Verlustlisten Österreich-Ungarn – Jahr 1915 ist fertig!

Die Erfassung des Kriegsjahres 1915 in den Österr.-Ungarischen Verlustlisten, die die Meldungen zum gesamten Habsburgerreiches betreffen, wurde nun fertiggestellt. Somit sind alle Meldungen aus den beiden Kriegsjahren 1914 und 1915 komplett. Meldungen konnten jedoch oft erst Monate, wenn nicht Jahre später in diesen Listen veröffentlicht werden und somit ist auch noch in späteren Listen mit Daten zu diesen Jahren zu rechnen.

1915 war wohl eines der schlimmsten, wenn nicht sogar das schlimmste Kriegsjahr des 1. Weltkriegs! Zum ersten Mal in der Geschichte wurde auch Giftgas eingesetzt.

Bedeutende Schlachten und Frontverschiebungen spiegeln sich natürlich, wenn oft auch noch zeitversetzt in den Meldungen der Verlustlisten wider.

An der Ostfront in Galizien fiel nach einer seit dem Herbst 1914 begonnenen Belagerung die Festung von Przemysl am 22. März 1915. Es kam zur Kapitulation, in deren Folge neben 9 Generälen und 2300 Offizieren weitere 110.000 östr.-ung. Soldaten in russische Gefangenschaft gerieten. In der Verteilung der Verlust-Art über die Zeit schlägt sich dies allerdings (noch) nicht wider.

Verlustlisten Österreich-Ungarn – Jahr 1915 ist fertig!


Die Schlacht bei Gorlice-Tarnów fand Anfang Mai 1915 an der Ostfront bei den Städten Gorlice und Tarnów im Norden des damaligen österreichisch-ungarischen Kronlandes Galizien statt.

Italien erklärte am 23. Mai 1915 den Mittelmächten den Krieg. Das führte zu einem Mehrfrontenkrieg für die Habsburger-Monarchie. Am Isonzo (einem Fluss im heutigen Slowenien) kam es zwischen Italien und Österreich-Ungarn am 23. Juni 1915 zur sogenannten 1. Isonzoschlacht, der noch weitere 11 Schlachten folgten (alleine in 1915 noch weitere 3 Schlachten).

Am 29. Juni war der deutsche und österreich-ungarische Aufmarsch in nördlichen Vorfeld des wiedererlangten Lemberg abgeschlossen.

Am 30. Juli eroberten die Mittelmächte Lublin und am 31. Juli Cholm. Die russische 3. und 4. Armee setzte sich nochmals an der Linie Opalin am Bug – Lencza – Nowo-Alexandria an der Weichsel. Am 4. August konnte die im Verband der k.u.k. 1. Armee operierende deutsche 5. Kavallerie-Division Wladimir-Wolynski besetzen.

Nach der für die Mittelmächte erfolgreichen Durchbruchsschlacht  im Mai 1915 bei Gorlice-Tarnów setzten die österreich-ungarischen Truppen im August 1915 mit einem Großangriff in der Ukraine die Offensive fort. Ziel war die Einnahme des russischen Festungsdreiecks Luzk, Dubno und Rowno. Der Angriff wurde getragen von der 7. habsburgischen Armee und der mit deutschen Verbänden neu gebildeten Südarmee. Sie konnten die russische Front zurückdrängen und bis zum Fluss Sereth vordringen.
Nach der Eroberung von Luzk am 31. August 1915 nahm die habsburgische Armee am 8. September 1915 auch Dubno ein. Die Russen konnten sich nur in dem Gebiet um Tarnopol (heute: Ternopol, Ukraine) halten. Aufgrund der prekären militärischen Lage übernahm Zar Nikolaus II. persönlich den Oberbefehl über die Armee und befahl eine Gegenoffensive. Mitte September konnten die russischen Truppen die gegnerische Offensive in der Schlacht bei Tarnopol aufhalten und gingen nun ihrerseits zum Angriff über. Erst an der Styrna gelang es der österreich-ungarischen Armee und deutschen Verstärkungen, den russischen Vormarsch aufzuhalten.

Der österreichisch-ungarischen Offensive hatte große Probleme am Südabschnitt der Ostfront wo sie an der alte Landesgrenze in Ostgalizien bereits auf russisches Territorium angesetzt war. Der Ende August durch General der Infanterie Conrad von Hötzendorf eingeleitete Feldzug nach Rowno brachte zwar die Eroberung von Lyck, war aber ansonsten ein Desaster. Nach anfänglichen Erfolgen in Wolhynien folgten in der ersten Monatshälfte des September aus dem Raum Rowno starke Gegenangriffe der russischen 8. Armee. Wegen der Gesamtverluste von 230.000 Mann seit Angriffsbeginn wurde die verlustreiche k.u.k. Herbstoffensive Ende September abgebrochen.

Der Erfolg über die Russen in Polen und Galizien zog am 14. Oktober 1915 den Kriegseintritt Bulgariens auf seiten der Mittelmächte nach sich. Die Kämpfe setzten sich fort bis zur Neujahrsschlacht von Mitte Dezember 1915 bis Mitte Jänner 1916, nach der auch die Ostfront auf der Linie zwischen Czernowitz (heute: Tschernowzy, Ukraine) und Dubno zum Stellungskrieg erstarrte.
Davon gibt es nur ganz wenige bereits gemeldete Verluste in den Listen bis Jahresende 1915.

Trägt man die in den Verlustlisten genannten Sterbedaten in einem Diagramm auf die Tage des Jahres 1915 ab, so ergibt sich folgendes Bild:

08.05.2019


Dabei sind unscharfe Zeitangaben in den Verlustlisten wie “1. Jänner bis 30. April 1915” bereits berücksichtigt. In solchen Fällen wurden die gemeldeten Zahlen auf die entsprechenden Tage verteilt, in diesem Fall also über 120 Tage. 

Vielleicht fragt sich die eine oder der andere, wieso wir vor einige Wochen schon gemeldet haben, dass die Hälfte geschafft sei und nun erst das Jahr 1915 abgeschlossen ist. Es kommen doch noch die Jahre 1916, 1917 und fast das ganze Jahr 1918. Die Erklärung ist in dieser Grafik zu sehen. In den fünf Kriegsmonaten des Jahres 1914 und im Jahr 1915 wurden viel mehr Verluste verzeichnet als in den folgenden Jahren. Außerdem haben wir bereits einen Teil der späteren Listen fertig getippt. Diese Grafik zeigt die fertigen und noch zu bearbeitenden Seiten der Verlustlisten im Überblick:


Hier der gleiche Sachverhalt in einer anderen Darstellung, nämlich in Einträgen pro Liste:

Und hier noch eine Grafik zu Verlusten aus allen bisher erfaßten Daten, die auch die Verschiebung des Meldezeitpunktes deutlich macht. In den späteren Jahren sind noch immer Meldungen zu den ersten beiden Kriegsjahren erfolgt.


Allen, die zur Erfassung beigetragen haben, sagen wir auf diesem Weg unser herzlichsten Dankeschön. Mit etwa 30 aktiven Mithelfern pro Woche haben wir dieses tolle (Zwischen-)Ergebnis erzielen können. Bitte helft weiter mit!


All jenen, die auch mithelfen wollen: meldet Euch kostenlos beim Projekt an, lest die Editionsrichtlinien  und gemeinsam bringen wir das Projekt zur Fertigstellung!

Das Gemeinschaftsprojekt in Kooperation mit Vereinen und Archiven:
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