Eine Million Fotos und Dokumente in Topotheken gespeichert

Topotheken sind Online-Archive, die von Citizen Scientists (den sogenannten Topothekarinnen und Topothekaren) betrieben werden. Hierin werden Fotos, Audio- oder Videodateien sowie Dokumente hochgeladen, geographisch und zeitlich verortet und verschlagwortet. Die gesammelten Schätze aus privaten Sammlungen sind für jedermann frei online zugänglich. So wird lokalhistorisch wertvolles Material vor dem Verschwinden gesichert.

Die Arbeit des Topothekars: Scannen, Verorten, Schlagworte einfügen

Derzeit gibt es rund 400 Topotheken, die von 2000 örtlichen TopothekarInnen geleitet werden, 200 davon befinden sich in Niederösterreich. Betreiber des Gesamtsystems ist ICARUS, Internationales Zentrum für Archivforschung, in Wien. ICARUS betreibt ebenso Monasterium für Urkunden und Matricula für Kirchenbücher.

Finden Sie die ganze Liste unter: https://www.topothek.at/de/unsere-topotheken/ Das einmillionste Objekt ist der Heimatschein für Leopold Westermeyer vom 24.11.1924 in Poysbrunn.

Internationale Quelle im Archivnetzwerk ICARUS

In den letzten Jahren ist die Topothek zu einer international bedeutenden Quelle für die Familien- und Regionalforschung geworden. Topothek-Gründer Alexander Schatek erzählt: „Mein Ausgangspunkt war, dass ich zuerst mein eigenes gesammeltes Material – Fotos, alte Postkarten etc. in eine Ordnung bringen wollte.“ Der aus Wien stämmige Grafikdesigner ließ sich daher von zwei IT-Spezialisten eine Datenbank programmieren, in der es möglich war, die eingescannten Fotos geographisch und zeitlich zu verorten so wie mit Schlagworten zu versehen. Die Vize-Bürgermeistern der Gemeinde Breitenstein am Semmering griff die Idee auf und gründete 2010 in ihrer Gemeinde die erste Orts-Topothek. Eine unglaubliche Erfolgsgeschichte begann: Dank der Eingliederung in das Archivnetzwerk ICARUS wurde aus den österreichischen Regional-Datenbanken rasch eine internationale Plattform.

Sicherung von privatem kulturellem Erbe

Für Alexander Schatek spielt ein weiterer Punkt eine wesentliche Rolle: die Sicherung des privaten kulturellen Erbes. „Öffentliche Archive haben keinen Sammelauftrag, was private Dokumente betrifft. Um dieses Material zumindest digital zu retten, wird die Topothek in lokalen Einheiten eingesetzt“, erklärt Schatek. Vieles, das durch die Topothek gesichert wird, würde ansonsten im Mistkübel landen, sagt der Topothek-Gründer und fügt hinzu: „Eine Entscheidung, was historisch interessant ist, bleibt subjektiv. Daher ist zu trachten, möglichst viele historische Belege zu sichern, digitalisieren, erschließen und zugänglich zu machen. Auch das Kinderfoto am Gartenzaun aus 1976, weil das Herz daran hängt und Erinnerungen lebendig werden lässt.“

Topotheken in Deutschland und Europa

Schauen Sie sich an, wie die Zahl der Topotheken in Isny, Schaidt in der Pfalz, Leipzig oder Köln und die in Hessen und Bayern in Deutschland wie auch in ganz Europa wächst. Jeder kann für seinen Heimatort eine neue Topothek beginnen und die Erinnerungen zeigen und bewahren! Richten Sie Ihre Anfrage an Dr. Dagmar Weidinger.