Stadtarchiv Tübingen soll Akten nach Donauwörth auslagern

Im Schwäbischen Tagblatt berichtete Sabine Lohr am 7.1.2020, dass das Stadtarchiv der Universitätsstadt Tübingen nicht wie geplant in einer ehemaligen Güterumschlaghalle untergebracht werden kann – wegen der kostspieligen Anforderungen an den Brandschutz. Für einen Neubau fehlt das Geld und die Planungskapazität. Aber das Archiv kann keine neuen Akten an seinen neun (!) Lagerorten mehr aufnehmen. Es gehen wertvolle Unterlagen verloren, sagt Stadtarchivar Udo Rauch, z.B. ein angebotenes Fotoarchiv mit Aufnahmen aus Tübingen aus den 1920er- und 30er-Jahren, die er aus Platzgründen nicht übernehmen kann. Die Verwaltung präsentiert in dieser Woche dem Kulturausschuss die Idee, die Unterlagen in einer großen Halle eines externen Dienstleisters in Donauwörth unterzubringen. Wenn jemand Akten einsehen möchte, sollen die per „Scan on demand“ digital geliefert werden. Dieses Verfahren wird in der Industrie für befristet aufzubewahrende Belege verwendet. Angemessen ausgestattete Archive bieten ebenfalls die Herstellung von Scans on demand an, allerdings bestandsschonend unter Beachtung des Erhalts der Originale.

Tübingen 1643 Kupferstich von Matthäus Merian

Archivar Rauch beklagt, dass man sich in 500 Jahren Stadtgeschichte nie Gedanken übers Archiv gemacht habe. Dagegen sei in den 1950er Jahren die Bücherei gebaut worden – und in den 1980er ein zweites Mal. In den 1960er Jahren sei für das Museum gebaut worden, in den 1990ern ein zweites Mal. „Ein Stadtarchiv ist eine gesetzliche Aufgabe“. Im Landesarchivgesetz Baden-Württemberg regelt § 7 (Kommunales Archivgut), dass die Gemeinden und Landkreise Unterlagen von bleibendem Wert als Archivgut in eigenen Archiven verwahren, erhalten und erschließen. Sie sollen das Archivgut nutzbar machen.

Ahnenforscher, die in Tübingen forschen wollen, sehen der Entwicklung daher besorgt entgegen und wünschen sich eine bessere Unterbringung des Archivs vor Ort. Ein Archiv ist nicht Altpapier in einer Halle. Archivgut ist Kulturgut. Und Familienforschung braucht angemessen ausgestattete Kommunalarchive!