Datenbanken zum Handel auf der Donau in Österreich

Im Projekt „Der Donauhandel“ werden an der Universität Wien unter der Leitung von Peter Rauscher und Andrea Serles Massenquellen aus den Marktstädten an der Donau in Österreich aus dem 17. und 18. Jahrhundert erschlossen und im Internet als Online-Datenbank für weitere wissenschaftliche Forschungen angeboten. Für die Familien- und Ahnenforschung liefern sie interessante Daten, z.B. über die Händlerfamilien oder die Passagiere, die als Auswanderer nach Ungarn zogen.

So wurden 194 Bände der Aschacher Mautprotokolle aus der Zeit von 1627 – 1775 ausgewertet und Namen, Datum, Herkunft der Schiffs- und Floßführer, der Passagiere sowie der Besitzer und Empfänger der Waren erfasst. Diese Datenbank ist zwar online durchsuchbar, aber noch nicht systematisch durch Register erfasst. Die Scans der Originalquelle sind ebenfalls zu sehen.

Krems, eine von den wichtigen Marktstädten an der Donau
Krems 1679. Matthäus Merian: „Topographia Provinciarum Austriacarum“ (Quelle: Wikipedia)

Ebenso interessant sind die 28 Jahrgänge der „Kremser Waag- und Niederlagsbüchern“. Diese wichtige Quelle aus der Handelsstadt zwischen Linz und Wien wurde ebenfalls vollständig ausgewertet. Neben der Datenbank werden die Scans der Quelle, ein nützliches Glossar für Maße und Verpackungen (was ist ein „Metzen“ oder ein „Kober“?) und ein Personen- und Ortsverzeichnis angeboten. Diese Register erleichtern die Nutzung der Online-Datenbank.

Personen-Daten für die Familien- und Ahnenforschung

Was enthält die Datenbank? Datum, Namen der am Handel beteiligten Personen, Herkunftsorte, Regionen, Produkte und Verpackungen. Bei den Waagbüchern das Gewicht und die Höhe der Gebühren, bei den Niederlagsbüchern die Höhe des Niederlagsgeldes. Zwei Beispiele: Hannß Pflueg von Hall, an Johann Baptista Mattoni von Wienn, 1 lagl lorber. Sporco 197 Pfund. 4 Kreuzer [Waaggeld], oder: Eraßmus und Gotfriedt Volgnadt in Breßlau, herein 44 väßl glett, 1 ½ zentner stokhfisch. 5 Gulden 58 Kreuzer [Niederlagsgeld].

Seit dem 13. Jahrhundert mussten die Kaufleute aus Schwaben und den Donaustädten ihre Waren wiegen lassen und „niederlegen“, also zum Verkauf anbieten. Der Warentransport auf der Donau zwischen Ulm und Wien ist und war wichtig für die Produzenten, Händler und Käufer der Produkte. Für die Städte am Fluss war es eine bedeutsame Einnahmequelle durch Zölle, Maut und Stapelrechtsgebühren (Niederlagsrecht). In Wien übernahmen die dortigen Händler dann die Waren und übten ihr Monopol zum Ungarn-Handel aus.

Die Autoren haben eine sehr umfangreiche Bibliographie zum Donauhandel angefügt. Auch die Liste ihrer Publikationen und Vorträge ist beachtlich und behandelt u.a. auch Spezialthemen wie Juden auf der Donau oder den Fernhandel mit Italien oder dem Osmanischen Reich. Die Linkliste nennt u.a. neben vielen Archiven auch „Familia Austria“ und „Matricula“ als genealogische Quellen.