Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb

DES-Projekt Hochschulschriften: Bereits zwei weitere Jahrgänge in der Erfassung

Seit dem 6. Dezember läuft das DES-Projekt Hochschulschriften das vom Verein für Computergenealogie (CompGen) in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb (MPI) in München gestartet wurde. Hier im Blog berichteten wir am 10. Dezember 2021 über den Start und am 23. Dezember über die Fertigstellung des ersten Pilot-Jahrgangs 1917. In diesem dritten Teil der Serie berichtet MPI-Betreuer Michael Rose über die erfreulichen Fortschritte und lädt ein zum Mitmachen bei der weiteren Erfassung im DES-Projekt Hochschulschriften mit zwei weiteren Jahrgängen.

Pünktlich zum Jahresende wurde der nunmehr 135 Jahre alte I. Jahrgang für Dissertationen und Hochschulschriften von August 1885 bis August 1886 fertig gestellt. Es wurden 1.505 Einträge überprüft und ggf. ergänzt. Zahlreiche bekannte Wissenschaftler haben wir im ersten Jahrgang gefunden, worüber diese Liste informiert. Die Personendaten werden nun für die Familien- und Ahnenforschung nutzbar.

Besondere Formen der Hochschulschriften

Drei Besonderheiten stechen hervor: Erstens die „Lizentiat-Dissertationen“ bei den Theologen, zweitens „Thesen“ zusätzlich zu Dissertationen, und drittens die hohe Zahl lateinischer Dissertationen (nicht nur bei den Theologen). „Lizentiat-Dissertationen“ sind heute nur noch einem Fachpublikum bekannt, obwohl selbst Johann Wolfgang von Goethe ein Lizentiat war. Im Mittelalter waren sich die beiden Grade, Lizentiat und Doktor, ebenbürtig, mit dem einen Unterschied, dass der Doktor nach seiner Verteidigung den sehr teuren Doktorschmaus finanzieren musste. Später wurde aus dem Lizentiat vielerorts ein Abschluss, der zur Doktor-Promotion erforderlich war. So ist es noch heute in frankophonen Ländern, wo das „Licence“ häufig der erste Hochschulabschluss ist. In Deutschland bieten heute nur noch wenige theologische Fakultäten das Lizentiat an. Ein ähnliches Schicksal muss die „Thesen“ ereilt haben, die im abgeschlossenen Jahrgang einige wenige Dissertationen philosophischer Fakultäten ergänzt haben.

Dass Latein als Gelehrten- und Wissenschaftssprache im Laufe des 19. Jahrhundert abgelöst wurde, ist kein Geheimnis. Diese Entwicklung erhielt großen Antrieb durch die Entscheidung Preußens, ab 1867 auch deutsche Dissertationen in der Medizin zuzulassen. Ab 1879 durften dies auch bestimmte Fachbereiche der philosophischen Fakultäten preußischer Universitäten. Andere deutsche Staaten zogen später nach. Unsere Daten werden Historikern helfen, die Entwicklung, ab wann welche Fakultät deutschsprachige Dissertationen erlaubt hat, nachzuzeichnen.

Hochschulschriften aus den akademischen Jahren 1886/87 und 1887/88

Kollegium Hosianum in Braunsberg/Ostpreußen
(Bild gemeinfrei)

Ab dieser Woche sind die beiden Hochschulschriften-Jahrgänge II. (für 1886/87) und III. (für 1887/88) zur Erfassung online gestellt. Die beiden neuen Jahrgänge ähneln dem ersten. Wie auch zuvor liegt der Fokus auf Korrekturlesen und gelegentlichem Ergänzen. Erfasser können sich wieder bestimmte Universitäten aussuchen. Neu ist aus Gründen der Vollständigkeit lediglich die Akademie „Lyceum Hosianum“ im ostpreußischen Braunsberg, obwohl dort niemand promoviert wurde. Wir können folgende Nobelpreisträger erwarten: Philipp von Lenard (Physik 1905), Wilhelm Wien (Physik 1911) sowie Walter Nernst (Medizin 1920).

Weitere Mitwirkende bei der Datenüberprüfung und -eingabe sind herzlich willkommen!
Informationen zum DES-Projekt „Hochschulschriften“ findet man hier im GenWiki.

Michael E. Rose, PhD
Post-Doctoral Researcher
Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb (München)