Das neue „Zentrum“ der genealogischen Forschung: Idee und Stand der Arbeiten für das Genealogienetz-Portal
Auf der CompGen-Mitgliederversammlung im April 2026 hat Robert Päßler das geplante neue Portal im Genealogienetz vorgestellt (intern auch als „Zentrum der Projekte“ bezeichnet), an dessen Programmierung er zusammen mit Jakob Diedrich im Gitlab des Vereins arbeitet. Wir möchten an dieser Stelle über einige Fortschritte berichten, die es mittlerweile gegeben hat, und zugleich das Vorhaben einer breiteren Öffentlichkeit vorstellen.
Der Grundgedanke stammt aus einer Umfrage unter Genwiki-Nutzern von 2024. Es ging Robert darum, erstmal den genealogischen Forschungsprozess zu verstehen und die Hindernisse bei der Nutzung unserer Wissensbestände, die dabei auftraten. Aus den über 300 Antworten destillierte er zusammen mit dem Webentwickler Dirk Leitloff ein zentrales Problem: Unsere Nutzer finden sehr viel, verlieren dabei aber leicht die Orientierung.
Dazu kommt es aus drei Gründen:
- Erstens weil Online-Forschungsarbeit immer persönlich ist. Man sollte sich also die Seite selbst so einrichten können, dass man zu den richtigen Angeboten, also zu denen, die man selbst auswerten möchte, hinfindet.
- Zweitens weil Online-Forschungsarbeit zerbrechlich ist. Wenn man nicht permanent mitschreibt, verliert man die einmal gefundenen Informationen sehr schnell wieder aus dem Blick. Man sollte sich die Ergebnisse auf der Seite also markieren und abspeichern können.
- Und drittens, weil Online-Forschungsarbeit nicht nur aus dem Ansammeln von einzelnen Informationen besteht, sondern daraus, diese zusammenzuführen. Wenn ich also feststelle, dass eine mich interessierende Person sowohl in einem Adressbuch als auch auf einem Grabstein zu finden ist, oder sowohl in einem Online-OFB als auch in einem zweiten Online-OFB, brauche ich eine Möglichkeit, auch dies für mich und für andere abzuspeichern.
Keines der derzeitigen Online-Angebote von CompGen unterstützt bisher diesen Prozess, der doch eigentlich das Zentrum der genealogischen Arbeit bildet. Die großen Erfassungsprojekte im Dateneingabesystem DES, bei den Grabsteinen und anderswo dienen jeweils dazu, einen bestimmten Quellenbestand komplett abzubilden, ob Friedhof, Zeitung, Adressbuch, Kirchenbuch oder Verlustliste. Die Forschenden machen dann damit zuhause, was sie eben machen wollen. Für die laufende Verknüpfung von Einzelinformationen zur selben Person (oder zum selben Ehepaar, zur selben Adresse usw.) hat CompGen keine Datenbank. Die große Ausnahme ist das Geschichtliche Ortsverzeichnis GOV, das Informationen aus mehreren Quellen zum selben Ort zusammenbringt. Das Verknüpfen zuhause, außerhalb des Genealogienetzes, erfolgt mit Offline- und Online-Genealogieprogrammen, mit Datenbankprogrammen oder auf kommerziellen Portalen. Ist man damit fertig (oder halb fertig), kann man zu uns zurückkommen und unsere Selbstpublikationsdienste Gedbas und Online-OFB dazu nutzen, die Ergebnisse bekannt zu machen.
So erfolgreich besonders die Online-OFBs sind, es ist eine kleine Minderheit der Genealogen, die wirklich diesen Schritt zur Veröffentlichung wagen. Das neue Zentrum tritt genau in diese Lücke. Wir beabsichtigen damit nicht etwa, ein weiteres Genealogieprogramm an die Seite von webtrees, GEN_DO! oder Ahnenblatt zu stellen, deren Nutzen für die jeweils eigene Verknüpfungsarbeit unbestreitbar ist. Wir möchten aber sehr wohl, dass die laufende Verknüpfungsarbeit an den in CompGen-Projekten erfassten Daten niedrigschwellig direkt bei uns und zum Nutzen aller erfolgt.

Die Idee, den genealogischen Forschungsprozess ins Zentrum eines Angebots zu stellen, ist dabei nicht neu. Bereits um das Jahr 2000 entwickelte eine Arbeitsgruppe der National Genealogical Society in den USA ein theoretisches Datenmodell, über das sie schrieben: „The purpose of the genealogical data model is to support the genealogical research process“. Auf diesem Modell beruhte dann auch das von Jesper Zedlitz in der COMPUTERGENEALOGIE 4/2009 vorgestellte Gedbas4all, das eine zentrale Datenspeicherung für alle Projekte des Vereins vorsah. Spätere Überlegungen von Jesper und Georg gingen in Richtung einer Wikibase-Instanz, wie sie für fertig verknüpfte genealogische Daten etwa das FactGrid darstellt. Algorithmisch ermittelte Vorschläge für möglicherweise zusammengehörige Datensätze an anderer Stelle finden sich auch in Herbert Julings Online-OFBs. Neuen Schwung hat der Gedanke durch Wolfgang Fahls Arbeiten an einer „Semantifizierung“ des Genwiki bekommen. Die Grundidee einer Orientierung am Prozess des Anlegens von Verknüpfungen bleibt; das neue Zentrum soll aber gerade nicht die Daten aus den Projekten speichern und damit die einzelnen Projektdatenbanken ersetzen, sondern sie sichtbar machen und in Verbindung bringen.
Wie sieht das nun aus? Erstens: wenn man sich mit den üblichen Login-Daten im Genealogie-Netz anmeldet, dann erinnert das Zentrum an die Startseite des Genwiki: Hinweise auf unsere Datenbanken, auf Genwiki-Themenportale, auf Termine, die Vereinszeitschrift und mehr. Personalisierte Vorschläge enthält die Smartbox am rechten Bildschirmrand. Eine wichtige Funktion des Genwiki (und anderer Angebote) ist der „Zweizeiler“, der zu den verschiedenen CompGen-Angeboten führt. Diesen kann man sich im neuen Zentrum selbst zusammenstellen, sodass man immer zu den eigenen Lieblingsprojekten findet. Zweitens findet sich oben auf der Seite eine Personensuche, zurzeit nur mit Nachname und Ort und auf Grundlage der bestehenden Metasuche.
Die Genealogische Meta-Datenbank GeMeDa
An diese Stelle wird bald eine neue Suchmöglichkeit treten. Hinter dieser liegt zweierlei: die eigentliche GeMeDa als Datenbank der Datenbanken, in der Strukturen und Zugänge zu verschiedensten Datenbanken bei CompGen und anderswo dokumentiert sind, und eine angeschlossene Datenbank der Verknüpfungen. Speichere ich mir einen einzelnen Treffer, landet die Verbindung zwischen mir und dem Treffer also in der Datenbank.

Ich kann aber auch zwei oder mehr Treffer zusammen abspeichern und dabei eine Einschätzung abgeben, ob diese sicher, vielleicht oder etwa auch gar nicht zusammengehören. Diese Verknüpfungen werden auch anderen Nutzern angezeigt; sie können auch in den Projekten, aus denen die Daten stammen, weiter genutzt werden, und wir wollen einen GEDCOM-Export einrichten, damit die Ergebnisse an anderer Stelle weiter verwendet werden können.
Eine Testversion der Datenbank ist seit dem Genealogentag 2026 zugänglich. Verknüpfungen, die dort zum Ausprobieren angelegt werden, bleiben aber nicht dauerhaft erhalten. Der Ausbau der Zentrums-Seite soll auch noch weitergehen. So sollen statische, tabellarische Datenbestände (also abgeschlossene Quellenerfassungen und genealogische Listen) darüber unaufwendig eingerichtet und präsentiert werden können. Auch die Grundstruktur unserer „fünf Farben der Genealogie“ soll gut erkennbar werden. Vielleicht entwickelt sich die Seite tatsächlich zu einer beliebten Einstiegsseite in die genealogische Forschung, ähnlich wie es derzeit die Hauptseite des Genwiki ist. Für einen solchen Erfolg brauchen wir:
- Mitarbeit an der Programmierung und optischen Gestaltung,
- guten Willen von möglichst vielen Betreibern genealogischer Datenbanken auch jenseits von Online-OFBs, Adressbüchern, Gedbas und Co.,
- Nutzer, die das entstehende Zentrum ausprobieren,
- und Ihre und Eure Förderung in Form von Vereinsmitgliedschaft, Fördermitgliedschaft und Spenden.



