Die Faszination von Grabstätten

Ja, das gibt es! Menschen zieht es auf Friedhöfe, nicht um ihren verstorbenen Angehörigen nahe zu sein, sondern fotografierend Datenmengen zu erzeugen, die später einmal Quellen für Familiengeschichtsforschung sein werden. Doch auch heute schon können ihre Funde uns anrühren. Was sie nach Hause bringen, sind darüber hinaus auch Zeugnisse einer sich allmählich wandelnden Sepulkralkultur. Das Phänomen begann vor knapp einem viertel Jahrhundert in Amerika. Die gesammelten Grabsteinfotos und die dort eingravierten Lebensdaten werden in Onlinedatenbanken geordnet. Vereine organisieren das Erfassen, Speichern und Präsentieren der Ergebnisse über eine jeweilige Projektstruktur. Die anschließenden Suchergebnisse können unterschiedliche Formen haben. Je nach Gesetzen, Rechtsprechung und deren Interpretation variiert die Darstellung von reinen Listen bis zu umfänglicher Präsentation der vorhandenen Aufnahmen. Unsere globale Mobilität macht dabei vor Ländergrenzen nicht halt.

Lapidarium Pölitz/Police
(c) Peter Teuthorn

Bei uns gibt CompGen, der Verein für Computergenealogie e.V., mit bald 6.000 erfassten Friedhöfen den Ton an und berichtet an dieser Stelle regelmäßig darüber. Regionale Schwerpunkte haben sich mit der Upstalsboom-Gesellschaft in Ostfriesland und mit dem BLF, dem Bayerischen Landesverband für Familienkunde, im Süden gebildet. Die Sammlung der Upstalsboom-Gesellschaft ist auch über die CompGen-Metasuche erreichbar, die des BLF über einen eigenen Zugang. Das Einbinden in die Metasuche ist jedoch geplant.

Während die genannten Initiativen mit straffer Organisation jeweils einen kompletten Friedhof zu erfassen anstreben, geht Geneanet einen anderen Weg. Per Smartphone-App werden auch einzelne Fotos einem Friedhof zugeordnet und direkt in den Daten-Pool eingespeist. Sie können sich so allmählich zu vollständigeren Friedhöfen zusammenfügen. – Der damit gegebene Nachteil möglicher Doppelerfassung betrifft auch das folgende amerikanische Projekt.


Neffe 3. Grades (des Autors) mit Großmutter aus dem Volk der Odawa

Find A Grave bezeichnet sich selbst mit über 180 Millionen Grabstätten als die größte Grabstätten-Sammlung. Das Wechseln zwischen Gräbern, und der Information über den Friedhof ist gut gelöst, und das Konzept setzt mit den sogenannten Memorials einen besonderen Akzent. Es ermöglicht den Angehörigen Bekundungen ihrer Trauer, das Nennen der Hinterbliebenen und das Öffentlich-Machen von Kurzbiographien. Die Website hat ihren Schwerpunkt in Nordamerika und Großbritannien. Sie ist damit auch eine gute Fundstelle für Nachfahren von Auswanderern.

Wenn wir bei einer Wanderung über die virtuellen Friedhöfe kürzlich verstorbenen Verwandten einer unserer Nebenlinien begegnen oder vor dem Grabstein eines schon lange verstorbenen Angehörigen der eigenen Familie stehen, kann das berührend sein.


(Infomationen zu weiteren Friedhof- und Grabportalen in Deutschland und im Ausland finden sich nach etwas hinunterscrollen in einer umfangreichen Linkliste im GenWiki.)