Zoom-Meeting am 15. Januar: Frauengeschichten – Heirat, Haushalt und Erziehung?
Beim kommenden Januar-Zoom-Meeting des Vereins für Computergenealogie (CompGen) sind wir am Donnerstag, 15. Januar 2026, zwischen 20:00 und 21:30 Uhr, zu Gast im Online-Seminar „Biografien schreiben mit und ohne KI“ unseres Vorstandsmitglieds Dr. Katrin Moeller (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg). Diese Abendveranstaltung mit dem Thema „Frauengeschichten: Was ist spannend an Heirat, Haushalt und Erziehung?“ wird – abweichend vom sonstigen Verfahren – in einem anderen Zoom-Raum (s.u.) durchgeführt.
Herausforderungen bei der Forschung nach Vorfahrinnen
Die Recherche zu weiblichen Biografien, genealogischen Informationen und Frauenthemen stellt HistorikerInnen, GenealogInnen, KulturwissenschaftlerInnen wie auch interessierte Laien bis heute vor erhebliche Herausforderungen. Diese Schwierigkeiten sind Ergebnis historisch gewachsener Strukturen, die über Jahrhunderte hinweg männliche Lebensläufe, Repräsentationsformen und Perspektiven privilegiert haben. Die systematische Unterrepräsentation von Frauen in historischen Quellen wirkt bis in die Gegenwart fort und prägt sowohl die Verfügbarkeit als auch die Qualität der überlieferten Informationen.

Ein zentrales Problem liegt in der Quellenlage selbst. In vielen Epochen galten Frauen rechtlich, wirtschaftlich und sozial nicht als eigenständig. Sie traten in Urkunden, Steuerlisten, Verträgen oder amtlichen Registern häufig nur indirekt in Erscheinung, etwa als Ehefrauen, Töchter oder Witwen. In genealogischen Quellen wie Kirchenbüchern oder Zivilstandsregistern finden sich Frauen zwar regelmäßig bei Taufen, Eheschließungen und Todesfällen, doch bleiben ihre Lebenswege zwischen diesen Eckdaten meist unsichtbar.
Hinzu tritt – besonders bei Ehefrauen – die Problematik der Namensänderung: Durch Heirat verloren Frauen in vielen Kulturen ihren Geburtsnamen, was die Nachverfolgung individueller Biografien erheblich erschwert. Die Recherche genealogischer und biografischer Informationen zu Frauen bleibt daher oft ein detektivisches Unterfangen und erfordert ein hohes Maß an kriminalistischem Gespür.
Strategien zur Biografie-Recherche und Forschungspotentiale
Beim Seminarabend werden einige Strategien zur Recherche vorgestellt und zugleich spezifische Quellen und Techniken für das Schreiben von Frauen-Biografien aufgezeigt: Welche Themen lassen sich jenseits oder innerhalb der scheinbar eintönigen Welten von Küche, Kindererziehung, Kleidung und Körperwahrnehmung um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert erschließen? Wo liegt Forschungspotenzial, das Material auch für die historische Forschung anschlussfähig und reizvoll macht?
Spannend und inzwischen vergleichsweise gut erforscht sind die Themen Gleichberechtigung, Frauenwahlrecht sowie die Eroberung von Berufsleben und Politik durch Frauen. Bis weit in die 1950er Jahre hinein spielte sich aber für die Mehrheit der Frauen das Leben meist in anderen Rollen – insbesondere in der Ehe – und weniger öffentlich wahrgenommenen Pflichten ab.
Ein Blick auf aktuelle Fragestellungen der Gender Studies wird zeigen, dass auch das Alltagsleben wichtige Impulse für eine Geschichte von Innovationen liefern kann. Dabei wird deutlich werden, welche Entwicklungen an der Zeitenwende um 1900 für die Lebenswelten von Frauen prägend waren, und wie sich diese Veränderungen konkret auf ihren Alltag auswirkten. Thematisiert wird unter anderem, wie die Industrialisierung den familiären Haushalt veränderte, welche neuen Handlungsspielräume oder Belastungen sich daraus für Frauen ergaben und in welcher Weise sich Beziehungs- und Rollenmodelle wandelten.
CompGen lädt zum Zoom-Meeting im Januar ein:
Thema: „Frauengeschichten: Was ist spannend an Heirat, Haushalt und Erziehung?“
Referentin: Dr. Katrin Moeller (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)
Termin: Donnerstag, 15. Januar 2026, 20:00 Uhr (MEZ)
Am Zoom-Meeting teilnehmen: https://us02web.zoom.us/j/8335618102
Der Themenabend „Frauengeschichten“ ist Teil der Seminarreihe (16.10.2025 – 05.02.2026) von Katrin Moeller gemeinsam mit der AG Digitale Landesgeschichte Sachsen-Anhalt.
Aufzeichnungen der bisherigen elf Veranstaltungen können auf dem Youtubekanal des Historischen Datenzentrums angesehen werden.


