CompGen-Datenbank Historischer Adressbücher – endlich zusammen, was zusammengehört
Seit November 2025 können bei CompGen sämtliche 14 Millionen strukturierte Einträge aus historischen Adressbüchern an einer Stelle durchsucht werden: Bei adressbuecher.genealogy.net ist so endlich zusammen, was zusammengehört!
Es war einmal…
Bis dahin war es ein langer und steiniger Weg. Schon seit etwa dem Jahr 2000 haben sich Freiwillige mit der Erfassung von Daten aus Adressbüchern beschäftigt. Zunächst wurde dies offline gemacht: Entweder hatte man das Buch selbst vor Ort oder man bekam Fotokopien oder später auch eine DVD mit Scans zugeschickt. Dann tippte man diese Daten in eine Tabelle und schickte sie per E-Mail zurück. Das war ein aufwändiges und fehleranfälliges Verfahren. Jemand musste notieren, wo gerade welcher Teil eines Buches in Bearbeitung war. Manche Freiwillige haben sich nie wieder gemeldet, heute würde man sagen, sie haben uns „geghosted“. Und die Daten, die zurückgeschickt wurden, waren oft nicht so, wie es gedacht war. Es fehlten Einträge, dafür waren kreativ Einträge „ergänzt“ worden („Meine Tante hat eine Freundin, die hat ihr mal erzählt, dass die Familie zu den Zeit in dem Haus wohnte“). Einige Freiwillige fanden Seitenangaben nicht so wichtig und haben sie nicht aufgeschrieben. Unglaublich aber wahr: Es gab sogar Leute, die Adressbücher erfunden haben – einschließlich mit im Bildbearbeitungsprogrammm gebasteltem Titelblatt. Warum? Ich kann es mir nur so vorstellen, dass sie ihren Heimatort wichtiger darstellen wollten.
Nachdem das Dateneingabesystem DES bei der Erfassung der Deutschen Verlustlisten des 1. Weltkriegs so ein großer Erfolg war, haben wir im September 2013 damit begonnen, Adressbücher mit dem DES zu erfassen. Die Schwierigkeiten der Offline-Erfassung gehörten damit der Vergangenheit an. Dementsprechend haben wir die Offline-Erfassung auch relativ schnell auslaufen lassen.
Nun hatten wir jedoch zwei Datenbestände. Man musste an zwei Orten nach Einträgen aus Adressbüchern suchen. Da die Software für beide Datenbanken zu unterschiedlichen Zeiten entstanden war, unterschieden sich auch noch die Suchmöglichkeiten in beiden Datenbanken.
Aktueller Stand
Das hat nun ein Ende. In der Datenbank Historischer Adressbücher unter https://adressbuecher.genealogy.net können sämtliche Adressbücher in Gänze durchsucht werden. Momentan sind es 838 Bücher mit über 14,2 Millionen Einträgen. Aber schon gleich auf der Startseite sieht man, dass an weiteren Büchern gearbeitet wird. Mit einem Klick kann man sich selbst an der Erfassung der Bücher im DES beteiligen.
Die meisten Bücher stammen aus dem 1930er Jahren. Dahinter steckt der Plan, einen möglichst flächendeckenden Datenbestand für das Gebiet des ehemaligen Deutschen Reichen zu schaffen. Und die meisten Adressbücher gab es im Jahr 1937. Daher versuchen wir bevorzugt, diese strukturiert zu erfassen.

Neben der Suche nach Namen, Ortsnamen und Berufen kann man die Ergebnisse auch mit Hilfe einer Facettensuche weiter eingrenzen. Schon die Anzahl der Einträge pro Kriterium gibt einen Eindruck davon, welche Eigenschaft die meisten Suchergebnisse gemeinsam haben.
Warum sieht das so „komisch“ aus?
Tja, das Design der Webseite wird derzeit bestimmt keinen Schönheitswettbewerb gewinnen. Das ist ein altes Leiden bei CompGen. Seit bestimmt schon 15 Jahre ist das Thema „Webdesign“ bei CompGen schwierig. Daher habe ich mich an dieser Stelle dafür entschieden nicht bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag zu warten und einfach mit dem aktuellen Aussehen an den Start zu gehen. Sollte sich irgendwann mal etwas beim Thema „Webdesign“ tun, kann die Seite ja immer noch aufgehübscht werden.
Ausblick
Nach und nach wird sich die Anzahl der Datensätze in der Datenbank Historischer Adressbücher erhöhen. Immer wenn die Erfassung eines Adressbuchs im DES abgeschlossen ist, werden die Daten nach einer Qualitätskontrolle in die Datenbank übernommen. Dieser Prozess ist bereits automatisiert, so dass nur wenige Klicks notwendig sind.
Außerdem gibt es schon diverse Ideen, wie die Datenbank Historischer Adressbücher mit weiteren Funktionen ausgebaut werden kann. Bei der Suche lässt sich noch einiges verbessern: Ein Punkt ist die Normierung der Berufsangaben. Bisher ist es – auch aufgrund der zahlreichen Abkürzungen in den Büchern – sehr schwierig, nach ganzen Berufsgruppen zu suchen. Ein weiterer Punkt ist die Suche nach Orten. Bisher kann nur nach genauen Ortsnamen gesucht werden. Interessant wäre jedoch die Suche innerhalb einer Provinz oder einer Region. Mit dem Genealogischen Ortsverzeichnis (GOV) haben wir diese Informationen grundsätzlich vorliegen. Sie müssen „nur noch“ geschickt in die Datenbank Historischer Adressbücher eingebaut werden.
Und wäre es nicht großartig, wenn man zu einem Eintrag direkt historische Stadtpläne sehen könnte? Das ist allerdings noch eine größere Herausforderung, da wir dazu geografische Koordinaten zu jeder Adressangabe haben müssten.
Ebenfalls naheliegend, aber nicht weniger aufwändig, ist eine Markierung identischer Personen in unterschiedlichen Adressbüchern. Von einigen Städten haben wir über viele Jahrzehnte reichende Zeitreihen.
Schon jetzt ist die Datenbank Historischer Adressbücher ein sehr wertvoller genealogischer und historischer Datenbestand mit einem großen Potential für die Zukunft!


