Neue CompGen-Vereinsspitze: Elf Fragen an Uwe Gesper

Da waren wir doch neugierig und dachten, dass es auch die Leserschaft des CompGen-Blog interessiert: Wer sind die beiden neuen Männer an der Spitze des Vereins für Computergenealogie e.V. (CompGen)? Und so haben wir – ebenso wie dem frisch gewählten Vorstandsvorsitzenden Professor Dr. Georg Fertig – auch dem neuen 2. Vorsitzenden Uwe Gesper (fast) die gleichen „Elf Fragen an …“ zukommen lassen. Gesper (Jahrgang 1955) war auf Vorschlag des alten Vorstandes bei der Jahreshauptversammlung am 6. November 2021 erstmals in das Führungsgremium des Vereins gewählt worden.

Uwe Gesper
Uwe Gesper ist 2. Vorsitzender des Vereins für Computergenealogie e.V. (Foto: privat)

Dabei ist er kein Unbekannter. Im CompGen-Verein kennen wir den Wirtschaftsjuristen vor allem von der Vorbereitung der ersten per Video-Stream übertragenen Mitgliederversammlung im Herbst 2020. Nach der Corona-bedingten Verschiebung der ursprünglich für April 2020 geplanten Versammlung und andauernder Ansteckungsgefahr galt es, eine rechtssichere Form für aktuelle und zukünftige Vereinstreffen zu finden. Damals hatte er mit der „Arbeitsgruppe DIGITAL21″ die testweise Online-Übertragung organisiert und sich auch um die erforderlichen Satzungsänderungen gekümmert. Deren Verabschiedung in 2020 – und einer Anpassung nun in 2021 – haben ermöglicht, dass nicht nur aufgrund von Corona-Sonderregelungen in diesem Jahr, sondern auch in Zukunft, die virtuell teilnehmenden Mitglieder vollwertig mit abstimmen können.

Fragen und Antworten in zwei Teilen

Unsere Fragen nach seiner Biographie, der eigenen Familienforschung und den Plänen für die Vorstandsarbeit in den kommenden Jahren hat Uwe Gesper „en bloc“ beantwortet. Deshalb stehen nachfolgend zuerst – als Orientierung – unsere elf Fragen an die neue CompGen-Vereinsspitze, darunter dann seine Rückmeldung, die wir nicht auseinanderziehen wollen.


Die elf Fragen an die neue Vereinsspitze waren:

1. Welches sind in Deiner persönlichen Biographie die drei glücklichsten Momente oder die drei bedeutendsten Ereignisse gewesen?
2. (mit Augenzwinkern:) Zu welchem Thema aus Deinem Privatleben möchtest Du nicht befragt werden?
3. Was siehst Du als Deine (größten) Stärken für die neue Aufgabe im CompGen-Vorstand?
4. Wie viele Stunden pro Woche verbringst Du selbst (durchschnittlich) mit eigener Familienforschung?
5. Auch wenn Quantität nicht alles ist in der genealogischen Forschung, sage uns doch, wie viele Familienmitglieder bzw. Vorfahren hast Du bisher bei Deiner Familienforschung erfasst?
6. Was konntest Du bisher über Deine Vorfahren und deren Herkunft herausfinden?
7. Welche Person in Deiner Familie findest Du besonders beeindrucken?
8. Nenne bitte drei bis fünf Stichworte für die Gründe, die Dich zur Kandidatur für den stellvertretenden Vorsitz im Verein für Computergenealogie bewegt haben?
9. Welches wird die schwierigste und welches die schönste Aufgabe in der neuen Funktion an der Spitze von CompGen sein?
10. Welche drei „Missionen“ willst Du bis zum Ende dieser zweijährigen Amtszeit im CompGen-Vorstand als „erledigt“ abhaken?
11. Was sollten die Vereinsmitglieder bzw. die Blog-Leserschaft noch über Dich wissen?


Die Beantwortung von Uwe Gesper:

(…) spannende Fragen 😊. Lassen Sie mich daher angelehnt an Ihre Fragen das eine oder andere beschreiben (…)

Kandidatenvorstellung am 6. 11.2021 in Bremen:Uwe Gesper
Uwe Gesper (re.) bei der Kandidatenvorstellung am 6. 11.2021 in Bremen (screenshot aus der Online-Übertragung)

Zum Biographischen:

Ich bin Rheinländer, Arbeiterkind aus dem tiefsten Neumühl (Duisburger Pott), und mir sind Eisblumen und der morgendliche Kampf, wer als erster aufsteht um den Ofen anzustochern, ebenso geläufig wie das samstäglich Baden in der Zinkbadewanne (in der Küche, weil in den 50ern in den übrigen Zimmern eines Arbeiterviertels nicht geheizt wurde). Das alles hat mir nicht geschadet, hat mich durch Volksschule, Gymnasium und Studium kommen lassen und immerhin zu Wirtschaftsjuristen gereicht. Nach 30 Jahren mit 260 Stunden Monatsleistung und einer eigenen 50 Mitarbeiter zählen Wirtschaftskanzlei (https://ghp-mannheim.de/), habe ich mich zurückgezogen und beschränke mich nun auf Beirats- und Aufsichtsratsmandate (viel weniger als Herr Reitzel von ehemals Linde, jetzt Conti, aber sonst könnte ich ja auch nicht den 2. Vorsitzenden machen), ein bisschen Schmalspur Publizistik (https://ghp-mannheim.de/denkste-oder-auch-nicht/).

Zum Inhaltlichen:

Meine Philosophie können Sie einem kleinen Buchprojekt entnehmen, das ich nach einer Erkrankung in meiner Rekonvaleszenz geschrieben habe („Was in der Krise zählt“ – (https://www.buecher.de/shop/buecher/was-in-der-krise-zaehlt/gesper-uwe/products_products/detail/prod_id/42091957/). Das beinhaltet auch gleichzeitig eine Aussage über meine Fähigkeiten, die ich bereit bin, für CompGen einzusetzen. Das Identifizieren von Problemen, das Finden von Lösungen und – 😊 – das Delegieren (Neudeutsch: das Einbinden anderer zur Findung und Lösung von Problemen oder Teamarbeit).

Was meine glücklichen Momente betrifft: Viele, jeden Tag, weil ich bemüht bin, dem Tag mehr Leben und nicht dem Leben mehr Tage zu geben und im Übrigen das Leben genieße, ohne die Entbehrungen (von denen ich einige habe/hatte) zu vergessen. Letzter Spruch ist meiner, den ersten haben auch schon andere erkannt.

Ich denke – und so habe ich mich auch vor meiner Bewerbung dem übrigen Vorstand bzw. den Beisitzern vorgestellt – dass ich mich zusammen mit Georg Fertig und den Beisitzern (aber auch mit verschiedenen Mitgliedern) um die Ausrichtung des Vereins, die Reorganisation – soweit sie notwendig ist – und Strukturierung und Ablaufsteuerung kümmern werde.

Wenn Sie mich nach wichtigen Personen in meiner Familie fragen, würde ich Ihnen als Frage zurückgeben: Welchen Familienbegriff meinen Sie? Die aktuelle Kleinfamilie, die Großfamilie, wie sie sich seit dem Biedermeier entwickelt hat, die germanische Familie im Gedinge? Scherz beiseite: Ich denke, ich sehe das Ziel Ihrer Frage, und die kann ich tatsächlich beantworten: Eine meiner Großmütter und deren älteste Tochter. Meine Großmutter, weil sie als 10jährige noch vor dem WK I von Westpreußen ins Rheinland kam, nur polnisch sprach und trotz all der Unbilligkeiten Ihren Lebensoptimismus nie verloren hat, sogar andere darin immer wieder bestärkt hat (eben auch mich), obwohl es ihr sehr lange nicht sehr gut ging. Und meine Tante, die mich auf die Welt brachte, und zeitlebens – und immer noch mit nunmehr 95 – ein Ruhepol in meinem Leben ist. Das leitet vielleicht auch über zu Ihrer Frage nach dem Umfang meiner genealogischen Tätigkeit. Wenn ich nicht gerade delegiere (das mache ich auch in diesem Bereich, weil es Menschen gibt, die das viel besser können als ich), dann sammele ich Geschichten und schreiben dazu auch gelegentlich im öffentlichen Bereich (http://neumuehlblog.gesper.nl/lehrerstrasse-1936-ein-tag-im-leben-der-grete-maria/); dort gibt es auch noch den einen oder anderen Artikel.

Selbst habe ich unseren Stammbaum über Urkunden und Querverweise bis ca. 1600 (sicher) verfolgt und parallel dazu eine onomastische Studie über die Namensvorkommen, die eine mögliche Verbindung von Kölner & Leipziger Namensvorkommen belegen könnten. Vielleicht ist meine Vermutung eines Zuzuges der Namensträger aus dem Flandrisch/Brabantischen nach Iglau (älteste Namensvorkommen 1386 – ohne Verbindungsnachweis) und/oder ins Flemming und nach Sachsen/Sachsen-Anhalt belegbar. Irgendwann. Aber aktuell bleibe ich mal beim sicheren Sauerland.

Wenn ich sehr aktiv bin, ist mein Deputat mal schnell bei 10–20 Stunden wöchentlich, aber auch mit Zeiten relativer Ruhe. Und nun wohl mit ziemlich viel Ruhe im eigenen Bereich, denn CompGen scheint ja schon jetzt einiges an Zeit in Anspruch zu nehmen (und da meine ich nicht Ihre Anfrage, die finden ich gut und notwendig).

Die Frage nach der Motivation? Die Überredungskunst von Helga [Scabell (red.)]+ Georg [Fertig (red.)], die überzeugend kommunizierte private Belastung von Helga – weshalb ich nicht nur einen Platz als Beisitzer, sondern den 2. Vorsitzenden akzeptierte – und natürlich die fehlenden Mitbewerber. Vielleicht auch mein Eindruck, dass wir uns in unserer Vielfalt nicht mehr gut sichtbar strukturieren. Also ein Organisationthema, das in meine Sparte fällt. Eines hatte ich ja bereits aufgenommen und DIGITAL21 etabliert, Grundlage unserer erfolgreichen Zusammenarbeit für die im Oktober 2020 und nun, am 6. November 2021, abgehaltenen Hybridveranstaltung. Mal sehen, was noch kommt.

Reicht das?