Kannte der Naturforscher Charles Darwin den Mönch Gregor Mendel?
Als Gregor Mendel 1865 in Brünn über seine „Versuche über Pflanzen-Hybriden“ berichtete, war der 13 Jahre ältere Charles Darwin bereits ein berühmter Naturforscher. Heute wird an Darwins Geburtstag am 12. Februar 1809 erinnert. Die fünfjährige Weltreise des jungen Darwin von 1831 bis 1836 auf dem Expeditionsschiff Beagle schufen die Grundlage für seine Theorien über die Entwicklung aller Organismen und die Entstehung der Arten.
Darwins Evolutionstheorie
1859 erschien Darwins Werk „On the Origin of Species by Means of Natural Selection“. Darin gibt er eine Erklärung für die Entstehung der Arten und liefert die Grundlagen der Evolutionsbiologie. 1871 erschien das zweibändige Werk Darwins über die „Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl“. Darin beschreibt er die neben der natürlichen und künstlichen Selektion (Züchtung) die sexuelle Selektion als Erklärung für die Evolution der Arten.
Einseitiger Austausch der Forscher
Gregor Mendel hat die Übersetzungen von Darwins Arbeiten im Jahre 1863 gelesen und auch kommentiert. Es gibt Anmerkungen in seinen Exemplaren von Darwins Büchern. Er widersprach dessen Ansicht, dass veränderte Lebensbedingungen die alleinige Ursache neuer erblicher Variationen sein könnten.
Es wurde heftig darüber diskutiert, ob Darwin die Arbeiten von Mendel kannte. Sie wurde in einer sehr kleinen Auflage von 40 Exemplaren publiziert, nur wenige sind heute noch bekannt. Die Behauptung, dass sich ein unbeschnittenes Exemplar in Darwins Bibliothek befand, dürfte falsch sein. Allerdings fand sich ein Buch von Wilhelm Olbers Focke „Die Pflanzen-Mischlinge: Ein Beitrag zur Biologie der Gewächse“ von 1881 in Darwins Bibliothek. Die darin enthaltene Zusammenfassung der Experimente Mendels war aber ungelesen, da die Seiten nicht aufgeschnitten wurden. Darwin muss dieses Buch kurz vor seinem Tod (19. April 1882) erworben haben.
Mendel hat sich auch gegen die von Darwin aufgestellte Behauptung gewandt, dass eine große Zahl von Pollen („Gemmullae“) nötig seien, um eine weibliche Pflanze zu befruchten. Mendel konnte in seinen Experimenten an Blüten der Wunderblume (mirabils jalapa) beweisen, dass nur ein einzelnes Pollenkorn ausreicht, die Pflanze zu befruchtenDer Neffe von Gregor Mendel, der Arzt Ferdinand Schindler, schilderte die Ansichten Mendels in Bezug auf die Evolutionstheorie Darwins: „Er hat die Arbeiten Darwins mit größtem Interesse gelesen und bewunderte dessen Genie, obwohl er nicht allen Prinzipien dieses unsterblichen Naturphilosophen zustimmte“ (D.J. Fairbanks). Die Bedeutung beider Personen für die heutige Gen-Forschung ist unbestritten.


