Vor mehr als 50 Jahren: Pocken-Alarm in der Eifel und im Sauerland

Im Dezember 2019 erinnerte der WDR im Zeitzeichen daran, dass die Weltgesundheitsorganisation WHO vor 41 Jahren die Pocken weltweit als ausgerottet erklärt hatte. Im Mai 1980 bestätigte die Versammlung der WHO diese Erklärung. Erst wenige Jahre zuvor war die letzte Pocken-Epidemie in Somalia ausgebrochen. Im Januar 1970 kehrte der 20jährige Bernd N. von seiner Reise durch Pakistan und Indien zurück nach Frankfurt und meldete sich mit Fieber in seinem Heimatort Meschede im Krankenhaus. Bald stand fest: Er hatte die Pocken. 20 Personen wurden infiziert, vier sterben. Panik herrschte im Sauerland.

Steffen Kopetzky, der Autor des Buches „Propaganda“ über die Schlacht im Hürtgenwald im November 1944, in der der deutsche Sanitätsoffizier Günter Stüttgen amerikanischen und deutschen Soldaten das Leben rettete, berichtete im Spiegel über die Pockenepidemie in Kreis Monschau, die ein Monteur von einer Dienstreise nach Indien zum Jahreswechsel 1961/62 eingeschleppt hatte. Erst nach vier Wochen dämmerte dem Hausarzt, dass die Pusteln auf der Haut der Tochter nicht die Windpocken, sondern von den gefährlichen Variola-Viren verursacht waren. In diesen dramatischen Wochen war der Dermatologe Professor Günter Stüttgen (1919-2003) der einzige Arzt, der mit seinem jungen Assistenten Constantin Orfanos bereit war, nach Simmerath zu fahren. Erst am 2. Februar 1962 wurden die Bewohner informiert und isoliert, Belgien schloß die Grenzen nach Deutschland, Schulen wurden zu Quarantänestationen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO erklärt den Landkreis zum Internationalen Infektionsgebiet. Die Nachbarkrankenhäuser wehrten sich, Patienten aus dem Landkreis Monschau aufzunehmen. Bilanz im April 1962: eine Tote, 37 schwer bis mittelschwer Erkrankte, 5000 Impfungen – insgesamt „ein milder Verlauf“, wie die Ärzte feststellten. Stüttgen hatte sich ebenfalls infiziert, eine Krankenschwester, die ihn in Düsseldorf pflegte, starb an den Pocken.