Beiträge zur DNA-Genealogie

DNA als Super-Datenspeicher

1972 gelang es Forschern, die Desoxyribonukleinsäure (DNA) mit  den vier relevanten Bausteinen (Adenin, Thymin, Guanin und Cytosin, abgekürzt: A, T, G und C) künstlich zu synthetisieren. Forscher haben damit die Idee umgesetzt, die DNA als Datenspeicher mit den Basen A, T, G und C als Code ähnlich wie beim maschinenlesbaren Strichcode zu verwenden. Statt des Binärsystems aus den Zahlen Null und Eins wird hier ein Quartärnärsystem benutzt, wobei der Genbaustein A der Zahl 0 (binär 00), T der Zahl 1 (binär 01), C der Zahl 2 (binär 10) und G der Zahl 3 (binär 11) entspricht.

DNA Technologie
Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Gentechnik-Firmen in den USA haben biochemische Verfahren entwickelt, die DNA-Stränge in der gewünschten Reihenfolge nach Auftrag zu synthetisieren. Die künstliche DNA, die durch die Polymerase-Kettenreaktion dupliziert wurde, enthielt die exakt gleichen Informationen. Die Speicherdichte ist enorm: Abschätzungen besagen, dass sich in einem Gramm DNA Milliarden von Gigabytes speichern lassen. In getrockneter Form sind die Moleküle sehr lange haltbar. Großer Nachteil: die Synthese der Kettenmoleküle ist heute zwar mit Labormitteln möglich, ist aber sehr zeitaufwendig und kostenintensiv. Die Automaten zum Auslesen der Informationen sind die gleichen, mit denen auch die menschlichen Gene entziffert werden, aber auch sie benötigen Zeit. Kommerziell verfügbare Sequenzier-Automaten können diese Reihenfolge der DNA-Bausteine wieder auslesen und in Zahlencode übersetzen. Die Startup-Firma CatalogDNA hat einen Automaten zur Synthese der Speicher-DNA entwickelt – noch hat er die Größe von einem Autobus. Auch Microsoft arbeitet zusammen mit der Universität von Washington an ähnlichen Projekten zur Datenspeicherung mit Biomolekülen.

Der neue Premier Großbritanniens, Boris Johnson, hat europäische Vorfahren

Boris Johnson ist über Marie Luise von Pfeffel, die Großmutter mütterlicherseits seines Vaters, mit vielen Familien des europäischen Hochadels verwandt. Marie Luise’s Großmutter väterlicherseits ist eine uneheliche Tochter des Prinzen Paul Friedrich Karl August von Württemberg, der ist seinerseits ein Ururenkel von Georg II aus dem Haus Hannover, 1727-1760 König von Großbritannien. In der populären BBC-Sendung Who Do You Think You Are? erforschte der damalige Londoner Bürgermeister Boris Johnson 2008 seine Herkunft im Augsburger Trauungsbuch zusammen mit der Münchener Ahnenforscherin Sabine Schleichert.

Eine 1975 im Chorraum der Baseler Barfüsserkirche entdeckte gut erhaltene weibliche Mumie wurde 2015 näher untersucht und als Anna Catharina Bischoff (1719-1787) identifiziert. Sie war die Ehefrau eines protestantischen Pfarrers und lebte nach dessen Tod in Basel. Lebende Nachkommen wurden gefunden und durch DNA-Analyse wurde die Identität bestätigt. Auch Boris Johnson gehört zu den Nachfahren: Eine Tochter der Verstorbenen heiratete Christian Hubert Baron Pfeffel von Kriegelstein, den Ur-ur-urgroßvater der oben genannten Marie Luise von Pfeffel.

Der Ugroßvater väterlicherseits war Ali Kemal, ein liberaler osmanische Journalist und Schriftsteller. Er war 1919 der letzte Innenminister des Osmanischen Reiches. Er verurteilte den Völkermord von 1915 an den Armeniern und war als Gegner der türkischen Widerstansbewegung. Auf Veranlassung des Militärkommandeurs Nureddin Pascha wurde er 1922 umgebracht. Ali Kemal heiratete 1903 im englischen Exil die Engländerin Winifred Brun, die er in Ägypten kennengelernt hatte. Der in England geborene Sohn Osman emigrierte in sein Geburtsland und nahm den Familiennamen Johnson an.

Es gibt weitere interessante Vorfahren auf der Seite der mütterlichen Urgroßeltern, die anglo-amerikanische Wurzeln haben. Die jüdische Familie Lowe/Loew stammt aus dem russischen Litauen, Chaim Charles, der Vater von Elias A. Lowe, wanderte 1891 von Moskau in die USA aus.Elias heiratete 1911 Helen Tracy Porter, die Übersetzerin der Werke von Thomas Mann ins Englische. Sie ist die Urgroßmutter mütterlicherseits von Boris Johnson.

Goliaths Vorfahren kamen aus Europa

Eine Analyse alter Genome deutet darauf hin, dass die biblischen Philister von Menschen abstammten, die über das Mittelmeer migrierten

Ein internationales Forschungsteam unter Leitung des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte und der Leon Levy-Expedition hat erstmals das Erbgut von Menschen rekonstruiert und untersucht, die in der Bronze- und Eisenzeit (vor etwa 3.600 bis 2.800 Jahren) in der Hafenstadt Ashkelon lebten, einer der wichtigsten Städte der Philister. Die Analyse ergab, dass um die Zeit der mutmaßlichen Ankunft der Philister auch eine europäische Genkomponente nach Ashkelon gelangte. Das deutet darauf hin, dass die Vorfahren der Philister über das Mittelmeer migrierten und in der frühen Eisenzeit Ashkelon erreichten. Diese genetischen Erkenntnisse sind ein wichtiger Beitrag zu Klärung der seit langem diskutierten Frage nach der Herkunft der biblischen Philister.

Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte

Genealogenstammtisch in Köln und Umgebung am 10.07.2019

Genealogenstammtisch Köln und Umgebung

Wir laden ein zum vereinsunabhängigen „Genealogenstammtisch Köln und Umgebung“, wie immer am 2. Mittwoch des Monats, also am 10. Juli 2019 ab 18.00 Uhr.

Als Lokalität steht uns ein separater Raum zur Verfügung im Restaurant Zagreb, 51067 Köln-Holweide, Bergisch-Gladbacher-Str. 580

Internet und Beamer sind vorhanden, Laptops können mitgebracht werden.


Diesmal werden wir uns u.a. wieder mit einem Thema zur DNA-Genealogie beschäftigen. Nach einer kurzen Einführung zum Y-Chromosom von Norbert Bohrmann werden wir einen Vortrag von Hunter Provyn hören:

Y-DNA und Vorgeschichtliche Migrationen

Hier seine Webseite. Hunter spricht deutsch, auch der Vortrag ist in deutsch.

Danach wird noch genügend Zeit bleiben, um uns den alltäglichen Fragen unserer Familienforschung und auch zu unserem Vorhaben „Altes Köln“ zuzuwenden.

Wegen der räumlichen Verhältnisse ist die Teilnehmerzahl leider begrenzt.
Horst Reinhardt


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Neues vom Neandertaler

„Neanderthal-Museum Mettmann“by unterkuenfteduesseldorf is licensed under CC BY-ND 2.0

Die Vorfahren aller späteren Neandertaler lebten schon vor 120,000 Jahren in Europa

Forschende haben am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig Teile des Erbguts von zwei etwa 120.000 Jahre alten Neandertalern aus Deutschland und Belgien sequenziert. Die Analysen dieser Erbgut-Sequenzen ergaben, dass die letzten Neandertaler, die vor etwa 40.000 Jahren lebten, zumindest teilweise von diesen etwa 80.000 Jahre älteren europäischen Neandertalern abstammen. Im Erbgut des 120.000 Jahre alten Neandertalers aus Deutschland fanden die Forschenden außerdem Hinweise auf eine mögliche Abstammung von einer isolierten Neandertalerpopulation oder von Verwandten des modernen Menschen.

Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie

Darstellung von Ahnen- und Nachfahrentafeln

Bradford F. Lyon bietet auf seiner Webseite http://learnforeverlearn.com/ancestors/ interessante Visualisierungen von großen Ahnen- und Nachfahrentafel an. Man kann eigene Gedcom-Dateien hochladen und sich Verwandtenehen und Ahnenverlust sichtbar werden lassen. Die Personen werden als verknüpfte Punkte auf einer Zeitachse dargestellt.

Exploring Family Trees
Exploring Family Trees

Fährt man mit der Maus über die Punkte, so werden Informationen über die Personen und die Verwandtschaft zur Ursprungsperson angezeigt. Man hat auch die Möglichkeit, sich die theoretischen DNA-Anteile anzeigen zu lassen. Auf der englischsprachigen Webseite werden weitere Beispiele angezeigt.