Blogs kurz vorgestellt: Timo Krackes „Genealogie Tagebuch“

Mit dem Medium Blog hat auch die Genealogie eine digitale Kommunikationsform gewonnen, mit der es möglich ist, Informationen, Nachrichten und Meinungen auf einfache Weise papierlos zu publizieren. Familienforscher und Genealogische Vereine können damit neben oder statt herkömmlicher gedruckter Mitteilungen und Abhandlungen ihren Adressatenkreis schnell, kostengünstig und flexibel erreichen.

Ein Blogger der ersten Stunde ist der kürzlich mit der Ehrung „Verdienter Genealoge“ ausgezeichnete Timo Kracke. Von März 2013 bis April 2018 war er im Vorstand unseres Vereins CompGen. Sein Blog „Genealogie Tagebuch“ hat er in seine Website integriert. Ich wollte wissen, welchen Stellenwert das Bloggen aktuell für ihn hat? 


Peter Teuthorn (PT):
Timo, ich erinnere mich gerne an unseren ersten Kontakt zum Thema Bloggen. Du hattest Dich bereits in der CompGen-Zeitschrift 2/2008 mit einem zweiseitigen Beitrag zu Wort gemeldet. Die deutschsprachige Szene war noch sehr klein. Aber es gab schon Enthusiasten wie Margit Rambow, Dirk Peters und natürlich Dich. Margit hat mich mit fachlich fundierten Beiträgen beeindruckt, Dirk mit Neuigkeiten aus der Welt der Genealogie und Du mit dieser technischen Neugier und dem Aufspüren immer neuer Wege der Darstellung. Ich selbst machte erste Versuche. Von Beginn an sammeltest du Linkadressen deutscher Blogger. Wie bist Du zum bloggen gekommen?

Timo Kracke (Timo):
Ganz einfach. Ich bin zur Familienforschung gekommen, weil ich ein Thema für meine eigene Website brauchte. Es gab diese leere Seite, und ein Freund berichtete mir, dass es zu seinem Familiennamen Ahnenforschung gibt. Das fand ich interessant und habe ganz blauäugig angefangen. Der Virus Ahnenforschung hatte mich dann schnell gefasst. Aber neben der Forschung selbst war ich schon immer sehr daran interessiert, Dinge im Internet umzusetzen, Neues auszuprobieren. Zuerst gab es noch eine selbst mit HTML programmierte Homepage, die später durch CSM (ContentManagementSysteme) wie WordPress und TNG abgelöst wurde. Auch die Integration von sozialen Netzwerken war für mich immer ein Thema. Ich meine, man kann das nicht trennen. Neben meinem privaten Blog auf www.kracke.org betreibe ich noch Seiten zum Podcast „der Genealoge“ und zum Kids-Projekt „die Familienforscher“. Was ich darüber hinaus noch so zum Thema Genealogie angestellt habe, kann man sehr gut auf dieser Seite nachlesen: http://v2.dergenealoge.de/die-stimme/

PT:
Beim neuerlichen Besuch Deiner Blog-Seite fand ich den informativen Foliensatz „Bloggen!“ aus dem Jahr 2015. Eigentlich erklärt dieser Folien-Vortrag „DGT2015 – Vortrag: Bloggen #67DGT15“, warum es sinnvoll ist, die private Familienforschung mit einem eigenen Blog zu begleiten und er scheint mir immer noch aktuell. – Zum Beispiel hast du schon damals auf die Feedly-App hingewiesen, mit der ich heute meine verschiedenen RSS-Feeds organisiere. Was hat sich seitdem geändert? Hast Du heute noch dieselbe Sicht?

Timo:
Definitiv vertrete ich noch genau dieselbe Meinung wie 2015 und halte einen Blog für eine sehr sinnvolle Ergänzung zur Darstellung eigener Familienforschung. Dass es eine gute Methodik ist, begleitend zur Forschung selbst die Forschungsergebnisse schriftlich zu dokumentieren, ist hinlänglich bekannt. Der Blog bietet darüber hinaus die Möglichkeit, das Erarbeitete nicht nur für sich selbst zu haben, sondern eben auch mit einem Kreis Interessierter oder der gesamten Internet-Gemeinschaft zu teilen. Für diejenigen, die sich jetzt fragen, warum sollte meine Forschung jemanden interessieren?, möchte ich von meinem Blogbeitrag über den Bruder meines Großvater erzählen. – Fritz Kracke ist im 2. Weltkrieg in Frankfreich gefallen. Ich hatte mich damals über den Volksbund auf die Suche nach seinem Grab gemacht. Nach einiger Zeit hatte man das Grab gefunden und ich habe einen Blumenstrauss auf die Grabstelle legen lassen. Zu dem Thema hatte ich einen Blogbeitrag geschrieben: wie die Suche ablief, was ich über Fritz Kracke wusste und dass ich gerne mehr über das Geschehen wüsste, das zu seinem Tod führte. Nur wenige Zeit später meldete sich ein Familienforscher, dessen Großvater in derselben Schlacht gefallen war wie der Bruder meines Großvaters. Er hatte bereits sehr viel mehr über die Schlacht herausgefunden und hat gerne weitere Details dazu mit mir geteilt. Das eigentliche Highlight dieses Austausches wurde aber klar, als wir feststellten, dass Hans Meyer und Fritz Kracke zusammen auf einer Grabstelle beerdigt wurden. (Nachlesen: Blogbeitrag 1 / Beitrag 2)
Auch wenn diese intensive Verbindung selten ist, macht es immer Sinn, seine Informationen mit anderen Forschern zu teilen und zu sehen, wohin wir gemeinsam bei der Forschung kommen. In diesem Sinne ist nicht nur das Veröffentlichen von Blog-Beiträgen sinnvoll, sondern natürlich auch das Lesen. Wenn Forscher über ihre Arbeit berichten, können andere Forscher/Leser des Blogs wiederum wertvolle Anregungen bekommen, welche Quellen vorhanden oder welches Vorgehen zielführend ist.

Ich selber organisiere Blogs auch heute noch mit Feedly. Feedly ist ein kostenloser Dienst, mit dem man Blogs abonnieren kann. Dieses Abonnieren ist aber keineswegs kostenpflichtig, wie man direkt vermuten würde, sondern sorgt lediglich dafür, dass alle abonnierten Blogs/Webseiten in einer Zusammenfassung angezeigt werden. Durch regelmäßigen Aufruf der Feedly-App oder Website kann der Nutzer somit sehen, wer neue Beiträge veröffentlich hat und muss sich nicht durch alle Seiten „wühlen“ und überlegen, was schon gelesen wurde oder nicht. Mit Feedly kann man also Blogs zu verschiedenen Themen abonnieren und sich themenbezogen seine eigene Nachrichten-Übersicht zusammen stellen.

PT:
Du betreibst unter dem Namen „der Genealoge“ ein weiteres Blog. Warum zwei Blogs nebeneinander?

Timo:
Der Podcast „Der Genealoge“ ist im April 2012 entstanden. Ich habe zu dem Zeitpunkt bereits einige englischsprachige Podcast zum Thema Genealogie wie „Genealogy Gems“ von Lisa Louise Cooke oder „Genealogy Guys“ von Drew Smith und George G. Morgan gehört und war von dem Medium fasziniert. Nachdem ich bereits in meinem privaten Blog aufgerufen hatte, einen Genealogie-Podcast auf deutsch zu machen, habe ich mich dann entschieden, das Projekt selber umzusetzen. Der Blog dazu war in erster Linie das Medium, um Zusatzinhalte, Links, Bilder usw. an die Hörer zu bringen. Später habe ich im Blog selbst dann auch Neuigkeiten, Pressemitteilungen und andere Inhalte veröffentlicht. Da der Podcast mit meiner privaten Forschung keine Verbindung hat, wollte ich beide Themen auf separaten Blogs laufen lassen. Stand heute gibt es somit den Podcast – Blog „der Genealoge“, die Genealogie Kracke & Schneider (meine private Familienforschung) und „die Familienforscher“, ein Projekt zum Thema, wie man Kinder & Jugendliche für die Familienforschung begeistern kann.

PT:
Zum Schluss noch zwei Fragen: Bist Du, was das genealogische Bloggen betrifft, mit der Entwicklung in Deutschland zufrieden? Und hast Du einen Rat für Kollegen, die mit dem Bloggen beginnen wollen?

Timo: 
Das sind spannende Fragen. Ich glaube, wir haben uns in Deutschland schon entwickelt, was das Thema Blog oder im allgemeinen die Nutzung von neuen Medien/Systemen betrifft. Ob wir uns aber schnell genug oder ausreichend entwickeln, dass glaube ich leider nicht. Es gibt heute mehr als 80 Blogs zum Thema Familienforschung, die mir bekannt und alle von mir abonniert sind. Über die Jahre sind immer wieder einige hinzu gekommen, andere wieder verschwunden. Heute muss ein Blog auch nicht zwingend mehr eine eigene Website sein, sie kann auch eine Neuigkeiten-Sammlung bei Twitter, oder eine Zusammenstellung von Bildern bei Instagram sein. Es gibt sehr attraktive Blogs, wie z. B. „Welt der Vorfahren“ von Anja Klein oder auch themenbezogene Blogs wie „Genetic Genealogy Girl“ von Eleonora Haas zu DNA Genealogy, die einfach Spaß machen zu lesen.
Für alle, die sich einmal mit dem Thema befassen wollen, kann ich nur sagen: habt keine Scheu, es ist keine Doktorarbeit, es erfordert keine Regeln oder Struktur, in die man sich einfügen muss. Jeder kann das Medium Blog, Twitter, Instagram wählen und bespielen, wie er es möchte. Es gibt auch keine Anforderung, dass regelmäßig Beiträge geschrieben werden müssen. Vielen Bloggern geht es so, dass andere Lebensbereiche wichtiger sind und der Blog ruht, wie man an kracke.org ja leider sieht, wo der letzte Beitrag 2017 veröffentlich wurde. Einfach einmal probieren – ein Blog macht Spaß und bereichert die eigene Forschung.

PT:
Danke, Timo, für Deine anregenden Erfahrungen. Ich denke, Deine aus der Praxis kommenden Gedanken könnten manche Familienforscherin und manchen Familienforscher reizen, es einmal selbst mit dem Bloggen zu versuchen. Es wäre doch schön, wenn wir auf diese Weise demnächst ähnliche Episoden wie die von Deinem Großonkel Fritz lesen könnten.


Anmerkung der Redaktion: In dieser Serie stellen wir in unregelmäßigen Abständen ein Blog vor, das genealogischen, historischen oder archivischen Themen gewidmet ist. Haben Sie einen Vorschlag? Dann schreiben Sie uns an news@genealogy.net.