Nun auch SA- und SS-Personalakten durchsuchbar
Die Wochenzeitung DIE ZEIT hat Mitte Juli 2026 auch Teile der Personalakten von Sturmabteilung (SA) und Schutzstaffel (SS) aus der NS-Zeit durchsuchbar gemacht. Zirka 490.000 Namen können den Mitgliedern von SA und SS zugeordnet werden. Nach der im März angebotenen Recherchemöglichkeit zur NSDAP-Mitgliedschaft (wir berichteten hier im CompGen-Blog) bietet die Zeitung ihrer Leserschaft nun eine weitere Quelle an, die für die Familien- und Ahnenforschung besonders interessant ist. Zwar ist der Zugang nur für Abonnenten reserviert, allerdings kann die Datenbank für einen Euro vier Wochen lang getestet werden.
Dokumente aus dem US-Nationalarchiv, Kooperation mit dem Bundesarchiv
Die Unterlagen stammen aus dem ehemaligen Berlin Document Center, die vom US-Nationalarchiv vor der 1994 erfolgten Übergabe an das Bundesarchiv verfilmt worden waren. Die Akten enthalten Lebensläufe, Briefe, Beurteilungen, Stammkarten, Musterungsbögen und Mitgliederlisten. Besonders interessant für die genealogische Forschung sind die beigefügten Ahnentafeln, die als „Ariernachweis“ erstellt wurden.

Der SA gehörten bis zu 4,5 Millionen Männer an; bei allen SS-Verbänden gab es ca. 800.000 bis 950.000 Mitglieder. Die Recherchemöglichkeiten der ZEIT sind also bisher nur auf einen Teil beschränkt, obwohl die Akten zu den bisher zugeordneten Namen auch Hinweise auf eine weitere halbe Million Personen geben.
Die Akten wurden von der National Archives and Records Administration (NARA) in Washington (DC) in großen Teilen digitalisiert und frei zugänglich gemacht. Im Recherchesystem „invenio“ des Bundesarchivs stehen sie ebenfalls der Forschung zur Verfügung. Weitere Quellen sind die Wehrpässe aus dem Militärarchiv in Prag.
Mit Unterstützung und Expertise des Bundesarchivs hat die ZEIT-Arbeitsgruppe die Dokumente auf fast 10 Millionen Seiten mit KI-Sprachmodellen durchforstet und für eine individuelle Recherche aufbereitet.
Beim Bundesarchiv liegen in verschiedenen Standorten insgesamt 91 Kilometer NS-Dokumente mit ca. 1,1 Milliarden Seiten. Das ehemalige Berlin Document Center umfasste 76 Millionen Seiten, die auf Schwarz-Weiß-Mikrofilm gespeichert im US-Nationalarchiv liegen. Das Bundesarchiv digitalisiert nun hochwertiger und in Farbe und wendet dafür viele Millionen Euro auf. Einen kleinen Teil davon – mit ca. 280.000 Seiten von Personalakten bekannter SS-Täter – konnte die ZEIT mit auswerten. Entsprechend der vom Bundesarchivgesetz vorgegeben Datenschutz-Frist sind jedoch die Geburtsjahrgänge nach 1926 gesperrt und nicht recherchierbar.
Auskünfte vom Bundesarchiv, weitere Quellen
Das Bundesarchiv erteilt auf Anfrage Auskünfte aus den Unterlagen, die weit über das hinausgehen, was die ZEIT in der Suche anbietet. So sind z.B. die bei der ehemaligen DDR-Staatssicherheit gesammelten NS-Akten noch nicht enthalten.
Eine weitere Forschungsquelle für personenbezogene Akten aus der NS-Zeit sind die Arolsen Archives in Bad Arolsen, die neben umfangreichen Quellen zu den Opfern der NS-Zeit auch einige Personalakten zu SS-Angehörigen aufbewahren.


Screenshot: Anja Kirsten Klein/National Archives