Emil sucht Emil – Auf den Spuren des verschollenen Urgroßonkels
In einer Filmdokumentation des Saarländischen Rundfunks geht der SR-Reporter Emil Mura auf die Suche nach den Spuren des verschollenen Urgroßonkels Emil Wolf aus Wemmetsweiler im Saarland. Über den Tod des 32jährigen Soldaten im Zweiten Weltkrieg hatte die Familie nur wenige Informationen. Diese ungeklärte Familiengeschichte war Anlass für eine Suche in alten Briefen, Fotos, Erinnerungen und zu Reisen nach Berlin, Freiburg und schließlich nach Kroatien.

Was ist dem Urgroßonkel zugestoßen?
Emil Wolf starb im März 1944 als Soldat im Zweiten Weltkrieg. Über seinen Tod erfuhr die Familie kaum Einzelheiten. Weder der Ort noch die genauen Umstände seines Todes waren bekannt. Seine Mutter und seine Schwester trauerten bis an ihr Lebensende um ihn.
Muras Spurensuche begann im saarländischen Wemmetsweiler. Dort sind viele Bilder und Briefe, ein Notizbuch und eine Kartentasche als Erinnerungobjekte erhalten geblieben und zeugen vom Leben des Gefreiten und späteren Unteroffizier Emil Wolf. Ein Bild und Briefe belegen die große Liebe des Vermissten zu einer Joanna in Antwerpen.

Doch der Reporter will mehr herausfinden. Seine weitere Recherche wird mit Kamera(-Team) dokumentiert. Erste Station ist das Bundesarchiv in Berlin. Es bewahrt die zentralen Personenkarten, die Auskunft geben über das Schicksal jedes Soldaten. So ist auch für Emil Wolf der Aufenthalt in Ungarn, Rumänien und der Ukraine und die Verwundungen dokumentiert.
Anschließend reist er ins Militärarchiv in Freiburg. Dort werden weitere Dokumenten wie Kriegstagebücher, Divisionschroniken und militärische Lage-Karten aufbewahrt und auch hier findet Mura Spuren: Der Großonkel war in der 118. Jägerdivision, über die von einem ehemaligen Angehörigen nach dem Krieg eine Chronik geschrieben wurde, die ebenfalls hilft, das Schicksal aufzuklären:
Emil Wolf war mit anderen Einheiten am Russland-Feldzug beteiligt. Später war er in Griechenland und im Balkan, wo er zur Sicherung der Mittelmeerküste und gegen die hart kämpfenden Partisanen eingesetzt war. Der letzte Brief von Emil an seine Familie in Wemmetsweiler war vom 23. Februar 1944. Einen Monat später schrieb der Chef des Schwadrons eine Vermisstenmeldung an die Mutter.
Aus den Berichten geht hervor, dass Emil Wolf bei einem Gefecht am Fuß verletzt wurde und den Rückzug seines Trupps nicht mitmachen konnte. In einem Erdversteck harrte ein Kamerad bei ihm aus, musste ihn aber dann allein zurücklassen. Ein Rettungsversuch blieb erfolglos, da er vermutlich entdeckt und gefangengenommen worden war. In Gefangenschaft hat ein anderer Gefangener, der dann durch einen Austausch frei kam, den Kameraden Wolf tot liegen sehen.
In Kroatien treffen der Reporter und seine Brüder, die ihn nun bei der Spurensuche begleiten, den Präsidenten der Kroatisch-Deutschen Gesellschaft Nicola Horvat aus Split. Der führte die Besucher zum Deutschen Soldatenfriedhof, den der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge eingerichtet hatte. Dort, auf den Tafeln zur Erinnerung an die gräberlosen Toten, ist auch Emil Wolf verewigt.
Der Autor Emil Mura der 30-minütigen Filmdokumentation ist Reporter der Redaktion Landespolitik des Saarländischen Rundfunks. Er hat mit dieser Dokumentation zu seinem Urgroßonkel beispielhaft gezeigt, welche Quellen und Archive bei der Aufklärung von Soldatenschicksalen und für die Familien- und Ahnenforschung geeignet sind – geeignet auch um die Erinnerungen über Generationen weiter zu bewahren.

