Deutsches Personenstandsverzeichnis „depeve“ freigeschaltet – Video online
Einen „Traum“ hat Jan Michael Goldberg sich und uns mit der Entwicklung von „depeve“ erfüllt. Die Abkürzung steht für „Deutsches Personenstandsverzeichnis“ und das Ziel ist, die Personenstandsregister Deutschlands ab 1874 auf einer einzigen Plattform sichtbar und recherchierbar zu machen. Unsere Aufzeichnung seiner Präsentation der Plattform im CompGen-Zoom-Meeting vom 20. August 2026 ist nun als YouTube-Video anzuschauen. Nach dem Genealogentag in Göttingen entließ Jan Goldberg sein Projekt am 29. September 2026 aus der Beta-Version in den freigegebenen Stand.
Ziel des Projekts – was leistet depeve?
In seiner Präsentation machte der Referent seine Absicht deutlich: Die zerstückelte Landschaft der Personenstandsregister in den Archiven für die Zeit nach 1874 soll unter einem gemeinsamen Portal an einem Ort nutzbar werden – analog zu den beiden Kirchenbuchportalen Matricula und Archion für die katholischen und evangelischen Kirchenbücher. Die Urkunden werden so sichtbar und durch eine Transkription lesbar gemacht. Eine Volltextsuche ist möglich. Zusätzlich erkennt eine Logik-Programmierung die Namen, Berufe, Orte, Adressen und Datumsangaben. Personennamen werden in der Transkription markiert; eine Ähnlichkeitssuche erkennt auch Schreibvarianten.
Seine ersten Tests hatte Jan Goldberg mit den Standesamtsregistern des Kreises Gütersloh gemacht, seiner eigenen Forschungsregion. Hier kann man bereits sehen, was „depeve“ leistet: Alle Urkunden der Region sind transkribiert und durchsuchbar. Wählt man eins der Register aus, so erhält man eine Liste der Urkunden mit den Namen der Eheleute bzw. der Verstorbenen.
Jedes Dokument wird mit der danebenstehenden Transkription angezeigt. Mit einem Klick auf einen der markierten Namen erhält man ein Personenblatt mit den automatisch erkannten Daten, der Erwähnung in weiteren Registern und ein Familienblatt mit den Eltern-Kind-Ehepartner-Verknüpfungen. Findet man Fehler, so können sie gemeldet werden. Registrierte qualifizierte Nutzer haben die Möglichkeit, Korrekturen im transkribierten Text vorzunehmen und Familien zusammenzufügen. Hier ist die Schwarmintelligenz aufgefordert, sich an der Verbesserung der Daten zu beteiligen.
Inzwischen sind alle online verfügbaren Personenstandsurkunden aus Nordrhein-Westfalen und Bremen ab 1874/1876 sichtbar, allerdings noch nicht transkribiert. Für eine Reihe von nordrhein-westfälischen Urkunden hat das NRW-Landesarchiv die Indexierung der Urkunden veröffentlicht. Diese Namensregister wurden ebenfalls nach „depeve“ übernommen und sind hilfreich bei der Volltextsuche in noch nicht transkribierten Urkunden.
Unterstützung und Mitarbeit erwünscht – Diskussion
Wer Interesse an der Transkription der Urkunden eines bestimmten Standesamts hat, kann sich mit dem jeweils angegebenen Betrag an den Kosten beteiligen oder spenden. Wer über Informationen aus Archiven über dort bereits digitalisierte Personenstandsurkunden hat, kann Informationen dazu in einer Tabelle an den Programmadministrator einsenden.
In der Diskussion nach der Präsentation wurde natürlich auch die Skepsis bezüglich der erreichbaren Vollständigkeit geäußert. Dabei wurde klar, dass das Projekt eine längere Laufzeit haben wird, so wie ja auch die Daten in den Kirchenbuchportalen bereits jahrelang in Arbeit waren – und längst noch nicht flächendeckend online sind.
Nächste Schwerpunkte bei „depeve“ sind die Urkunden aus Rheinland-Pfalz und Polen. Noch sind nicht alle Urkunden in den Archiven online gestellt. Der Vorschlag, auch die im Westen Deutschlands vorhandenen Urkunden vor 1875 zu nutzen, muss nach Ansicht von Jan Goldberg erst einmal zurückgestellt werden, denn sie sind anders strukturiert und erfordern eine neue Logik-Programmierung bei der Analyse. Die gilt umso mehr für die Kirchenbücher.


