landesarchivs Speyer, des Stadtarchivs Neuwied sowie einiger weiterer Kommunen des Landes, des Personenstandsarchivs Rheinland-Pfalz, der Auswandererdatenbank und der ehemaligen Bildagentur. Bisher sind 47.500 Digitalisate online verfügbar und problemlos herunterladbar. Den überwiegenden Teil machen dabei mittelalterliche Urkunden aus.

Recherchierbare Archivalien, die noch nicht vom Digitalisierungszentrum in Speyer gescannt wurden, können einfach auf der Webseite in den Lesesaal zum gewünschten Termin zur Einsicht bestellt werden – was allerdings dann erst für die Zeit nach den Corona-bedingten Einschränkungen gilt. Zum Login muss man sich persönlich anmelden. Danach können auch Reproduktionen angefordert und die Suchergebnisse im Merkzettel gespeichert werden.

Beispiel-Akte „Gesuch des amerikanischen Staatsbürgers Friedrich Trump in Kallstadt um Wiedereinbürgerung in den bayerischen Staat“

Die Suche ist leicht durchführbar nach Namen, Orten, Stichworten und der Archivsignatur. In der erweiterten Suche kann u.a. eingegrenzt werden auf das digitalisierte Archivgut. Das bisher einzige zugängliche Projekt für Familienforscher ist die Auswandererdatenbank ohne Links zu irgendwelchen digitalisierten Quellen. Enttäuscht wird, wer erwartet, Digitalisate von Massenakten wie Personenstandsurkunden oder Kirchenbüchern zu finden. Auch die 1,5 Millionen nach den Notar-Standorten geordneten Notariats-Akten in der Archivaußenstelle in Rommerskirchen sind nur „analog“ vor Ort einzusehen.

Eine Archiv-Testsuche mit dem Stichwort „Trump“ ergab einen digitalisierten Bestand im Landesarchiv Speyer Best. H 32 Nr. 104 UNr.2 auf 49 Seiten das Gesuch des amerikanischen Staatsbürgers Friedrich Trump in Kallstadt um Wiedereinbürgerung in den bayerischen Staat (1904 – 1907). Einen Permanentlink dazu konnte ich nicht finden. Weitere Suchergebnisse zum Stichwort „Trump“ waren nicht digitalisiert.

„Apertus“ ist das lateinische Wort für „offen“, „erschlossen“, „leicht zugänglich“. Die direkte Zugänglichkeit zu Digitalisaten für die genealogische Forschung, wie sie in anderen Landesarchivverwaltungen bereits möglich ist, fehlt hier aber noch. Auf dem Handy ist APERTUS nicht zu gebrauchen, denn die Software wurde nicht für die mobile Nutzung optimiert in Zeiten von „Go mobile!“ ein schwerer Mangel! Auch an der Barrierefreiheit hapert es, was – vorsorglich – in einer Erklärung auf der Webseite bekannt gegeben wird.
Und DAS soll das modernste digitale Archiv in der Bundesrepublik sein?

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