Das Deutsche Personenstandsverzeichnis – „depeve“
Das Deutsche Personenstandsverzeichnis – „depeve“ – soll ein Projekt für Personenstandsurkunden sein, wie es Matricula und Archion bereits erfolgreich für katholische und evangelische Kirchenbücher über viele Jahre aufgebaut haben. „Wie wir die Forschung in Personenstandsakten neu denken können: Eine neue Datenbank soll die verstreuten Daten zusammenführen“, so untertitelte Jan Michael Goldberg seinen Projekt-Vorstellung in der letzten Ausgabe 2/2026 der COMPUTERGENEALOGIE (S. 16/17). Die erste Präsentation von depeve fand – wie hier im Blog berichtet – am Rande der Mitgliederversammlung des Vereins für Computergenealogie (CompGen) am 18. April 2026 in Bochum statt. Seit Juni 2026 ist die Beta-Version online. Bei den Zuhörern erweckte das Projekt großes Staunen über die angedachten Möglichkeiten, aber auch Skepsis bezüglich der Realisierbarkeit.
Bescheiden anfangen, großes Potential
Begonnen hat der promovierte Historiker Jan Michael Goldberg mit Daten aus der Region, die ihn persönlich interessierte: dem Kreis Gütersloh, wo er wohnt und aufgewachsen ist. Im Landesarchiv NRW – Abteilung Ost-Westfalen-Lippe sind die Personenstandsurkunden aus den Orten des Kreises in digitaler Form zugänglich. Das Landesarchiv erlaubt die Nutzung und Bearbeitung unter der Creative Commons Lizenz CC BY-SA, d.h. die Inhalte müssen unter der gleichen Lizenz (mit der Archiv-Signatur) veröffentlicht werden.
Inzwischen sind weitere Urkunden hinzugekommen. In der Planung sind vornehmlich die digital zugänglichen Heirats- und Sterbe-Urkunden 1874 bis 1899 aus dem Landesarchiv NRW. Urkunden aus dem Staatsarchiv Bremen und dem Hessischen Landesarchiv sollen folgen. Angemeldeten Nutzer können aber auch ihre selbst gesammelten Urkunden hochladen. Die Datenschutzgrenzen des Archivgesetzes werden eingehalten. Was die Archive noch nicht digitalisiert haben oder anzeigen, kann in depeve auch erst später Aufnahme finden.

Das Besondere am Projekt sind die Transkriptionen der Urkunden, die mit künstlicher Intelligenz (KI) erzeugt werden, und deren Fehler von autorisierten Nutzern korrigiert werden können. Die markierten Namen und Daten werden in eine Datenbank übernommen. Die Orte sind mit dem Geschichtlichen Orts-Verzeichnis (GOV) von CompGen verlinkt und werden auf einer Karte angezeigt. Das bedeutet, man kann sowohl nach Namen als auch einem Standesamt suchen und die Urkunden anzeigen. Die Verknüpfungen von Personen in einer oder mehreren Urkunden werden in einem Datenblatt übersichtlich angezeigt. Ist man sicher, dass zwei angezeigte Personen identisch sind, können sie verschmolzen werden, so dass komplette Genealogien entstehen.

Langer Atem und Mittel nötig – Feedback und Mitarbeit gefragt
Der Erfolg des Projekts ist davon abhängig, wie schnell möglichst zahlreiche Scans von Urkunden hochgeladen und durch die KI gelesen werden. Hier sind die genealogisch Interessierten aufgerufen, ihre Interessen zu melden und die erschlossenen Daten zu überprüfen und zu einem Netzwerk zusammenzufügen. Für die KI-Transkriptionen werden Kosten entstehen, so dass das Projekt nicht ohne Zuschüsse oder Spenden auskommen kann. Sponsoren und Unterstützer werden wohl gebraucht. Der Initiator des Projekts lädt alle ein, in den Daten zu stöbern, mitzuarbeiten und Rückmeldungen zu geben.
Es wird spannend!


