FuD – virtuelle Forschungsumgebung die vor allem in den Geistes- und Sozialwissenschaften zum Einsatz kommt

Bürgerwissenschaften leben vom Sammeln und Zusammentragen zahlreicher Quellen und Informationen: Niemand hat dies so gut unter Beweis gestellt, wie der Verein für Computergenealogie mit seinen großen Datenbeständen. Allerdings ist es gar nicht immer so einfach, auch für komplexere Textsammlungen geeignete Strukturen für die nachhaltige Erfassung und Bearbeitung von Texten zu finden. Dies gilt um so mehr, wenn verschieden Personen im Team gemeinsam arbeiten wollen. Überdies sind die Ansprüche umfangreich – nach Möglichkeit wird ein System gesucht, welches von der Sammlung bis zur Publikation von Ergebnissen möglichst alle Phasen des Forschungsprozesses umfasst.

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Dieses Ziel hat sich die virtuelle Forschungsumgebung FuD gesetzt, die vor allem in den Geistes- und Sozialwissenschaften zum Einsatz kommt. FuD ist eine Entwicklung des Servicezentrums eScience der Universität Trier und wird von einem Entwicklerteam fortlaufend angepasst. Die modulare Software unterstützt die zeit- und ortsunabhängige kollaborative Forschungsarbeit durch eine Client-Server-Lösung. Vor Ort arbeitet der Nutzer zwar mit einer lokal installierten Software, die Daten werden jedoch serverseitig abgelegt. Die großen Stärken von FuD liegen in ihrer vielseitigen Anwendbarkeit und Abbildung auch komplexer Datenstrukturen. So stehen für verschieden Datentypen (Personen, Texte, Archivalien, Bilder, Orte etc.) Datenmodelle bereit, um strukturiert Informationen nachvollziehbar zu erfassen und auch mit den Metadaten dieser Dokumente zu versehen.

FuD leistet darüber hinaus jedoch auch eine hervorragende Unterstützung zur Erschließung und Analyse von Quellen. Für diesen Zweck stehen zahlreiche Werkzeuge zur Annotation, Verschlagwortung, Anlage von Konkordanzen und Analyse von Texten bereit. Insgesamt ist die Software modular angelegt. Über verschiedene Bausteine können die Funktionen zur Analyse durch zusätzliche Tools ergänzt werden (etwa über ein Tool zur automatisierten Handschriftenerkennung und Transkription oder zur räumlichen Analyse). Gleichzeitig unterstützt FuD bei der digitalen und analogen Textproduktion. So kann über den Publikationsmanager in FuD zugleich die onlinebasierte Veröffentlichung von Forschungssammlungen und –ergebnissen erfolgen. Darüber hinaus stehen auch Datenformate für die Archivierung bereit. Am Historischen Datenzentrum Sachsen-Anhalt wurde mittlerweile eine FuD-Instanz (HDZ-MLUHW) installiert, die auch von Bürgerwissenschaftlern genutzt werden kann.

Eine Einführung in die Software und einen Überblick über verschiedene Tools und Werkzeuge geben zwei Workshops von Marina Lemaire (Universität Trier) am 4. April 2020 im Computerpool SR 15 in Halle (Saale) (Emil-Abderhalden-Str. 25, 06108 Halle). Für die Workshops zwischen 10.00-13.00 und 14.00-17.00 Uhr können sich Ortschronist(inn)en aus Sachsen-Anhalt und TeilnehmerInnen der Tagung „Das zugängliche Archiv“ anmelden. Die Schulung wird in die Tagung integriert, um Gelegenheit zur Vernetzung von Ortschronist(inn)en, Archivar(inn)en und Familiengeschichtsforscher(inne)n zu bieten. Die Veranstaltung wird organisiert vom Historischen Datenzentrum Sachsen-Anhalt am Institut für Geschichte der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg gemeinsam mit dem Landesheimatbund Sachsen-Anhalt e.V. Die Veranstaltung ist zugleich Bestandteil der Ortschronisten-Ausbildung (http://lhbsa.de/wp-content/uploads/2019/10/Flyer-Heimatforscher-1.pdf).