Der 8. Mai: Gedenken an 75 Jahre Kriegsende

„Die Kriegsvergangenheit zeigt auch heute noch in vielen Familien Spuren, bis in die zweite und dritte Generation hinein“. Viele Familienforscherinnen und -forscher wissen das; denn sie beschäftigen sich mehr als andere Menschen mit der Geschichte ihrer Eltern, Großeltern und anderer Familienangehöriger, die im 20. Jahrhundert lebten und starben.

Heute – am 8. Mai 2020 – wird vielerorts des Endes des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren gedacht. Der 8. Mai 1945 stand am Ende eines Krieges, der mit dem deutschen Angriff auf Polen 1939 begonnen hatte. Über 60 Millionen Menschen – Soldaten und Zivilisten – kamen gewaltsam zu Tode. Der Krieg und seine Folgen haben in vielen Familien tiefe Spuren hinterlassen. Dies führte Sabine Bode in ihrem viel beachteten Buch „Die vergessene Generation. Die Kriegskinder brechen ihr Schweigen“ nachdrücklich vor Augen, aus dem das Eingangszitat stammt.

Noch leben Menschen, für die das Ende des Krieges Befreiung und Rettung vor Hungertod und Ermordung in nationalsozialistischen Konzentrationslagern bedeutete. Noch leben Menschen, die diesen Tag und die Kriegs- und Nachkriegszeit als Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene erlebt und – angesichts von Chaos und Hunger – auch erlitten haben.

Den 8. Mai allein als Tag der Befreiung zu feiern, so Martin Sabrow, Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam „überschreibt Ambivalenz durch Eindeutigkeit. Dies aber wird der dramatischen Differenz zwischen zeitgenössischer Erfahrung und nachzeitiger Betrachtung nicht gerecht, und es trägt der widersprüchlichen Vielschichtigkeit eines Datums keine Rechnung, das von den Mitlebenden als auswegloser Untergang ebenso erlebt werden konnte wie als ersehnte Rettung“. In seinem Beitrag „Der 8. Mai – ein deutscher Feiertag?“ plädiert er dafür, diesen Tag unter der Bezeichnung „Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus und der Beendigung des Zweiten Welt­krieges“ zum bundesweiten gesetzlichen Feiertag zu erheben und damit zum Ausdruck zu bringen, „dass der 8. Mai 1945 ein die Zeiten überdauernder Tag der befreienden Niederlage und des rettenden Zusammen­bruchs war“.

Uns Heutigen kann der 8. Mai Anlass sein, darüber nachzudenken, wie froh wir sein können, in Frieden zu leben. Und was wir – jede und jeder von uns – zu einem „Nie wieder“ beitragen können.