Video zum Online-Meeting: Domus – ein Open-Data-Projekt zur Häusergeschichte
Das Video des CompGen-Online-Meetings am 20. August 2026 mit dem Thema „Domus – ein Open-Data-Projekt zur Häusergeschichte“ ist nun online in unserem Youtube-Kanal „Mitmachen“ veröffentlicht. Das von David Straub initiierte Projekt richtet sich an alle, die sich für Häusergeschichte, Ortsgeschichte, Familienforschung und offene historische Daten interessieren. Gerade für Lokalforschende bietet Domus eine schöne Möglichkeit, Wissen zu Gebäuden und ihren Geschichten für alle sichtbar zu machen – und langfristig zu bewahren.
In der CompGen-Videothek ist es unter Mitmachen zu finden.
Für Domus hat David Straub eine Kartenanwendung erstellt, die für alle zugänglich ist. Zur Bearbeitung ist eine Anmeldung und Benutzerverwaltung nötig und natürlich Speicher für Bilder und Dokumente. Für die öffentlich sichtbaren Objekte benutzt er Wikidata, der Datenbank der Wikimedia Foundation mit Angaben zu Objekten aller Art mit der Lizenz CC0. Die verwendete Software ist Wikibase (vgl. FactGrid im CompGen-Vortrag von Olaf Simons hier). Bilder und Dokumente liegen bei Wikimedia Commons, auf OpenHistoricalMap sind Gebäudeumrisse mit Datierung sichtbar. All dies ermöglicht die Darstellung ohne eigenen Server oder Datenbank unter der Adresse domus.genealogy.net. Die Software ist quelloffen. In vielen Städten wie z.B. Berlin gibt es bereits viele Objekte, auf dem Land natürlich weniger. Auch die Kombination mit historischen Flurkarten, die unter freier Lizenz zu nutzen sind, ist möglich.
Beispiel Häusergeschichte des Gasthaus‘ zur Linde
Als Beispiel zeigt David Straub das „Gasthaus zur Linde“ in der Lindengasse von Unterboihingen, das einmal seinem Urgroßvater gehörte. Die Geschichte der Eigentümer, Bewohner und Umbauten entnahm er dem Gebäudekataster von 1848 im Stadtarchiv Wendlingen am Neckar. Um dies alles anzeigen zu können, hat er das Kartenmodul von Gramps Web weiterentwickelt. Die mächtige Ortsverwaltung des Programms erlaubt die Anlage von Ortsangaben auf allen Ebenen – bis herunter zum Gebäude und die Kombination mit den Informationen zu den Personen, die dort gelebt haben.
Vergleichbare Beispiele sind das Projekt FRANZI von Günter Mühlberger für Tirol in der Habsburger Monarchie oder das Projekt Haus und Hof – Hausgeschichte digital von Wolfgang Zehetner mit fast 100.000 Einträgen aus Niederösterreich. Auch im GenWiki gibt es Häuserbücher, die aber noch keine Karten anzeigen. Das Geschichtliche Ortsverzeichnis GOV von CompGen zeigt ca. 84.000 Gebäude an, die nach und nach mit Wikidata verknüpft werden.
Der Initiator und Projektbetreuer David Straub ist seit 20 Jahren Familienforscher. Er arbeitet mit dem Open-Source-Genealogieprogramm Gramps und ist sowohl Initiator als auch Projektbetreuer von Gramps Web, der moderne Open Source-Version als Genealogie-Webapp. Seit 2023 bietet er auch für das Hosting Grampshub an. Der Physiker ist seit dem letzten Jahr Professor für Informatik und Elektrotechnik an der Hochschule München. Die wissenschaftliche Publikation von David Straub zu „Domus“ ist hier zu finden.

