Blogs kurz vorgestellt: „Archivalia“

„Willkommen zu Archivalia!“ hieß es am 5. Februar 2003. An diesem Tag startete der Historiker und Archivar Klaus Graf ein Weblog mit Einträgen „rund um das Archivwesen“. Genauer: Sein Weblog, denn obwohl als Gemeinschaft-Weblog geplant und geführt, stammt die überwiegende Mehrheit der Beiträge von Graf selbst.

Header des archivischen Blogs Archivalia

Warum ist Archivalia auch für Familienforscherinnen und -forscher interessant? Weil es Hinweise und Beiträge aus Archiv- und Geschichtswissenschaft verbindet – und dies konsequent auch aus der Perspektive der Nutzung von Archiven und (digitalisiertem) Archivgut. Die in Archivalia verwendeten Kategorien und die Schlagwortwolke dokumentieren Spektrum und Schwerpunkte der Hinweise, Beiträge und Kommentare. Beispielhaft genannt seien

  • Digitale Bibliotheken: ~3.700 Einträge rund um digitalisiertes und online zugängliches Archiv- und Bibliotheksgut
  • Open Access: ~3.000 Einträge, erwähnt sei hier auch die 2016 bis 2018 durchgeführte Aktion #Gemeinfreitag zur Online-Stellung von Digitalisaten
  • Archivrecht: ~2.800 Einträge, davon zahlreiche zum Thema Urheberrecht
  • Geschichtswissenschaft: ~1.900 Einträge zu einem Kaleidoskop wissenschaftlicher und populärer Aspekte (zur Verdeutlichung reicht ein Blick auf die jüngsten Beiträge in dieser Kategorie); siehe ergänzend auch die Kategorie Landesgeschichte

Mit Blick aus der Nutzerperspektive hat Graf bereits 2010 sieben „Grundregeln für digitale Projekte“ unter dem Akronym PERSONAVINO aufgestellt. Seine Erläuterungen in einem weiteren Beitrag 2019 sind lesenswert auch für nicht-wissenschaftliche Nutzerinnen und Nutzer von digitalen Kulturgut-Angeboten.

„Archivalia“ steht nicht zuletzt für den Kampf um die Erhaltung von Kulturgut. Schon im Jahr 2003 diente es als öffentliche Plattform, um auf die damals vom Sächsischen Rechnungshof geforderte „Digitalisierung von Archivgut mit anschließender Kassation der Originale“ aufmerksam zu machen. Bundesweite Aufmerksamkeit erregte die Causa Stralsund 2012/2013, bei der es um die Rettung einer von der Stadt Stralsund verkauften historischen Gymnasialbibliothek ging (wir berichteten seinerzeit in unserem Newsletter).

Die zahlreichen substantiellen Beiträge zur Kodikologie (Handschriftenkunde) seien hier nur erwähnt. Sie gehören zum Profil von Archivalia, richten sich aber eher an das wissenschaftliche Publikum.

Last but not least: Auch die Genealogie ist als eigene Kategorie mit rund 680 Einträgen vertreten. Ein erster Eintrag zu unserem Verein für Computergenealogie und seinen Aktivitäten findet sich bereits im Gründungsjahr 2003; umgekehrt verfolgt die CompGen-Redaktion die Beiträge auf Archivalia kontinuierlich und gibt für „unser“ Publikum interessante Hinweise immer wieder entsprechend weiter.

2014 plädierte Klaus Graf in Archivalia nachdrücklich für Blogs als (Zitat) „Teil des Web 2.0, des Mitmach-Webs. Bürgerarchive müssen sich von ihrem verknöcherten obrigkeitlichen Anstalts-Gehabe lösen und partnerschaftlich mit den anderen Akteuren auf dem großen Feld ‚Geschichte‘ (Forschung, Vermittlung, Erinnerungskultur) zusammenarbeiten. Archive können durch Crowdsourcing nur gewinnen.“ Nichts liegt daher näher, als die „Mutter der immer noch zu wenigen, deutschen Archivblogs“ hier an den Anfang unserer kleinen Serie der Vorstellung von archivischen Blogs zu stellen.