Arbeitsbericht eines erfahrenen Grabstein-Fotografen

In den beiden letzten Jahren habe ich mehr als 200 Friedhöfe in meiner Umgebung rund um Pforzheim oder im Urlaub, z.B. in Mecklenburg-Vorpommern, dokumentiert. Jetzt muss ich schon etwas weiter weg fahren, um neue Friedhöfe zu finden. Um herauszufinden, wohin ich fahren soll, nehme ich die Landkarte im Grabstein-Projekt zu Hilfe. Dort kann ich sehen, in welchen Orten schon Friedhöfe dokumentiert wurden.

Dazu erstelle ich mir eine geeignete Route, um möglichst Friedhöfe in mehreren Dörfern hintereinander zu fotografieren. Die meisten Dörfer hier in der Gegend im Badischen liegen nur wenige Kilometer auseinander. So ist es möglich, in kurzen zeitlichen Abständen die Friedhöfe dieser Orte abzufahren. Nun suche ich anhand von Google-Maps die betreffenden Friedhöfe heraus und notiere mir deren Anschriften.

Der Fotograf in Aktion. Foto: S. Rennung

Friedhofssatzung recherchieren

Als nächstes suche ich die entsprechenden Friedhofssatzungen im Internet und lade sie auf den PC runter. Wenn ich nicht fündig werde, schreibe ich eine Mail an das entsprechende Rathaus und bitte formlos um eine aktuelle Satzung. In den meisten Fällen dauert es ein oder zwei Tage. Unter dem Punkt „Verhalten auf dem Friedhof“ steht dann auch, ob für’s Grabstein-Projekt fotografiert werden darf, oder ob es ein Fotografierverbot gibt. Ein Verbot für gewerbliches Fotografieren betrifft uns nicht, da das Grabstein-Projekt kein kommerzielles bzw. gewerbliches Projekt darstellt.

Schon mehr als 40 Jahre gehört Fotografieren zu meinem Hobbies. Seit 1978 fotografiere ich mit Spiegelreflexkameras (zuerst analog, mittlerweile digital) und seit Oktober 2018 auch fürs Grabstein-Projekt. Momentan benutze ich eine Nikon D-90 mit einem 18-200mm Objektiv, fotografiert wird im RAW-Modus, da ich bei der Bearbeitung viel mehr Spielraum habe. Die Kamera mit einem APS-C Sensor (kleiner als Kleinbild) mit ihren 12 MP ist fürs Fotografieren im Grabstein-Projekt vollkommen ausreichend und durch die Möglichkeit, die Objektive wechseln zu können, sehr flexibel einsetzbar.

Am Morgen des betreffenden Tages mache ich mich schon früh auf den Weg, da ich bis zum ersten Friedhof etwa eine Stunde fahren muss. Am Ortseingang halte ich kurz an und erstelle vom Ortsschild ein Foto. Dann fahre ich zum Friedhof, der meist im Ort ausgeschildert ist. Das erste Foto mache ich immer vom Eingang. Meistens verschaffe ich mir einen kurzen Überblick und entscheide dann, wie herum ich anfange.

Um möglichst wenig Zeit mit der anschließenden Bildbearbeitung aufzuwenden, fotografiere ich die entsprechenden Grabsteine möglichst formatfüllend. Bei Grabstellen mit mehreren Grabsteinen erstelle ich ein Übersichtsfoto, das später gelöscht wird. Breite Grabsteine werden im Querformat, schmale im Hochformat fotografiert. Ich achte schon beim Fotografieren darauf, dass die Grabsteine in den Fotos gerade gestellt sind. Das dauert zwar beim Fotografieren etwas länger, spart aber Zeit bei der Bearbeitung.

Manche Grabsteine sind schwer lesbar oder verdeckt

Bei manchen Grabsteinen ist die Inschrift nur schwer lesbar, da erstelle ich dann von mehreren Seiten Detailfotos. Zuhause wird dann ersichtlich, welche davon verwendet werden können. Zwischendurch erstelle ich immer wieder Übersichtsfotos, damit ich bei Problemfällen leichter den entsprechenden Grabstein wiederfinden kann. Ein Teil der Ansichten kommt als Miniaturen ins Grabstein-Projekt, damit man sieht, wie der Friedhof angelegt ist.

Ich habe mir angewöhnt, bei Reihengräbern immer Reihe für Reihe zu fotografieren und nicht hin und her schwenken. Das führt nur zu vielen doppelten Fotos. Zweige oder Blumen, die nah vor dem Grabstein stehen, verdecken oftmals Teile der Inschrift. Da hilft dann nur der Versuch, von der Seite mehrere Detailaufnahmen zu machen. Oder man stellt sich hinter den Grabstein und macht Aufnahmen über Kopf, die man später beim Bearbeiten wieder herumdreht.

Bei Urnenwänden gehe ich ein paar Meter zurück und fotografiere mit dem Telebereich des Objektives jede einzelne Kammer ab, wobei ich auch hier zusehe, dass die Aufnahmen möglichst gerade sind. Ich versuche immer, möglichst zügig voran zu kommen. Ansichten von Gedenksteinen und Kriegerdenkmälern sollen im Querformat erstellt werden, um einheitliche Miniaturansichten zu erhalten. Oftmals befindet sich das Kriegerdenkmal nicht auf dem Friedhof, sondern steht bei der Kirche im Ort.

Zum Abschluss

Bevor ich den Friedhof verlasse, mache ich noch ein letztes Foto vom Eingang, und zwar von innen. Somit weiß ich später, welche Fotos zu welchem Friedhof gehören. Danach fahre ich die Orte der geplanten Route ab und dokumentiere auch in diesen Orten die entsprechenden Friedhöfe. So ist es mir möglich, mehrere Friedhöfe über einen Tag verteilt zu fotografieren und am Nachmittag mit zahlreichen Fotos zurück zu kommen.

Bei der Eingabe ins Grabstein-Projekt der dokumentierten Friedhöfe trage ich im Feld „Bemerkungen“ das Datum ein, an dem ich den Friedhof dokumentiert habe. Das erleichtert mir oder auch einem anderen Fotografen später eine Aktualisierung.

Klaus Martin Bardey (www.bardey.net)